Schwedenprozession, Hänselejuck, Dreikönigstrunk: In Überlingen gibt es eine ganze Reihe tradtioneller Brauchtumsveranstaltungen. Bei einer langen Historie bleibt es nicht aus, dass es auch immer wieder Premieren gibt. So etwa auch im Januar 1994, als Klaus Patzel, der im Jahr zuvor zum neuen Oberbürgermeister gewählt worden war, zum ersten Mal den Dreikönigstrunk leitete.

Die Traditionsveranstaltung wurde von Winzern ins Leben gerufen, zu einer Zeit, in der Neujahrsempfänge nicht üblich waren. Dabei ist die Zahl der Gäste wegen des historischen Ortes im Ratssaal beschränkt. Es sind insbesondere Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft, aber auch Vertreter von Behörden und Vereine sowie Bürger, die sich fürs Gemeinwohl engagieren, dabei.

Der Dreikönigstrunk findet traditionell im historischen Ratssaal statt. Das Bild aus den 1970er-Jahren zeigt den von Jakob Russ geschaffenen Saal in voller Pracht.
Der Dreikönigstrunk findet traditionell im historischen Ratssaal statt. Das Bild aus den 1970er-Jahren zeigt den von Jakob Russ geschaffenen Saal in voller Pracht. | Bild: Foto Lauterwasser

Patzel nutzte dieses Forum, um seine Ziele als neues Stadtoberhaupt zu formulieren. Er wolle die "schon klinisch tote Kur GmbH" wiederbeleben und die Stadtverwaltung reformieren. Tatsächlich hat die Kur GmbH nicht überlebt, ging aber 1995 in die Kur- und Touristik GmbH über, die seit dem vergangenen Jahr unter dem Namen Überlingen Marketing und Tourismus GmbH firmiert.

Weitere Themen, die Patzel in seiner Neujahrsrede ansprach, erinnern auch an heutige Diskussionen: Wohnraumförderung, Gewerbeansiedlung, Touristik und städtische Liegenschaften. Ob auch der heutige Oberbürgermeister Jan Zeitler, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal zum historischen Dreikönigsbecher griff, beim Empfang am morgigen Sonntag diese Themen ebenfalls auf der Agenda hat, bleibt abzuwarten.

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Fest steht, dass der Dreikönigstrunk auch in diesem Jahr wieder im historischen Ratssaal stattfinden wird. 1994 feierte dieser ein besonderes Jubiläum. Genau 500 Jahre nach der Fertigstellung des Saals stellte der städtische Kulturreferent Guntram Brummer beim Dreikönigstrunk ein neues Buch über das "Überlinger sanctissimum" vor, also das Allerheiligste, wie es Klaus Patzel bezeichnete.

Der von Jakob Russ geschaffene Saal sei ein "Symbol des 1806 versunkenen Reiches und Unterpfand des Überlinger Selbstbewusstseins". Kulturreferrent Guntram Brummer meinte zu seinem Buch: "Denkmäler und das Wissen von ihnen bedürfen der Pflege."