Überlingen – Bildung ist Voraussetzung, damit Frauen Karriere machen können. „Sie ist ein Muss – aber nicht ausreichend.“ So klarkantig bringt Renate Neumann-Schäfer das Thema des Abends auf den Punkt: „Wie Bildung den Lebensweg prägt.“ Der Club Soroptimist hat zu dem Gesprächsabend aus seiner Reihe „Frauen-Leben“ wieder in die Klinik Buchinger-Wilhelmi eingeladen. Dank der Hand in Hand laufenden Dreier-Moderation der Soroptimistinnen Petra Bekker, Karin Degner und Françoise Wilhelmi de Toledo entsteht ein reger Austausch, auch mit dem Publikum. Dabei geht es auch um Fragen wie Unternehmensnachfolge, Mentorprogramme und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

"Klar, Vielfalt ist wichtig (für eine erfolgreiche Karriere). Aber viel wichtiger ist: Wer bin ich, was sind meine Stärken? Wie viel Kraft habe ich, wie stressfähig bin ich?", sagt Renate Neumann-Schäfer.
"Klar, Vielfalt ist wichtig (für eine erfolgreiche Karriere). Aber viel wichtiger ist: Wer bin ich, was sind meine Stärken? Wie viel Kraft habe ich, wie stressfähig bin ich?", sagt Renate Neumann-Schäfer.

Alle nicht aus Akademikerfamilien

Die drei Gäste – die Betriebswirtschaftlerinnen Renate Neumann-Schäfer und Ursula Koners und die Ingenieurin Stefanie Schulte-Hinsken – sind alle promoviert, waren und sind in leitenden Positionen tätig – und stammen nicht aus Akademikerfamilien. Doch die Entscheidung ihrer Töchter für ein Studium unterstützten die Eltern aller Drei, auch wenn sie sie gerne als Nachfolgerinnen im Familienbetrieb gesehen hätten. Allerdings durfte Renate Neumann-Schäfer, die aus einer niedersächsischen Bauerndynastie stammt, „nur in festem Rahmen studieren“, was die Fächerwahl anging. „Es galt die Regel: Erbe verpflichtet.“ Neumann-Schäfer folgte, doch: „Ich habe offen studiert“, nicht auf ein fixes Ziel hin. Dazu gehörten auch Vorlesungen in anderen Gebieten, etwa Germanistik. Auf die Frage, ob ihr diese Vielfalt beim Berufseinstieg geholfen habe, sagt die 1954 Geborene trocken, damals hätten ihr unter anderem Absagen von Firmen wie Daimler und Siemens die Botschaft vermittelt: „Die deutsche Wirtschaft braucht keine Frauen.“

Stefanie Schulte-Hinsken: "Es war der größte Wunsch meiner Mutter, mir und meiner Schwester ein Studium zu ermöglichen. Das war das größte Geschenk, das unsere Eltern uns gemacht haben."
Stefanie Schulte-Hinsken: "Es war der größte Wunsch meiner Mutter, mir und meiner Schwester ein Studium zu ermöglichen. Das war das größte Geschenk, das unsere Eltern uns gemacht haben."

„Ich wollte gar nicht zu Daimler“

Die Mittvierzigerin Ursula Koners meint, das sei bei ihr schon anders gewesen. „Ich wollte gar nicht zu Daimler.“ Sie bekam dort trotzdem eine Stelle. Doch sie habe nach einiger Zeit gemerkt, dass sie lieber mit Leuten arbeite, „die über ihren eigenen Geldbeutel entscheiden und nicht den anderer“. Koners stammt aus einem Markdorfer Familienunternehmen für Bauelemente. Sie ist das jüngste von vier Kindern, „die Ersten, die studieren durften“. Koners spricht von einem sehr unterstützenden Umfeld. „Meine Eltern haben mich ermutigt, herauszufinden und zu machen, was mir wirklich liegt.“

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Stefanie Schulte-Hinsken wuchs im Sauerland auf, wo ihre Eltern ein Geschäft für Uhren und Schmuck führten. „Es war der größte Wunsch meiner Mutter, mir und meiner Schwester ein Studium zu ermöglichen. Das war das größte Geschenk, das unsere Eltern uns gemacht haben.“ Schulte-Hinsken studierte Vermessungstechnik, stellte ihre Interessen aber ebenfalls breit auf. Sie überlegte noch lange, ob sie das heimische Geschäft nicht doch fortführen sollte. Ihre Eltern hätte es gerne an die Tochter übergeben, damals noch keine Selbstverständlichkeit.

Koners, Expertin für Unternehmensnachfolge, betont: „Heute haben nicht nur die Söhne Relevanz.“ Überhaupt komme es für eine gelungene Übergabe weniger darauf an, wer aus einer Familie Einfluss ausübe, wichtiger sei vielmehr, wie diese es tue.

Ursula Koners sagt: "Ich hatte ein sehr unterstützendes Umfeld. Meine Eltern haben mich ermutigt, herauszufinden und zu machen, was mir wirklich liegt."
Ursula Koners sagt: "Ich hatte ein sehr unterstützendes Umfeld. Meine Eltern haben mich ermutigt, herauszufinden und zu machen, was mir wirklich liegt."

Was ist für Erfolg wichtig?

Was ist für Erfolg, außer Bildung, noch wichtig? Etwa das Wissen um kulturelle Unterschiede und auch das Rollenverhalten der Geschlechter. Neumann-Schäfer sagt, bezogen auf hierarchische Strukturen: „Ein männlicher Player liebt den Wettbewerb.“ Während einer Konferenz sei sie mal als „Herr“ tituliert worden. Ihr damaliger Chef, ein chinesischer Milliardär, meinte: „Renate, es ist die höchste Ehre für eine Frau in China, wenn sie mit Herr angesprochen wird.“ Schulte-Hinsken ergänzt, für international gemischte Teams sei persönliches Kennenlernen essenziell. Wissensaustausch, generell wichtig, „ist in gemischten Teams das A und O“. Der Rat der Drei für Berufsanfänger? Koners: „Einen Rucksack schnüren und möglichst viel reintun, Erfahrungen sammeln, ausprobieren.“ Schulte-Hinsken: „Mutig sein, das zu machen, was einem wirklich liegt und nicht nur nach Erfolg schielen, Verantwortung übernehmen, neugierig bleiben.“ Neumann-Schäfer: „Klar, Vielfalt ist wichtig. Aber viel wichtiger ist: Wer bin ich, was sind meine Stärken? Wie viel Kraft habe ich, wie stressfähig bin ich?“

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