Aufgerufen waren Menschen mit einer „sogenannten geistigen Behinderung“, Texte und begleitende Bilder zum Thema „Körper, Geist, Seele“ anzufertigen. Die von einer Jury aus über 1000 eingesandten Beiträgen ausgewählten Texte sind in dem Kalender „Hinterm Herzen Sellerie“ erschienen.

Das könnte Sie auch interessieren

Roswitha Wegis freut sich riesig über diesen Erfolg. Auch Markus Ruhland und Felicitas Hafen strahlen und genießen sichtlich die Anerkennung, denn auch ihre Gedichte sind Teil des Kalenders geworden.

Roswitha Wegis hat einen liebevollen Brief an ihren Körper geschrieben.
Roswitha Wegis hat einen liebevollen Brief an ihren Körper geschrieben. | Bild: Sabine Busse

Geschrieben haben sie diese im Kunstatelier der Sozialkulturellen Integrationsdienste (Skid) in Überlingen. „Wir haben einen Informationsnachmittag veranstaltet und das Projekt vorgestellt“, erläutert Marion Kalide-Kleimeier.

Ihre Wettbewerbstexte haben Markus Ruhland, Roswitha Wegis und Felicitas Hafen (von rechts) im Skid-Kunstatelier geschrieben. Irene Fechau, Leiterin des Ateliers, hat sie unterstützt.
Ihre Wettbewerbstexte haben Markus Ruhland, Roswitha Wegis und Felicitas Hafen (von rechts) im Skid-Kunstatelier geschrieben. Irene Fechau, Leiterin des Ateliers, hat sie unterstützt. | Bild: Sabine Busse

Die Arbeitstherapeutin kannte die Initiative aus der Schule ihres Sohnes und brachte die Idee mit zu Skid, wo sie in den Werkstätten Menschen mit Assistenzbedarf betreut. Zusammen mit Irene Fechau, die das Kunstatelier leitet, haben sie alle, die mitmachen wollten, bei der Themenfindung und beim Schreiben unterstützt. „Wir haben uns besonders gefreut, dass sich an dem Projekt nicht nur Leute aus dem Kunstatelier, sondern aus allen Arbeitsbereichen beteiligt haben“, berichtet Irene Fechau.

Felicitas Hafen zeigt stolz ihren von der Jury ausgewählten Text für den Kalender.
Felicitas Hafen zeigt stolz ihren von der Jury ausgewählten Text für den Kalender. | Bild: Sabine Busse

Felicitas Hafen ist ihre Freude über den Erfolg deutlich anzusehen. Sie findet zu jedem Satz einen Reim und überlegt direkt, was zu „SÜDKURIER lesen“ passt. In ihren Gedichten kommen oft Geister vor, die beim genauen Hinschauen jeden Schrecken verlieren. Das von vielen Menschen bevölkerte Schloss von einem Geist entpuppt sich als Hotel und der Wellengeist sorgt dafür, dass die Seelen der Menschen sich verlieben. „Ich möchte beim nächsten Mal wieder mitmachen“, sagt sie. „Das macht viel Spaß. Das ist eine Ehre!“

Markus Ruhland setzt seine Texte wie Puzzle zusammen.
Markus Ruhland setzt seine Texte wie Puzzle zusammen. | Bild: Sabine Busse

Markus Ruhlands Freude ist stiller – aber auch nicht zu übersehen. Er hat sich dem Thema sehr selbstreflektiert genähert und erzählt im Gedicht „Seelenwärmer“, wann sich seine Seele warm, ruhig oder kalt anfühlt. In „Mein Herzenswunsch“ beschreibt er die Sehnsucht nach einer Partnerin mit großer Offenheit. „Ich überlege, was tut mir gut und schreibe dann nach meinem Bauchgefühl“, sagt er. Die passenden Wörter zusammenzusetzen, das erinnere ihn an ein Puzzle. Bei Roswitha Wegis hingegen kommen die Sätze einfach so aus ihr heraus.

Gut gelaunt setzen sie sich für das Foto noch einmal an den Tisch, greifen zu den Stiften und schreiben. Was sich so leicht und originell liest, ist das Ergebnis konzentrierter Arbeit. Die Texte eröffnen neue Sichtweisen, sind berührend, machen Spaß und manchmal auch ein bisschen betroffen. Oder sind verblüffend positiv. So wünscht sich Roswitha Wegis in ihrem Gedicht „An meinen Körper“, bald wieder Radfahren zu können, und endet mit dem Satz: „Wir probieren es zusammen!“