Landungsplatz gegen 17.45 Uhr: Auf dem Gelände um die Eisbahn ist die Menschenmasse noch etwas dichter als sonst. Nicht nur diejenigen, die für eine Bratwurst und einen Glühwein gekommen sind, drängen sich auf dem schmalen Platz zwischen Eisbahn, Kiosk und den Landungsstegen; zahlreiche Überlinger, darunter etliche Familien, erwarten hier ungeduldig die Ankunft des Nikolauses.

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Traditionell wird der Nikolaus mit einem Boot der Wasserschutzpolizei gebracht. In den vergangenen Jahren strahlte ein einzelner Scheinwerfer den im Bug des Schiffes stehenden Nikolaus an, ein atmosphärischer Anblick, den heiligen Mann gleichsam über das Wasser schwebend zu beobachten.

Ankunft hat etwas Überraschendes

Dagegen bleibt das Schiff heute dunkel, wodurch das Auftauchen in diesem Jahr etwas Überraschendes hat. Der Nikolaus begrüßt die Anwesenden und erzählt mit lauter Stimme eine passende Nikolauslegende: Ein Schiff soll in Zeiten des Hungers eine Ladung Getreide zum Kaiser bringen. Nikolaus überredet die Besatzung, einen Teil des Korns an die Hungernden auszugeben und verspricht, dass dem Kaiser nichts fehlen wird. So kommt es auch. Die Botschaft ist klar und wird vom Nikolaus formuliert: Wer teilt, wird nicht ärmer, sondern reicher.

Das durch zahlreiche Kerzen festlich erleuchtete Münster empfängt den Nikolaus mit einem langen Spalier kerzentragender Ministranten und Kindern der Jugendkantorei.
Das durch zahlreiche Kerzen festlich erleuchtete Münster empfängt den Nikolaus mit einem langen Spalier kerzentragender Ministranten und Kindern der Jugendkantorei. | Bild: Christopher Rieck

Stadtpfarrer Bernd Walter geleitet den Nikolaus gemeinsam mit Pater Theodor und einer Abteilung Ministranten ins durch zahlreiche Kerzen festlich beleuchtete Münster. Das seit 1935 jährlich gehaltene Patrozinium selbst folgt einer Tradition, die in ihrer Unveränderlichkeit für viele ein Stück geistige Heimat darstellt. Das durch zahlreiche Kerzen festlich erleuchtete Münster empfängt den Nikolaus mit einem langen Spalier kerzentragender Ministranten und Kindern der Jugendkantorei. Deren Vorsängerinnen, begleitet von Melanie Jäger-Waldau an der Orgel, tragen Episoden aus dem Leben des Nikolauses gesanglich dar.

Solistinnen (von links): Anna-Katharina Kemmerling, Helena Müller, Theda-Linn Stoklas.
Solistinnen (von links): Anna-Katharina Kemmerling, Helena Müller, Theda-Linn Stoklas. | Bild: Stefan Hilser

Relativ neu ist die vor wenigen Jahren eingeführte Segnung der Kinder durch den Nikolaus. Obgleich Bernd Walter und Pater Theodor bei der Segnung unterstützen, dauert es, bis alle Kinder ihren Segen empfangen haben. Nach den festlichen Orgelklängen zu „Großer Gott wir loben dich“ schließt die Nikolausandacht mit dem traditionellen Verteilen von Clausenmännern an alle, wie Pfarrer Bernd Walter es betonte, „kleinen und großen Kinder“.

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