„Im Dunkel unsrer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt, niemals mehr verlischt.“

Das sind uralte Worte von Theresa von Avila, zu der Jacques Berthier aus Taizé eine wunderschöne, tragende Melodie komponiert hat. Leise wird die Melodie gesummt. Alle stehen im Dunkeln um das Feuer herum. Die Nacht ist still – kein Motorenlärm, nur die Nachtigall singt ihr Lied. Und wir – da am Feuer, leise um den Zauber dieses Momentes nicht zu zerstören. Und jemand spricht in diese Stille hinein, warum wir hier sind – draußen, in der dunklen und kalten Nacht, die Wärme des Feuers suchend: Im Dunkel der Nacht warten wir auf einen hellen Morgen.

Worte zum Leen

Wir warten auf die Worte, die zum Leben rufen. Wir warten auf die Wärme eines neuen Tages, den Gott uns schenkt. Wir warten auf Ostern... auf die Wärme, das Licht, auf die Freiheit von den Fesseln des Todes.

Wir sind komisch

„Sind sie nicht komisch, die Christen?“ mögen manche denken. Ja, wir sind komisch! Wir glauben an einen unsichtbaren Gott, an einen auferstandenen Christus, den noch keiner von uns jemals mit eigenen Augen gesehen hat. Wir glauben an einen Gott, der die Erde erschaffen hat und an seinen heiligen Geist, der – ebenfalls unsichtbar – in dieser Welt und in unserem Leben wirkt.

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Ja, wir Christen sind komisch – wir hoffen – auch da wo alles hoffnungslos scheint. Wir reden von Leben, wenn wir dem Tod ins Auge blicken. Wir treten ein für Gewaltlosigkeit in einer Welt, die vor Waffen strotzt. Wir setzen uns ein für Gerechtigkeit – auch wenn das für uns Verzicht bedeutet. Wir treten ein für die Bewahrung unserer Erde – auch wenn das keine weitere Steigerung unseres Lebensstandards bedeutet, sondern eher das Gegenteil. So jedenfalls wollen wir sein – und sind es auch schon – wenn auch manchmal nur in Fragmenten.

„Im Dunkel unsrer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt, niemals mehr verlischt.“

Hier draußen in der Nacht am Feuer nähren wir unsere Hoffnung. Und wenn wir nachher in die dunkle Kirche ziehen, dort unsere Kerzen an der neuen Osterkerze anzünden, Brot und Wein teilen dann wissen wir: Wir sind nicht allein. Als Gemeinschaft sind wir zusammen unterwegs. Und mitten dabei ist Gott-Jesus-Heiliger-Geist, an den wir glauben.

Regine Klusmann.
Regine Klusmann. | Bild: Hilser, Stefan

Als Gemeinschaft hoffen wir, auch wenn bei einem nur ein kleines Hoffnungslicht brennt. Als Gemeinschaft beten wir, auch wenn eine gerade keine Worte findet. Als Gemeinschaft zünden wir Lichter an, mitten im Dunkeln der Nacht, mitten im Dunkel der Welt. Stellvertretend für alle, die mit uns glauben. Wir hören Worte des Lebens aus uralten Schriften: „Ich bin die Auferstehung und das Leben!“

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Ja wir sind komisch. Der Glaube an die Auferstehung, die Botschaft vom leeren Grab Jesu am O stertag ist nicht rational greifbar. Sie ist wunder-bar, wunder-voll... übersteigt den Verstand und alles Denken. Aber dort am Feuer, im Dunkeln wird etwas spürbar von der Kraft dieses Glaubens und dieser Botschaft. Einer Kraft, die seit 2000 Jahren wirkt, tröstet, stärkt, befreit, vergibt und Neuanfang möglich macht. Auch heute...