Die Bürgerinitiative BÜB+ um Dirk Diestel und Roland Biniossek wirft der Bauverwaltung "unfassbares Verhalten" vor. Gemeint ist die für sie unhaltbare Argumentation, dass drei Kastanien am Landungsplatz gefällt werden müssten, weil sie in Konflikt mit zu verlegenden Versorgungsleitungen stünden. Nachdem Baubürgermeister Matthias Längin auf SÜDKURIER-Anfrage mitteilte, dass die genaue Lage der Leitungen noch nicht bekannt sei, rückt BÜB+ von ihrer zunächst signalisierten Zustimmung zur Fällung der Kastanien ab und kritisiert nun: "Gemeinderat und Öffentlichkeit wurden mit vollkommen ungesicherten Behauptungen beeinflusst." Indes betonen sowohl Stadtverwaltung als auch Gemeinderäte, dass mit der Verpflanzung nur der Bürgerwille umgesetzt werde. Demnach geht es weniger um Stromleitungen und einen für das Baumwachstum bisher ungünstigen Standort, sondern es werden die Bäume dem Bürger zuliebe gefällt und versetzt.

Im April hatte der Gemeinderat beschlossen, den Landungsplatz zu sanieren, ein neues Pflaster zu verlegen. Und der Rat besteht darauf, dass die Arbeiten im ersten Bauabschnitt so weit nach Norden ausgedehnt werden, dass für drei zur Fällung anstehende Kastanien im selben Bauabschnitt drei neue Bäume gepflanzt werden können. Bis Frühling 2019 soll die Arbeit erledigt sein.

Dateiname:Entwurfsplanung Uferpromenade Landungsplan Süd
Dateigröße:6.74 MBytes.
Datum:03.05.2018
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In Diskussionsforen und Leserbriefen wird nun gefragt, warum die Bäume überhaupt gefällt werden, um nur knapp daneben drei neuen Bäumen zu weichen? In einer gemeinsamen Presseerklärung schrieben die Fraktionen CDU, LBU/Die Grünen, FWV/ÜfA und SPD, dass dies "bei einer Bürgerbeteiligung erarbeitet" worden sei. Im Mitteilungsblatt schreibt die Stadtverwaltung, dass der neue Standort "dem Planungsstand nach dem Bürgerbeteiligungsprozess" entspreche. Und auf eine nochmalige SÜDKURIER-Anfrage hin antwortete die Pressestelle der Stadt: "Die Kastanien am Landungsplatz sollen nach Norden versetzt werden, weil dies klarer Ausfluss aus dem Prozess der Bürgerbeteiligung war." Grundlage für die Bürgerbeteiligung, die in ein Bürgerforum im Juni 2016 in Nußdorf mündete, sei ein Vorschlag des von der Verwaltung beauftragten Büros relais gewesen.

In einer von relais im September 2016 (also nach dem Nußdorfer Bürgerforum) veröffentlichten Entwurfsplanung wird der Landungsplatz mit seiner Neugestaltung gezeigt. Laut diesem Plan stehen vor dem Eingang zur Greth drei Rosskastanien, auf den ersten Blick sieht es so aus wie heute. Nur die interessierten Bürger, die ein Lineal zur Hand nahmen und den Bestandsplan mit der Neuplanung verglichen, konnten erkennen, dass es sich bei den drei Rosskastanien nicht um die bestehenden Bäume handelt, sondern die Standorte weiter nördlich liegen – hier also planerisch Fällung und Neupflanzung vorgenommen wurden, ohne dass eine Entfernung der bisherigen Kastanien kenntlich gemacht worden wäre.