Für manche Überraschung sorgten am Samstagmorgen beim 47. Dreikönigstauchen der Tauchgruppe Überlingen allein schon die unberechenbaren Nebelschwaden. Sie waberten noch durch die höheren Lagen der Stadt, als die ersten Taucher mit den ersten Sonnenstrahlen schon ins sechs Grad kalte Wasser stiegen. Mehr als 200 aus nah und fern sollten folgen. Um 10 Uhr war das Parkhaus Post besetzt und die wenigen oberirdischen Parkplätze an der Seestraße wurden noch aktiviert. Der 222. Teilnehmer registrierte sich gegen 11 Uhr im Logbuch des Veranstalters.

Ein Mekka für Aquanauten ist und bleibt Überlingen insbesondere dank seiner Steilwände unter Wasser, die in dieser ausgeprägten Form nicht nur am Bodensee, sondern in ganz Deutschland nahezu einzigartig sind. Und diese sind nicht nur topografisch spektakulär, sondern bilden auch ganz besondere Lebensräume. Die Herkunft der Unterwasserfans unterstrich dieses Alleinstellungsmerkmal einmal mehr: Die größte Distanz legten Teilnehmer aus Papenburg an der Ems zurück, auch vom Genfer See waren neugierige Taucher erstmals angereist. Ältester Teilnehmer war wie seit vielen Jahren der vollbärtige Hans Bosch aus Freiburg mit seinen 77 Jahren. "In der Zwischenzeit ist er an Land zwar nicht mehr ganz so behände", sagte Organisator Dirk Diestel: "Doch unter Wasser ist er wie ein Fisch." Schon mehrfach hatte Bosch auch die Schatzkiste gehoben. "Das ist nur ein Spaß am Rande", erklärte Diestel: "Den meisten geht es um das tolle Tauchrevier."

Dieses Mal hatte der Uhldinger Daniel Günzel von den Bodensee-Aquanauten Ernst gemacht. Er war schon kurz nach 7 Uhr angekommen und hatte sich als einer der ersten um 8 Uhr ins Wasser begeben. "Günzel hatte einen Scooter mitgebracht, um schnellstmöglich die Uferlinie abzutauchen", sagte Diestel später: "Um 8.30 Uhr hatte er die Kiste schon geborgen." Mit Professor Franz Brümmer von der Universität Stuttgart tauchte ein Biologe ab, der am Bodensee in den vergangenen Jahren schon einige überraschende Entdeckungen gemacht hat. "Wir haben hier einige seltene Süßwasserschwämme gefunden", erklärte er und auch dieses Mal holte er sich einige Proben, die er mit in sein Labor nahm. Eine neue Art der Dreikantmuschel kramte er aus seinen Handschuhen, die sich seit einiger Zeit im See angesiedelt hat. Die Quagga (Dreissena rostriformis) gehört zu den sogenannten Neozoen, die im Mai 2016 erstmals bei Wallhausen beobachtet worden war und sich inzwischen schon weit ausgebreitet hat. Wie der Höckerflohkrebs, der ebenfalls zur Sammlung Brümmers an diesem Tag gehörte. Manche kamen vor allem, um die Saiblinge auf dem Weg in ihre Brutregionen am Ufer zu beobachten – wie Clemens, Udo und Gerhard vom Polizeisportverein Stuttgart. "Die Saiblinge haben zur Zeit einen knallroten Bauch", schilderte Clemens seine Beobachtungen.

Schon einige Taucherfahrung von anderen Revieren brachte Lea Schwab vom Tauchclub Uni Stuttgart Manatees mit. Bei ihrem ersten Tauchgang am Bodensee nahm sie die Begleitung des erfahrenen Tauchlehrers Werner Vetter aus Langenargen jedoch gerne an und war begeistert von dem Revier.
Schon einige Taucherfahrung von anderen Revieren brachte Lea Schwab vom Tauchclub Uni Stuttgart Manatees mit. Bei ihrem ersten Tauchgang am Bodensee nahm sie die Begleitung des erfahrenen Tauchlehrers Werner Vetter aus Langenargen jedoch gerne an und war begeistert von dem Revier. | Bild: Hanspeter Walter

Eine Besonderheit war es, dass die Taucher an diesem Tag auch vor der Promenade in Richtung Landungsplatz schwimmen konnten. "Einen Steilabfall gibt es hier zwar nicht", sagte Ralf Münzenmayer, Vorsitzender der Bodensee-Aquanauten. Doch ließ sich hier unter Wasser manch andere Entdeckung menschlichen Ursprungs machen. Das schönste Revier überhaupt sei derzeit allerdings von der Gartenschaubaustelle blockiert. Da ist sich Münzenmayer mit den anderen einig.

Biologe Franz Brümmer nutzte das Dreikönigstauchen, um wieder einige Proben von Süßwasserschwämmen einzusammeln – und die neue Dreikantmuschel Quagga.
Biologe Franz Brümmer nutzte das Dreikönigstauchen, um wieder einige Proben von Süßwasserschwämmen einzusammeln – und die neue Dreikantmuschel Quagga. | Bild: Hanspeter Walter

Während man beim Minigolfplatz erst einmal 25 Meter abtauchen muss, beginnt dort die Steilwand teilweise schon nach wenigen Metern. "Das ist echt schade", sagte Münzenmayer etwas ungeduldig: "Im Westen, wo die Erdbewegungen abgeschlossen sind, könnte man das doch wieder freigeben."

 

"Heute ist es doch richtig warm hier"

  • Ulrich Zimmermann von der Tauchgruppe Kirchheim/Teck taucht inzwischen seit 30 Jahren und zum 30. Mal kam er jetzt auch zum Dreikönigstauchen nach Überlingen. "Heute ist es doch richtig warm hier", sagt Zimmermann, für den die Teilnahme an diesem Ereignis einfach zum vergnüglichen Pflichtprogramm gehört: "Das hier ist einfach ein Tauchertreff, mit dem man das Jahr beginnt." Den Kirchheimer hätten auch kältere Temperaturen kaum aus dem Konzept bringen können. Er hat eine Heizung für den Trockenanzug mit unter Wasser und nachdem er seinen Tauchgang abgeschlossen hat, muss er sie schnell abschalten. "Heute habe ich sowieso nur die Hände geheizt", erklärt Zimmermann.
    Für Ulrich Zimmermann von der Tauchgruppe Kirchheim/Teck war es der 2500. Tauchgang.
    Für Ulrich Zimmermann von der Tauchgruppe Kirchheim/Teck war es der 2500. Tauchgang. | Bild: Hanspeter Walter
    "Die Steilwand ist einfach sehr schön", beschreibt er seine Motivation, immer wieder herzukommen: "Und der Bodensee mit seinem klaren Wasser ist einfach toll." Mit Zahlen hat es der Taucher aus Kirchheim/Teck an diesem Tag. Stolz reckte er die Arme nach dem Auftauchen mit den Ziffern 2500 in die Luft. "Das war mein 2500. Tauchgang", sagt Zimmermann und setzt der Zahlenstatistik noch eine Krone auf: "Ja, wir waren 25 Minuten unten in 25 Meter Tiefe." Dort ist er einfach 20 Minuten lang "über der Steilwand geschwebt", wie er sagt: "Es ist einfach fantastisch." Die schönste Stelle überhaupt sei für ihn allerdings auch "dort, wo sie jetzt bauet", sagt der Schwabe, "beim ehemaligen Campingplatz. Da fängt die Wand schon nach ein, zwei Metern an. Es wäre super, wenn man da wieder rein könnte".
  • Karina Weiler kommt zwar aus Konstanz und ist ein Kind vom Bodensee. Sie taucht seit acht Jahren und ist auch schon am Mittelmeer getaucht. Doch beim Dreikönigstauchen in Überlingen war sie das erste Mal mit von der Partie. Scheinbar kommt kein Unterwasserfan aus der Region an diesem Klassiker vorbei und muss irgendwann dabei gewesen sein. "Für mich ist es einfach schön, im Wasser zu sein", freut sie sich bereits vor dem Einstieg auf den bevorstehenden Tauchgang. "Und die Steilwände sind sehr schön", sagt sie. Bei rund 30 Metern liegt Karina Weilers derzeitiger Tiefenrekord. "Am See waren es bisher erst 28 Meter", ist die junge Konstanzerin präzise. Warum lohnt sich der Bodensee für sie, wenn sie schon häufiger am Mittelmeer getaucht ist? "Der liegt einfach vor der Haustür und man muss nicht weit fahren", sagt sie. Aus Konstanz allenfalls mal über den Bodensee nach Meersburg, wo Karina Weiler bislang meist tauchen war. Doch das Überlinger Ufer bietet ihrer Meinung nach einfach mehr.
    Karina Weiler aus Konstanz war erstmals beim Dreikönigstauchen in Überlingen dabei.
    Karina Weiler aus Konstanz war erstmals beim Dreikönigstauchen in Überlingen dabei. | Bild: Hanspeter Walter