In Hödingen blühen die Neurosen – zumindest im Dorftheater. Denn Letzteres spielt vom 27. bis 30. Dezember vier Mal die Komödie "Der Neurosenkavalier" von Gunter Beth und Alan Cooper. Das Thema ist aus dem Leben gegriffen: Psychotherapien aller Art haben Hochkonjunktur und auf dem Feld der Seelenklempner tummeln sich auch allerlei schräge Vögel.

Bühnenbauer Martin Keßler nimmt nichts auf die leichte Schulter, aber Alexandra Hermle-Frassmann, Vorsitzende des Musikvereins Hödingen, der das Dorftheater ausrichtet, gerne mal auf den Arm.
Bühnenbauer Martin Keßler nimmt nichts auf die leichte Schulter, aber Alexandra Hermle-Frassmann, Vorsitzende des Musikvereins Hödingen, der das Dorftheater ausrichtet, gerne mal auf den Arm. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Sozusagen der Waldrapp unter ihnen – ja, auch der spielt in der Adaption des Hödinger Dorftheaters natürlich eine Rolle – ist Felix Bollmann. Der ist ein Warenhausdieb mit bewegter Vergangenheit, zu der auch ein paar Semester Tiermedizin zählen. Und dieser schlitzohrige "Ganove mit Herz" verirrt sich nun in eine psychotherapeutische Praxis und betreut dort Patienten. Zu Letzteren zählen etwa eine nymphomane Bestsellerautorin, eine genervte Journalistin, ein handysüchtiger Schüler, ein Finanzbeamter mit Minderwertigkeitskomplexen und ein Kommissar mit Burnout. Eine Mischung, die viel Amüsement und Abwechslung verspricht.

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"Der Neurosenkavalier" gehört zu den meistgespielten Stücken deutscher Boulevardtheater, und so stieß auch Christian Niederhofer darauf, als er deren Repertoire durchforstete. Niederhofer, der auch den Neurosen-Kavalier-Bollmann spielt, führt mit Friederike Thum Regie, die die Journalistin Andrea Blockmüller mimt. Das Stück habe man "auf Überlingen und Hödingen und natürlich auch Sipplingen" angepasst, so Niederhofer. Lokalkolorit sei von den Autoren ausdrücklich erwünscht.

Stammbesetzung kommt in die Jahre

Den Hödingern kam auch die kleine Besetzung mit gerade mal neun Spielern entgegen, räumt Niederhofer ein. Denn: "Das Dorftheater ist etwas im Umbruch." Die Stammbesetzung komme in die Jahre. "Man wird’s künftig öffnen müssen, damit’s nicht ausstirbt", so Niederhofer. So gesehen sei es andererseits auch schade, dass das Stück nicht so viele Rollen biete. Doch zwei Neuzugänge gibt es: Niederhofers Sohn Jonathan verkörpert den Schüler Tom Anders und Timo Probst den Nervenarzt Jan de Witt.

Helfer braucht es auch hinter der Bühne

Das Stück ist zwar eine Komödie und erfüllt damit laut Niederhofer eine Publikumserwartung, die, wie er offen gesteht, "auch wenig experimentierfreudig macht". Doch es ist alles andere als eine Klamotte. "Es ist ganz schön anspruchsvoll, die vielen Gefühle und ihre ganzen Nuancen darzustellen", betont Thum. Unterstützt wird das Ensemble hinter und vor der Bühne wieder von zahlreichen Helfern des veranstaltenden Musikvereins. So etwa von Bühnenbauer Martin Keßler und seinem Team. Keßler ist selbst ein begabter Darsteller. Er steht dieses Mal aus Zeitgründen nicht selbst auf den Brettern, aber er weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr gute Technik die Leistung der Akteure unterstreicht, etwa wenn der Beleuchter durch eine schöne Morgenröte schon für die richtige Stimmung sorgt.

Ein Auftritt weniger als sonst

Dass das Dorftheater nur vier statt, wie sonst, fünfmal spielt, liegt daran, dass nicht mehr so viele Helfer zur Verfügung stehen. "Das ist schade, aber unser Verein wird halt auch immer kleiner", bedauert Alexandra Hermle-Frassmann, die Vorsitzende des Musikvereins. Dieser hat zwar Hunderte passive Mitglieder aber gerade noch 25 aktive Spieler – und über 50 Termine im Jahr. Doch die Musiker befreundeter Vereine hälfen sich für Auftritte oft gegenseitig aus. Das klappe hervorragend, auch kurzfristig, etwa dank einer App. Die vier Theaterabende würden aber so ablaufen wie immer. Das erhoffen sich die Verantwortlichen auch für die Zukunft. Denn sie sind sich einig: "Live-Theater ist einfach unschlagbar."