Heike Bueb aus Überlingen bringt das Erlebnis beim Bauernmarkt auf eine kurze Formel: "Hier herrscht eine einmalige Atmosphäre, es ist noch so wie früher. Freundliche Marktleute, regionale Produkte, gute Rezepte und einen netten Plausch." Ein Besuch des Marktes am Überlinger Münster ist für sie am Samstagvormittag angenehmes Pflichtprogramm. 1994 hatten drei junge Landwirte, unter ihnen Martin Gremminger, die Idee zu diesem ganz besonderen Markt. Er entstand in einer gemeinsamen Projektarbeit zwischen dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) und der Stadt Überlingen. Gremminger, der auf diesem Markt seine Fleisch- und Wurstspezialitäten vom Lehenhof in Deggenhausen anbietet, weiß: "Damals hatten viele Landwirte Absatzschwierigkeiten und suchten nach einer Möglichkeit, ihre Produkte zu vermarkten".

Das Erfolgs-Rezept des Überlinger Bauernmarkts trägt noch immer Früchte. Viele der rund 15 Markthändler, in den Anfangs-Jahren waren es 20 Stände, sind seit 23 Jahren mit dabei und genau darin liegt auch die Schwierigkeit, mit denen der Markt heute zu kämpfen hat. Alfons Störkle steht mit seinen Kartoffeln aus Heiligenberg auf dem Markt. Der 85-Jährige erzählt: "Wenn ich mal nicht mehr kann, weiß ich nicht, wie es weitergeht. Mein Sohn Hubert kann das Marktgeschäft neben seinem Hauptberuf nicht leisten. Für Fremdarbeit lohnt es sich nicht für uns". Auch ginge der Umsatz in den vergangenen Jahren leicht zurück, da viele Menschen gar keine Keller mehr besäßen, um seine Kartoffeln zu lagern. Für Alfred Beck, dessen Vater Ernst bereits viele Jahre mit Eiern und Blumen auf dem Markt stand, ist die Nachfolgeregelung eine schwierige Aufgabe. Alfred Beck ist der Vorsitzende des Vereins Bauernmarkt Überlingen und sein Stand ist weit bekannt für die herrlichen Wiesen-Blumensträuße.

Kunden schätzen Vielfältigkeit

Jeder Besucher hat so seine Favoriten auf dem Bauernmarkt: "Hier bekomme ich die schönsten Eier, vom nettesten Eier-Händler", sagt Jutta Boenig lachend. Auch Kornelius Otto schätzt die Frische der Produkte: "Wir ernähren uns danach, was die Saison hergibt, und das bietet uns dieser Markt", sagt er und wählt Himbeeren sowie Blaubeeren aus. Andre Schuster vom Biolandbetrieb in Billafingen empfiehlt seine "Englisch-Golden-Beets", also gelbe Rote Beete. "Es wäre mein Wunsch an die Menschen hier, dass sie noch viel öfter bei den Gärtnern und Landwirten der Region einkaufen", sagt Schuster.

Frisches Lammfleisch und Käse vom Schafhof Lippner aus Taisersdorf lockt Daniela Dindorf an den Platz beim Überlinger Münster. "Jeden Samstag komme ich zum Markt und hier kaufe ich den Schäferkäse, er schmeckt einfach toll auf einem frischen Vollkornbrot", empfiehlt sie. Das Brot gibt's schräg gegenüber vom Bauernhof Möking aus Seefelden oder bei Fritz Stotz, bekannt unter Fritzles Holzofenbrot. Edle Brände von Senft, frisches Gemüse von Nussers aus Ostrach, Käsespezialitäten von Georg Moser – der Markt lässt kaum Wünsche offen. Regional, frisch, vielfältig, das passt ins Konzept und ist eine der Bedingungen für Überlingens Mitgliedschaft im Cittaslow-Verband. Die einmalige Kulisse beim Münster schafft die ganz besondere Atmosphäre des kleineren der beiden Überlinger Wochenmärkte.

Größeres Angebot würde gut tun

Alfred Beck, Vorsitzender des Überlinger-Bauernmarkt-Vereins und Markthändler seit 23 Jahren, spricht über Stärken und Schwächen des Bauernmarktes.

Der Bauernmarkt ist ein wesentliches Element der Cittaslow-Bewegung, gibt es gemeinsame Aktionen?

Das würde ich mir sehr wünschen und demgegenüber sind wir alle hier sehr offen. Es wäre schön, wenn es uns gemeinsam mit dem Cittaslow-Verein gelingen könnte, den Bauernmarkt mit besonderen Aktionen in den Fokus zu setzen. Es täte uns beiden gut, denn viele Menschen kennen Cittaslow und deren Bedeutung ja gar nicht. Cittaslow bedeutet etwa, dass es einen städtischen Wochenmarkt mit regionalen, frischen Produkten gibt – so wie bei uns.

Es sind heute Vormittag viele Menschen hier, geht es dem Bauernmarkt so gut wie es auf den ersten Blick scheint?

Wir haben deutlich weniger Stände als zu Anfang vor 23 Jahren. Es wird immer schwieriger, Nachfolger zu finden, und das ist unsere größte Sorge. Darum geht mein dringender Appell an hiesige Gärtner, Landwirte und dergleichen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Meine Telefonummer ist 0 75 57/89 28. Die Standgebühren sind sehr gering und es täte dem Markt einfach gut, wieder ein größeres Angebot zu haben. Die Menschen sind begeistert vom Markt, wir haben viele ganz langjährige Kunden, es macht einfach Spaß hier mit dabei zu sein.

Fragen: Stef Manzini