Die Begegnungen im Susohaus Überlingen sind stets von besonderer Qualität: Lebendige, historische Architektur- und Geistesgeschichte, Mystik und Spiritualität, gemeinsam Musizieren, Schreiben, Philosophieren und nun schon zum dritten Mal ein Ort für Zeitgenössische Kunst. „Gewandung“ nennt der Leiter des Susohauses, Michael Stoll, die wechselnden Präsentationen in den Räumen des Hauses. Die Bilder „bekleiden“ die Räume, gehen eine besonders enge Verbindung mit Ort und Bestimmung des Hauses ein. Die 41 Fotografien und Gemälde von Fryderyk Heinzel sind ganz aus der Gegenwart gegriffen in Motiv, Technik und Gestaltung. Ein einsamer Müllkontainer, ein Stück Landstraße, weite Wiesen, ein Misthaufen, verlassene Gebäude, Einsamkeit.

Farbige Markierungen gesetzt

Heinzel sucht die Ordnung hinter den Erscheinungen, die Systematik der Dinge in ihrer Isolation und gleichzeitig Verbindung mit allem. Erst die konsequente Reduktion auf das Schlichte führt zur Konzentration auf das Wesentliche. In einigen Fotografien setzt er nachträglich farbige Markierungen, Kreise, Flächen, Linien, Orientierungshilfen und Irritation zugleich, Zugangsmöglichkeit für eine neue, innere Schau, wie es Birgit Stoll in ihren einführenden Worten zur Ausstellung darstellte. Einmal den „Autopilot“ der programmierten Wahrnehmung ausschalten, unbefangen die Dinge der äußeren Welt neu im Inneren erschaffen. Da ist der Weg zur Mystik eines Heinrich Seuse (Suso) dem Namensgeber des Susohauses, nicht weit.

Improvisation passender Tonfolgen

Und um noch direkter zu einer inneren Wahrnehmung zu gelangen, improvisierte Michael Stoll mit seiner Geige zu jedem der besprochenen Bilder eine passende Tonfolge. Viele der Fotografien sind unmittelbar auf der Wegstrecke von Überlingen nach Worndorf (Kreis Tuttlingen) entstanden, wo die Stolls seit einigen Jahren ein „Lebenskloster“ in einem historischen Gebäude aufbauen, ein Ort der Einkehr und Besinnung.

Die Ausstellung ist lediglich jeweils mittwochs von 16 bis 19 Uhr geöffnet, oder nach telefonischer Vereinbarung im Susohaus unter 0 75 51/9 47 13 19. Die Ausstellung läuft bis 15. Februar.