Fragt man Axel Sautter, wo er am liebsten Fahrrad fährt, muss er nicht lange überlegen: "Überall! Nur im Sommer meide ich den See, wenn es geht." Der Grund dafür ist aber nicht, dass er eine Abneigung gegen Wasser hätte. Sautter fährt Rennrad, und im Sommer ist auf den Radwegen und Straßen, die direkt am See verlaufen, einfach viel zu viel los. Deshalb fährt Sautter lieber im Hinterland – seine Touren führen dann in Richtung Allgäu, Stockach, "manchmal fahre ich auch auf den Bodanrück und die Höri". Das sind weite Strecken – aber Sautter betreibt den Sport fast schon professionell.

An sechs Tagen in der Woche wird trainiert

Wie lange seine Strecken sind und wie viele Höhenmeter er dabei überwindet, bestimmt ein Trainingsplan, den er sich selbst aufstellt. Je nach Ziel, auf das er hinarbeitet, ergeben sich verschiedene Trainingsphasen mit unterschiedlichen Anforderungen. Um seine Leistung zu erbringen, sitzt Sautter fast täglich im Sattel, "nur montags habe ich meinen Ruhetag", erzählt er.

Axel Sautter kurz nach dem Start des Zeitfahrens im norditalienischen Varese.
Axel Sautter kurz nach dem Start des Zeitfahrens im norditalienischen Varese. | Bild: Axel Sautter

Dass er den Sport einmal so intensiv betreiben würde, wie er es heute tut, hätte Sautter vor ein paar Jahren selbst noch nicht gedacht: "Es ist eigentlich lustig, wie das Ganze anfing." Die Überlinger Waldorfschule veranstaltet jährlich eine Reise mit dem Rennrad für die siebte Klassenstufe. Über zwei Wochen führt die "Tour de Lauro" vom Bodensee bis ins Örtchen Lauro bei Neapel. 2010 nahm Sautters Sohn an dieser Tour teil – und es wurden noch Begleiter gesucht. Axel Sautter ließ sich überreden, kaufte sich ein Rennrad: "Und seitdem bin ich dabei."

Trainiert wird auch im Urlaub

Sautter hat seitdem eine erstaunliche Entwicklung hingelegt für jemanden, der früher hauptsächlich Handball spielte und Rennradfahren "eher langweilig" fand. Aber seit der Italien-Tour ist er beim Rennrad geblieben: Fuhr er im ersten Jahr noch ungefähr 5 000 Kilometer, sind es inzwischen etwa 15 000 – mehr, als andere Leute jährlich mit ihrem Auto zurücklegen. Inzwischen werden die Urlaubsziele teilweise nach der Radfahrtauglichkeit ausgewählt, sagt Sautter.

Mit dem intensiven Training ging der Wunsch einher, sich gelegentlich mit anderen Fahrern zu messen. Neben Wettbewerben wie dem "Dreiländergiro", der durch Italien, Österreich und die Schweiz führt, entschied er sich dieses Jahr zur Teilnahme an den "UCI Gran Fondo World Series" (siehe Infokasten), an denen er 2013 schon einmal teilgenommen hatte. Beim Radrennen in der slowenischen Hauptstadt Ljubiljana im Juni gehörte er zum besten Viertel der Starter und qualifizierte sich damit für das Finale, das dieses Jahr im norditalienischen Varese stattfand: "Ein lohnendes Ziel für den Sommer, dachte ich mir", sagt Sautter und schmunzelt.

Axel Sautter vor dem Zeitfahren – das Nationaltrikot war Pflicht für die Teilnehmer.
Axel Sautter vor dem Zeitfahren – das Nationaltrikot war Pflicht für die Teilnehmer. | Bild: Axel Sautter

Allzu viel Zeit zum Ausruhen blieb aber nicht: Immerhin trafen sich Anfang September die weltweit besten Amateurfahrer in Varese. Sautter reiste etwas früher an und nutzte die Zeit, um die Wettbewerbsstrecken zu begutachten. "Ich war erstaunt, dass die Straßen dort noch schlechter sind, als sonst in Italien üblich", sagt Sautter. Durch Schlaglöcher steige die Gefahr für Unfälle, gerade bei einem Massenstart.

Vom Massensturz verschont

Und ein solcher stand ihm beim Straßenrennen bevor: In seiner Altersklasse der 50- bis 54-Jährigen starteten circa 400 Teilnehmer – "Das wirft bei mir Fragen bezüglich der Sicherheit auf", sagt Sautter. Und damit sollte er Recht behalten: Kurz nach dem Start gab es einen Massensturz, von dem Sautter glücklicherweise verschont blieb. In die Spitzengruppe schaffte er es aufgrund des großen Startfeldes nicht – zum Schluss blieb ein Platz im Mittelfeld. "Das war okay, das Straßenrennen wollte ich nur am Rande mitnehmen" – Sautters Schwerpunkt liegt auf dem Zeitfahren.

Nach gut 22 Kilometern erreicht Axel Sautter das Ziel des Zeitfahrens im italienischen Varese.
Nach gut 22 Kilometern erreicht Axel Sautter das Ziel des Zeitfahrens im italienischen Varese. | Bild: Axel Sautter

Dort belegte er Platz 38 von 84 Startern. Obwohl er mit seiner Leistung durchaus zufrieden war, beschreibt er die Platzierung als "etwas ernüchternd". Denn die Konkurrenz war besser als gedacht: "Es war einfach ein superstarkes Feld."

Sein nächstes Ziel hat er schon anvisiert: "2020 ist das Finale in Vancouver, das wäre schon attraktiv. Außerdem starte ich dann in der nächsten Altersklasse" – tendenziell ein Vorteil, da er dann zu den Jüngsten gehören würde.

Mitglied im Überlinger Radsportverein

Bis dahin fährt er weiter am Bodensee, manchmal gemeinsam mit Gleichgesinnten, die sich im Verein "Radsportfreunde Überlingen" gefunden haben. Dort bekommt Axel Sautter auch seine Lizenz und für Varese hat ihm der Verein auch das Nationaltrikot gesponsort, das dort vorgeschrieben war. Alle anderen Kosten trägt er selbst – schließlich ist es ein Hobby. "Und das muss sich nicht unbedingt rechnen."