Einen ungewöhnlichen Besucher hat Thomas Hirte bei seiner Führung durch die „Tierausstellung“ im Städtischen Museum Überlingen: Simba, der Hauskater des Museumsleiters Peter Graubach, mischt sich ganz ungeniert unter das Fußvolk und betrachtet die Exponate einmal aus einer etwas anderen Perspektive. „Normalerweise darf er nicht in die Museumsräume“, sagt Peter Graubach, doch hin und wieder entwischt Simba unbemerkt und folgt den Besuchern.

Zumal sich der Kater derzeit in der Sonderausstellung im oberen Stockwerk offensichtlich in bester animalischer Gesellschaft befindet. Dort sind die Wände bestückt mit den Bildern unterschiedlichster Tiere, wertvolle Exponate vom Mittelalter bis in die Neuzeit, thematisch wohl geordnet und auf mehrere Räume verteilt. Gleich im ersten Raum hängt ein Bild von Bruno Epple, „Katzensphinx“, welches Simba mit großem Respekt und etwas Mitgefühl betrachtet, hat der Artgenosse doch offensichtlich bei einer Rauferei ein Auge verloren.

Dem großformatigen Gemälde „schwarzer Panther“ von Eberhard Schmidt oder dem „malenden Affen“ von Pavel Feinstein gönnt der Kater keinen Blick und schreitet gleich ins nächste Zimmer, um sich vor seinem offensichtlichen Lieblingsbild zu postieren, dem Stillleben „Pose“ von Jan Dörre. Ganz offensichtlich ist es nicht der knackige Apfel auf dem Gemälde, der es ihm angetan hat, doch wohl eher der verlockend bunte Vogel, der doch nicht ewig dort wie angewachsen sitzen bleiben kann.

Die zahlreichen Infotafeln in den Räumen lässt Simba unbeachtet, obwohl sich die Ausstellungsmacher alle Mühe gegeben haben, den Besuchern didaktisches Material an die Hand zu geben, historische Hintergründe und Erklärungen, Informationen über Tierpsychologie, das Tierbild in Erzählungen und Mythen, Anregungen, einmal darüber nachzudenken, was uns mit den Tieren verbindet, wie „menschlich sind Tiere und wie tierisch ist der Mensch“?

Simba betritt den letzten Raum der Ausstellung, zugegeben mit einem gewissen Unbehagen. Da steht er, der gewaltige, unheimliche Drache aus Stein, einst wasserspeiende Chimäre am Nikolausmünster, in wechselndem Farbenspiel angestrahlt. Gegenüber hängt eine Zeichnung von Picasso, diese weltberühmte Friedentaube, mit nur vier Strichen virtuos hingezeichnet. Simba schaut sich das Bild an und es scheint, als wüsste der Kater, dass er diesen Vogel leicht mit nur einem einzigen Streich vom Himmel holen könnte.

Die Ausstellung

  • Die Sonderausstellung “Das Tierbild vom Mittelalter bis heute – vom Drachen bis zur Friedenstaube“ zeigt die faszinierende Kulturgeschichte des Tierbildes aus unterschiedlichen Blickwinkeln vom Mittelalter bis heute.
  • Die mehr als 100 Exponate, Gemälde, Grafiken und Bücher, sind nach Themenbereichen gruppiert: Katzen und Raubkatzen, Tierforschung und Zoologie, Menagieren und Zoos, Tierpsychologie, das Verhältnis Mensch-Tier im Wandel der Zeit, das Tier als fühlendes, denkendes Mitgeschöpf, Deutungen der Physiognomie, Tiere und ihre Dämonisierung in Fabeln und Märchen, der Mythos Drache und die Friedenstaube.
  • Großformatige Texttafeln zeigen historische Bezüge auf, nennen zentrale Textquellen, zitieren Persönlichkeiten und erläutern Begriffe und Zusammenhänge.
  • Bis zum 16. Dezember ist die Ausstellung von Dienstag bis Samstag, 9 bis 12.30 Uhr und 14 bis 17 Uhr, sowie sonntags und feiertags von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Montags und ab 1. November auch sonntags geschlossen. Eintritt: 5 Euro.