Die Musik begleitet Narek Alaverdian bereits fast sein ganzes Leben lang. Mit etwa vier Jahren begann er, sich für das Klavierspielen zu interessieren. „Zuerst habe ich ohne Lehrer improvisiert“, erzählt er. Mit sechs Jahren bekam er schließlich Unterricht, jetzt, mit 21, kann er auf eine beachtliche Entwicklung und einige Erfolge zurückblicken: Erster beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, eine Auszeichnung als bester Nachwuchspianist beim internationalen Salemer Musikwettbewerb, eine Teilnahme beim internationalen Klavierwettbewerb in China, um nur einen Teil zu nennen. Hinzu kommen Konzerte in Überlingen, wo er, seit seiner Kindheit lebt – und auch in Armenien, der Heimat seiner Eltern.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Liebe für Musik liegt in der Familie: Narek Alaverdians Großmutter ist selbst Pianistin und leitet eine Klavierakademie, sein Vater spielte in der Vergangenheit Gitarre. Seine eineinhalb Jahre jüngere Schwester Arevik und er hätten in ihrer Kindheit viel Musik gehört, darunter auch Klassik, und seien damit aufgewachsen. Sie spielt nun Geige, er Klavier. Aber – und das ist Narek Alaverdian wichtig, zu betonen – sie seien niemals dazu gezwungen worden, ein Instrument spielen zu lernen.

Video: Marinovic, Laura

Spaß war immer die Hauptsache

Im Gegenteil sogar – seinem Vater sei es wichtig gewesen, ihn nie zu drängen und keine zu hohen Anforderungen zu haben. „Spaß war immer die Hauptsache“, erinnert sich Narek Alaverdian. Wettbewerbe sollten er und seine Schwester nicht als Leistungskampf, sondern als Gelegenheit für ein Konzert sehen. Sein Vater habe außerdem großen Wert darauf gelegt, ihn nicht auf das Klavierspielen einzuschränken. Eine Zeit lang habe er sich daher auch anderweitig kreativ ausgelebt, etwa durch Malen. „Aber irgendwann wurde die Musik immer mehr.“

Das könnte Sie auch interessieren

Gemeinsam mit zwei anderen Musikern gründete er eine Jazz-Gruppe, für die er selbst ein paar Stücke komponierte. Während der Vorbereitung für Teilnahmen bei „Jugend musiziert“ habe er außerdem etwa vier bis fünf Stunden pro Tag am Klavier geübt und sei häufig am Wochenende mit dem Zug nach Frankfurt gefahren, um Unterricht bei einem dort ansässigen algerischen Musiklehrer zu nehmen.

Video: Marinovic, Laura

Sein Ehrgeiz ist ins Gegenteil umgeschlagen

Dann sei der Ehrgeiz ins Gegenteil umgeschlagen: Mit 16 oder 17 Jahren sei ihm der Stress zu viel geworden, eine Zeit lang habe er deshalb kaum noch Klavier gespielt. Auch in dieser Situation setzte ihn die Familie nicht unter Druck, ließ ihm seinen Freiraum, bis er sich nach einigen Jahren von selbst wieder der Musik zuwandte. Mittlerweile spielt Narek Alaverdian zwei bis drei Stunden pro Tag Klavier, fährt nur noch ein paar Mal im Monat nach Frankfurt und übt sonst für sich selbst an seinem eigenen Flügel. „Ich versuche, mich selbst nicht zu viel unter Stress zu setzen“, erklärt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Weiterhin mit seiner Jazz-Gruppe zu spielen sei schwierig, da seine Kollegen anderweitig beschäftigt sind, etwa durch ein Studium. Jazz spiele er alleine zwar noch immer, „im Moment liegt der Schwerpunkt aber auf Klassik.“ Neben der Musik spielt er auch gerne Fußball oder Tischtennis und schwimmt. „Sport ist auch als Ausgleich wichtig“, ist er sich sicher. Außerdem überträgt er das Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ins Armenische, da es in der Muttersprache seiner Eltern bisher keine Übersetzung gibt. Dass seine Familie zuhause nur Armenisch spricht, kommt Narek Alaverdian dabei zugute, wenn er Hilfe braucht, steht ihm sein Vater zur Seite.

Im Urlaub fehlt ihm sein Klavier

Der Musik möchte Narek Alaverdian trotz seiner mittlerweile zahlreichen anderen Beschäftigungen in Zukunft treu bleiben. Wenn er länger nicht spiele, fehle ihm die Musik. Gerade sei er in Italien im Urlaub gewesen, wo ihm kein Klavier zur Verfügung stand, da habe er das Spielen doch sehr vermisst. Außerdem möchte gerne studieren, vielleicht klassische Musik, und außerdem weiterhin auftreten. „Mein Ziel ist es, in Armenien ein Klavierkonzert mit Orchester zu spielen“, berichtet er von seinem großen Traum.