"Nikolaus gilt als Inbegriff der Wohltätigkeit", mit diesen Worten begann Stadtarchivar Walter Liehner seinen Vortrag. "Daher freue ich mich, Sie am Vorabend des Nikolaustags zu einem Ritt durch die Überlinger Stadtgeschichte zu dem Thema Stifter und Wohltäter mitzunehmen." Damit hatte er nicht zu viel versprochen. Die Besucher des gut gefüllten Museumssaals erfuhren in den folgenden eineinhalb Stunden viel über städtische und kirchliche Stifter, Wohltäter des 19. Jahrhunderts sowie Stiftungen, die im darauf folgenden Jahrhundert von der Stadt verwaltet wurden.

Stiftungsurkunden und Testamente aus dem Überlinger Stadtarchiv.
Stiftungsurkunden und Testamente aus dem Überlinger Stadtarchiv. | Bild: Sabine Busse

Los ging der Ritt durch die Historie bei der Spitälischen Wohlfahrtspflege. Hier musste Liehner etwas ausholen und die Zuhörer in das Überlingen des Mittelalters mitnehmen. Für Alte, Kranke, Witwen und Waisen, die innerhalb der Stadtmauern lebten, errichteten Ursula und Heinrich Bubo ein Spital in der Nähe des Landungsplatzes. Mit den Rückkehrern der Kreuzzüge kamen auch neue, ansteckende Krankheiten ins Land. Die Leprakranken beispielsweise wurden außerhalb der Stadtumfriedung beim heutigen Hochbildkreisel untergebracht. Dort war auch das Hochbild-Kreuz aufgestellt, um den Kranken Trost zu spenden. Eine Nachbildung steht heute in der St.-Ulrich-Straße.

Der Museumssaal in Überlingen war gut besucht.
Der Museumssaal in Überlingen war gut besucht. | Bild: Sabine Busse

Die Zahl der Bedürftigen wuchs und damit auch das Aufgabenspektrum des Spitalfonds. Es kamen weitere Stiftungen dazu, aber auch wirtschaftliche Schieflagen. Constantin Vanotti führte 1869 schließlich alles unter dem Dach des heutigen Spital- und Spendenfonds zusammen.

Stadtarchivar Walter Liehner berichtete bei seinem Vortrag im Rahmen der Nikolaustage von zahlreichen Überlinger Stiftern und Wohltätern.
Stadtarchivar Walter Liehner berichtete bei seinem Vortrag im Rahmen der Nikolaustage von zahlreichen Überlinger Stiftern und Wohltätern.

In seinem Vortrag zeigte Walter Liehner auf, wie vielfältig die Wohltäter agierten: die Beginen, alleinstehende Frauen in christlichen Gemeinschaften, übernahmen karitative Aufgaben. Reiche, adelige Stifter ermöglichten durch die Schenkung von Grundstücken den Bau von Krankenhäusern oder Klöstern. Das Münster verdankt Stiftern zahlreiche Altäre, wovon der 1613 von der Stadt finanzierte Hochaltar der bedeutendste ist.

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Es gab Stipendienstiftungen für die Ausbildung junger Menschen oder bemerkenswerte "Menschenfreunde", wie Liehner sie nannte. Zu ihnen gehörte Franz Sales Wocheler, dem die Stadt einen Schulfonds und seine bedeutende Bibliothek verdankt. Die Liste der Spender und Wohltäter, die Walter Liehner vor den Zuhörern untermalt von Bildmaterial ausbreitete, war lang und eindrucksvoll und reichte bis in das letzte Jahrhundert.