Es war berührend, als der deutsche Astronaut Alexander Gerst aus der Raumstation eine Videobotschaft an seine künftigen Enkelkinder sandte und sich im Angesicht des fragilen Planeten für den Raubbau der Menschheit entschuldigte. Auf andere Weise erinnert Regisseur Florian Hackspiel beim Sommertheater mit „Make your heart beat again“ daran, dass wir dabei sind unsere Erde zu vervespern und munter weiter Party machen. Wie wir auf Kosten der kommenden Generationen leben, signalisierte jetzt der „Overshoot Day“: Bis zum 29. Juli hatte die Menschheit schon alles an natürlichen Ressourcen aufgebraucht, was die Erde in diesem Jahr zur Verfügung stellt.

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Stück auf Überlingen adaptiert

Für das Sommertheater hat Hackspiel mit seinem Tiroler Theater Melone das für Österreich geschriebene Stück auf Überlingen adaptiert und probt es derzeit noch in Wien. Am kommenden Mittwoch ist im Pfarrzentrum die Deutschland-Premiere für die politische und zeitkritische Inszenierung rund um das Klima, den Umweltschutz und den Rechtspopulismus. Hackspiel will sein Publikum zwar aufrütteln, allerdings nicht mit einem erhobenen Zeigefinger nach Hause schicken. Das Thema wird von drei Schauspielerinnen mit Live-Musik dramatisch und unterhaltsam in Szene gesetzt.

Video: Hanspeter Walter

„Wir wollen emotionalisieren, aber mit Lust und Laune“

„Wir wollen emotionalisieren“, sagt der Regisseur, „aber mit Lust und Laune.“ Die Ernsthaftigkeit des Problems werde auch mit lustigen Passagen in Szene gesetzt – zum Besipiel als Plastikmusical. Dem Rechtspopulismus widmet er sich unter anderem mit entlarvenden Texten von Charlie Chaplin und Loriot. Mit dieser Aufführung und ihren brisanten Themen unterstreiche der Verein Sommertheater Überlingen erneut den Anspruch, ein Theater zu machen, das unterhaltsam unter die Haut geht und neue Wege beschreitet, erklärt Vorsitzender Thomas-Michael Becker.

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„Fridays for Future“-Demo am 9. August

„Man muss nicht unbedingt demonstrieren“, sagt Hackspiel in einem Videoclip, „kann auch ins Theater gehen, um sich mit dem Thema zu beschäftigen.“ Beides zusammenführen will die Überlinger „Fridays for Future“-Gruppe am 9. August, in dem sie zuerst auf der Hofstatt demonstriert, dann an der Promenade vegetarisch grillt und schließlich zur Diskussion ins Theater im Pfarrzentrum gehen will. Dann hat Hackspiel auch ein anderes erklärtes Ziel erreicht, nämlich, die jungen Leute ins Theater zu bringen. Dreimal haben sie am Mittwoch, Freitag und Samstag Gelegenheit dazu.

Beim Familienstück erlebt Alice viele wundersame Dinge.
Beim Familienstück erlebt Alice viele wundersame Dinge. | Bild: Hanspeter Walter

Familienstück „Alice“ nach Lewis Carrolls Kinderbuch

Auf die Jüngeren ausgelegt ist das Familienstück „Alice“, das Katia Hensel nach Lewis Carrolls Kinderbuch als Ausflug in die Parallelwelt der Fantasie gestaltet hat. Bei Florian Hackspiel werden Motive und Episoden aus beiden Alice-Romanen von Lewis Carroll miteinander verknüpft und ineinander verwoben. Das Ergebnis, so verspricht die Ankündigung, „ist eine wild-fröhliche Komödie über ein Mädchen, mit dem die Zuschauer mitfiebern, sie von Herzen mögen: ein Kind, wie es in jedem von uns schlummert!“

„Wir wollen emotionalisieren“, sagt Regisseur Florian Hackspiel, „aber mit Lust und Laune.“ Die Ernsthaftigkeit des Problems werde auch mit lustigen Passagen in Szene gesetzt.
„Wir wollen emotionalisieren“, sagt Regisseur Florian Hackspiel, „aber mit Lust und Laune.“ Die Ernsthaftigkeit des Problems werde auch mit lustigen Passagen in Szene gesetzt. | Bild: AKIM Photography

Ab Montag muss der Förderverein noch einmal richtig zupacken und die Bühne im Pfarrzentrum vorbereiten. Der Vorverkauf ist mittlerweile in Schwung gekommen, berichtet Vorsitzender Thomas Becker. Von einzelnen Terminen seien schon die Hälfte der 200 Karten vergriffen. Die Plätze sind allerdings nicht nummeriert. „Das hätte eines viel zu hohen und sehr teuren Aufwands bedurft“, sagt Becker. „Das konnte sich der Verein nicht erlauben.“ Den Rest zu stemmen, sei schon schwer genug.

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Team, Termine, Tickets

  • Regisseur Florian Hackspiel ist kein Unbekannter in Überlingen. Für die „Kleine Oper am See“ und die Waldorfschule erarbeitete er schon verschiedene Stücke. Auch der Förderverein des Sommertheaters war 2016 nach der Absage des Stadttheaters Konstanz schon in Gesprächen mit ihm. Selbst als Schauspieler auf der Bühne stand Florian Hackspiel im Vorjahr bei Peter Raffalts „Volpone“. Umso gespannter darf man auf seine aktuellen Stücke sein. Ob so ein ernstes Thema für ein Sommertheater taugt? „Bei Macbeth sterben Menschen, das ist nicht lustig“, hält Hackspiel entgegen und verspricht ausreichend „komische Stellen“ zur Erheiterung für einen Sommerabend. Dafür sorgt sein Team vom Theater Melone mit den Schauspielerinnen Ambra Berger, Claudia Carus, Angela Schausberger und Katharina Vana sowie dem Bühnenbildner Thomas Kurt Mörschbacher und Komponist Philipp Tröstl.
  • Beide Stücke des Sommertheaters sind jeweils dreimal zu sehen. Premiere für das Abendstück „Make your heart beat“ ist am Mittwoch, 7. August, 20 Uhr. Weitere Aufführungen sind am 9. und 10. August zur gleichen Zeit. Das Familienstück „Alice“ hat am 8. August um 17 Uhr Premiere und ist noch am 9. und 10. August um jeweils 15 Uhr zu sehen. Tickets gibt es einmal online unter www.sommertheater-ueberlingen.de und bei der Buchlandung am Landungsplatz. Der Eintritt kostet 18 Euro (ermäßigt 15) bzw. 12 Euro (ermäßigt 8). Gespielt wird im Pfarrzentrum am Münsterplatz. (hpw)