Thomas Stollenwerk, seit Anfang des Jahres neuer Kommandant der Feuerwehr Überlingen, Nachfolger von Heiko Ackel, hat sich für seine erste Hauptversammlung eine bestimmte Choreografie zurecht gelegt. Und am Ende des Abends schien alles aufgegangen zu sein, was er sich vorgenommen hatte. Die große Feuerwehrfamilie feierte sich selbst, mit allem was auf eine gelungene Feier gehört. Mit einem Geburtstagsständchen für Jugendwart Philipp Waldvogel. Und mit Standing Ovations für die lang gedienten Kameraden Klaus Erdenberger, Hubert Büchele und Hubert Ehing, die ihre Rührung teilweise kaum unterdrücken konnten. Auffällig häufig wurde die Harmonie beschworen und auf die Geschlossenheit der Feuerwehr hingewiesen.

Das Kommando der Feuerwehr wurde zum Teil neu gewählt, von links: Kommandant Thomas Stollenwerk, neuer Zweiter Stellvertretender Kommandant Wilfried Brodmann, neue Ausschussmitglieder Ludwig Ehing und Gerd Eschenfelder, OB Jan Zeitler. Bild: Mardiros Tavit
Das Kommando der Feuerwehr wurde zum Teil neu gewählt, von links: Kommandant Thomas Stollenwerk, neuer Zweiter Stellvertretender Kommandant Wilfried Brodmann, neue Ausschussmitglieder Ludwig Ehing und Gerd Eschenfelder, OB Jan Zeitler. Bild: Mardiros Tavit

Andernorts geht's häufig um Nachwuchsprobleme. Das Land hat sich deshalb dazu entschlossen, das neue Feuerwehr-Ehrenzeichen für mindestens 15 Jahre aktiven Dienst zu kreieren. Weil die Auszeichnung in Bronze für die Überlinger Wehr zum ersten Mal vergeben wurde, wurden gleich 47 Feuerwehrleute ausgezeichnet. Hinzu kamen sieben Silberne Auszeichnungen für 25 Jahre und vier in Gold für 40 Jahre aktiven Dienst. Es gab 16 Neuaufnahmen in den aktiven Dienst. Vier wurden in der Alters- und Ehrenabteilung übernommen.

Weil das neue Feuerwehr-Ehrenzeichen in Bronze des Landes Baden-Württemberg für 15 aktive Dienstjahre zum ersten Mal verliehen wurde, konnten bei der Feuerwehr Überlingen viele Feuerwehrleute gewürdigt werden. Bild: Mardiros Tavit
Weil das neue Feuerwehr-Ehrenzeichen in Bronze des Landes Baden-Württemberg für 15 aktive Dienstjahre zum ersten Mal verliehen wurde, konnten bei der Feuerwehr Überlingen viele Feuerwehrleute gewürdigt werden. Bild: Mardiros Tavit

Doch ist die Suche nach neuen Mitgliedern derzeit nicht ganz oben auf der Agenda der Überlinger Wehr, sondern offensichtlich die Suche nach einem besseren Miteinander der vorhandenen Kräfte, wie bei der Hauptversammlung deutlich wurde.

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Gleich zu Beginn stellte Stollenwerk, dessen Vorgänger vergangenen Sommer überraschend Überlingen verlassen hatte, die Leistungen seiner Kameraden in den Mittelpunkt und in das Zusammenspiel mit den zivilen Entscheidungsträgern. "Ihr habt Hunderte Stunden geopfert, um der Allgemeinheit zu dienen", sprach er zu seinen Kameraden, um dann zu ergänzen, dass die Qualität nur einzuhalten sei, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. So dankte er auch für das Wohlwollen, das Gemeinderat und Verwaltung aufbrächten. "Das Kommando ist heute eine Einheit, das war in der Vergangenheit nicht ganz selbstverständlich", ergänzte er.

Der Mensch im Mittelpunkt

"In den letzten zehn Jahren hatten wir durchschnittlich 234 Einsätze pro Jahr." 2018 war mit 286 Einsätzen, elf Prozent mehr als 2017, das ereignisreichste Feuerwehrjahr. Das waren auch schon alle Zahlen, die Stollenwerk nannte. Er werde keine weiteren Zahlen nennen, und verwies auf die ausliegenden ausgedruckten Jahresberichte, die Menschen stünden im Mittelpunkt, und ihre Ehrungen.

Kreisbrandmeister Henning Nöh (zweiter von links) und Kommandant der Feuerwehr Überlingen Thomas Stollenwerk ehrten Feuerwehrleute mit 25 und 40 aktiven Dienstjahren. Bild: Mardiros Tavit
Kreisbrandmeister Henning Nöh (zweiter von links) und Kommandant der Feuerwehr Überlingen Thomas Stollenwerk ehrten Feuerwehrleute mit 25 und 40 aktiven Dienstjahren. Bild: Mardiros Tavit

OB Jan Zeitler würdigte die Leistungen der ehrenamtlichen Feuerwehrleute. Auch "führungstechnisch sind wir ganz hervorragend aufgestellt", sagte er. Es schien ganz so, als ob er statt warmer Worte das Gesagte mit Mitbringseln unterstreichen wollte. Ein weiterer Rüstwagen, ein zusätzliches Löschgruppenfahrzeug und ein neuer Einsatzwagen seien in der Beschaffung, kündigte Zeitler an. Und die Planungen für den Standort des Ausrückebereichs Ost seien im Herbst abgeschlossen, womit der Bau beginnen könne. Zusätzlich käme ab April 2020 ein Löschboot hinzu. Das Land bezahle es komplett.

Bei der Feuerwehr Überlingen begrüßten OB Jan Zeitler und Kommandant Thomas Stollenwerk die neuen Feuerwehrleute im aktiven Dienst. Bild: Mardiros Tavit
Bei der Feuerwehr Überlingen begrüßten OB Jan Zeitler und Kommandant Thomas Stollenwerk die neuen Feuerwehrleute im aktiven Dienst. Bild: Mardiros Tavit

Doch nicht nur Materielles war dem Stadtoberhaupt wichtig. Er erwähnte auch eine zweitätige Klausurtagung, die wichtig gewesen sei. Im Anschluss war auf Nachfrage des SÜDKURIER zu erfahren, dass es dabei um die Verbesserung der internen Kommunikation ging. Mehrmals in seiner Rede bekundete er Freude über das Erscheinen von Kreisbrandmeister Henning Nöh, das sei "keine Selbstverständlichkeit".

Stehend applaudierte die Feuerwehr Überlingen für den scheidenden Zweiten Stellvertretenden Kommandanten Klaus Erdenberger (rechts). Bild: Mardiros Tavit
Stehend applaudierte die Feuerwehr Überlingen für den scheidenden Zweiten Stellvertretenden Kommandanten Klaus Erdenberger (rechts). Bild: Mardiros Tavit

Und auch Nöh hob die Einheit und den Zusammenhalt der Feuerwehr hervor. "Ich bin besonders gern nach Überlingen gekommen", begann er. Nach einem Sturmtief sei man jetzt in ruhigeren Gewässern, fügte er mehrdeutig hinzu. "Wir sind die Feuerwehr", sagte er – das Wörtchen "die" betonend. "Bei der Feuerwehr ist es wichtig, kameradschaftlich und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Wir müssen uns auf unser Gegenüber verlassen können." Zum neuen Löschboot rutsche ihm "das wird eine geile Sache" heraus.

Auch das Kommando wurde teilweise neu gewählt. Für den scheidenden Zweiten Stellvertretenden Kommandanten Klaus Erdenberger rückte Bambergens Abteilungskommandant Wilfried Brodmann nach. Neues Ausschussmitglied wurden Ludwig Ehing und Gerd Eschenfelder. Sie ersetzen Hubert Büchele und Wilfried Brodmann.

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