Verschlungen träumt sich ein Pärchen an der Reling in den Sonnenuntergang, backbords prostet sich eine Freundesrunde launig lachend zu, während innen leidenschaftlich gerockt und stilvoll getanzt wird: Das "Dixie-Schiff" ist wieder in See gestochen. Und mit ihm 500 Musikliebhaber, Tanzfreudige und gesellige Menschen, die sich dieses jährliche Event im Kalender rot angekreuzt haben. Wäre die "Missisippis' Shuffle Boat Party" nicht das Steckenpferd von Organisator Jürgen Herr, würden Hunderte Überlinger und Gäste aus der näheren und weiteren Region um ein Event gebracht, das an Vielfalt und Atmosphäre seinesgleichen sucht.

Bei den mitreißenden Rhythmen von "Sonja und die Maratongas" konnte kaum jemand ruhig stehen bleiben. Bild: Christiane Keutner
Bei den mitreißenden Rhythmen von "Sonja und die Maratongas" konnte kaum jemand ruhig stehen bleiben. Bild: Christiane Keutner

Darüber freut sich Jürgen Herr besonders: "Alles tolle Menschen hier, sie sind begeistert, es herrscht Stimmung, das Wetter macht mit, alles passt und macht riesigen Spaß!" Zum dritten Mal hatte der Bandleader der "Mississippi Steamboat Chickens" das Projekt, das er sein Steckenpferd nennt, in Eigenregie bewerkstelligt: "Es ist mir ein Bedürfnis, anderen Menschen Freude zu machen. Man bekommt viel zurück: Dankbarkeit, Freude und Herzlichkeit. Wir sind wie eine große Familie, es ist ein großer Treffpunkt für die Überlinger, aber viele kommen auch von auswärts. Das Dixie-Schiff ist ein Anziehungspunkt und das ist schön", schwärmt er. Das lässt die viele Arbeit, die in der Vorbereitung steckt, fast vergessen.

Sogar die ganz jungen Gäste riss es mit, wie hier den zehnjährigen Raphael mit Mama Bettina Reinauer-Schneider.
Sogar die ganz jungen Gäste riss es mit, wie hier den zehnjährigen Raphael mit Mama Bettina Reinauer-Schneider.

Nicht in Vergessenheit gerät, den Mann zu nennen, der das Ganze für fast jeden erschwinglich macht: Wäre Sponsor Peter Kluthausen nicht – ein Fan der Jazz- und Dixie-Band -, die Karten müssten fast das Doppelte kosten.

Musik für jeden Geschmack

Alles trumpfte mit Vielfalt: Während die Salemer Coverband "Shadoogies" mit Oldies an die "gute alte Zeit" erinnerte, die Sixties und Seventies und damit die jugendlichen Emotionen vieler Besucher aufleben ließ, plätscherten die Wellen scheinbar im Rhythmus zu elegischen haiwaiianischen Rhythmen, Retro-Schlagern und Sehnsuchtsliedern mit "Sonja und die Maratongas" aus Herrenberg. Fetzig, swingend, fröhlich der New-Orleans-Jazz und Dixie der "Mississippis Steamboat Chickens".

Erste genossen die Gäste sitzend "Sonja und die Maratongas", später hielt es sie nicht mehr auf den Plätzen. Bild: Christiane Keutner
Erste genossen die Gäste sitzend "Sonja und die Maratongas", später hielt es sie nicht mehr auf den Plätzen. Bild: Christiane Keutner

Den auch zeitlich zur Musik passenden Rahmen bot das denkmalgeschützte MS Schwaben. 1937 vom Stapel gelassen, wurde es zuletzt aufwendig restauriert und präsentiert sich nun im Art-déco-Stil der 1930er-Jahre. 1948, als Dreijähriger, schipperte Klaus Fitzner (Tübingen/Überlingen) das erste Mal auf dem Schiff. Heute begleiten er und seine Freunde die Dixie-Musiker, denen sie auch nach Mallorca, Südtirol und ins Piemont nachreisen, zum dritten Mal auf dem See.

Freundschaft und Musikqualität schätzt auch Philipp Rellstab aus Zürich und weil er Zeit hatte, konnte er für einen verhinderten Trompeter bei den "Mississippis Steamboat Chickens" einspringen, bei denen er schon mehrmals mit viel Spaß gespielt hat.

allgemeine Begeisterung

Besonders das Tanzen hat es Burga Schmid aus Markdorf angetan, und das bei gefallender, tanzbarer Musik und schöner Atmosphäre auf dem Wasser. Jürgen Greiner lehnt mit geschlossenen Augen und versonnenem Ausdruck an der Wand und hatte gerade einen "Flashback" bei der Musik der "Shadoogies". Zum ersten Mal dabei ist Marianne Vetter aus Uhldingen, die selbst Jazz-Events in der Region mit bekannten Bands aus New Orleans organisiert hatte. "Es ist gigantisch, schön, richtig toll und für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Klasse, wenn man den See vor der Haustür ausnützt und Hut ab vor Jürgen Herr, der das alles organisiert", schwärmt sie.

Zuerst genossen die Gäste die Open-Air-Atmosphärean Deck, später zog es sie hinein. Gute Stimmung herrschte von Anbeginn.
Zuerst genossen die Gäste die Open-Air-Atmosphärean Deck, später zog es sie hinein. Gute Stimmung herrschte von Anbeginn.

Auch im kommenden Jahr will der Organisator wieder mit dem Dixie-Schiff in See stechen. Denn das macht ihn glücklich, wie er sagt – und rund 500 Menschen ebenso.