„In nächster Nähe des Westbahnhofes, mit schönster Aussicht auf den See: Neu erbaute Bierhalle – Kegelbahn in den Felsen gehauen.“ So inserierte Hermann Rimmele, der damalige Betreiber der „Wirtschaft zum Felsen“, im Jahr 1906 noch für seine Gastronomie. Mit dieser inzwischen allerdings deutlich reduzierten „Seesicht“ warb jetzt die Deutsche Bahn, um die Kaverne im Molassefelsen zu verkaufen, in der sich die erwähnte Kegelbahn einst befand, und pries eine kuriose Immobilie an.


Zugang nur über fremdes Gelände

Etwas Besonderes ist der Felsenkeller aus verschiedenen Gründen. Zum einen ist die Kaverne, die vier vergitterte Fenster in Richtung Bahnlinie besitzt, offensichtlich recht einsturzgefährdet, wie die Balken als Abstützung der Decke deutlich machen. Auf der anderen Seite hat der Keller auf der dazugehörigen Grundfläche gar keinen Zugang. Die verschlossene Holztür liegt auf dem Gelände von Marion Gommeringer und Hardy Wanke, die im Jahr 2000 das Gebäude und einen Teil des Grundstücks von der Bahn erworben, umgebaut und die Gastwirtschaft als Pension wieder belebt hatten.

Ein anderer Eigentümer müsste einen neuen Zugang zu der Kaverne schaffen, derzeit gehören nur diese Fenster zum Grundstück.
Ein anderer Eigentümer müsste einen neuen Zugang zu der Kaverne schaffen, derzeit gehören nur diese Fenster zum Grundstück. | Bild: Hanspeter Walter

Diese Problematik ist der Deutschen Bahn durchaus bewusst. Ein „fußläufiger Zugang“ sei „nur über Fremdgelände möglich“, war in der Ausschreibung zu lesen. Über den Stand der Bemühungen wollte die Immobilienabteilung keine näheren Auskünfte geben. Lediglich dass bis zum Ablauf der Frist am 10. März „jede Menge Angebote“ eingegangen seien und das Grundstück noch nicht verkauft sei, war zu erfahren. Was ein Käufer gegebenenfalls damit machen werde, sei nicht das Problem der Bahn.

Die Ausschreibung hatte zahlreiche Interessenten auf den Plan gerufen und neugierig gemacht. Mehr als ein Dutzend habe bei ihm angeklopft, sagt Hardy Wanke – allerdings vergeblich. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie da nicht reinkommen“, erklärt der Gastwirt und hat dies auch unübersehbar auf die verschlossene Holztür geschrieben, für die nur er einen Schlüssel besitzt. Auch Wanke hat der Bahn ein Angebot gemacht, wie er sagt. „Viel kann ich nicht damit anfangen“, sagt er. Eine Kegelbahn im Molassefels ließe sich heutzutage kaum zum Kult machen. „Ich würde den Keller lediglich als Lagerraum nutzen“, sagt Wanke. Doch für die Bahn war sein Angebot wohl nicht gut genug. Der Gastwirt trägt es mit Fassung. „Ich bin nicht bereit, noch etwas draufzulegen“, sagt er klipp und klar. „Wir werden nun von unserer Seite her den Stollen zumauern lassen, sodass unsere Terrasse geschützt wird, Hang- und Stollensicherung muss der neue Eigentümer dann übernehmen.“

Der einzige Zugang zu dem Felsenkeller, der schon früher zum Wirtshaus gehörte, liegt auf dem Gelände von Hardy Wanke. Mehr als ein Dutzend Interessenten an der Immobilie fühlten bei ihm vor. Wanke hatte selbst Interesse an der ehemaligen Kegelbahn angemeldet, aber bislang nicht den Zuschlag erhalten.
Der einzige Zugang zu dem Felsenkeller, der schon früher zum Wirtshaus gehörte, liegt auf dem Gelände von Hardy Wanke. Mehr als ein Dutzend Interessenten an der Immobilie fühlten bei ihm vor. Wanke hatte selbst Interesse an der ehemaligen Kegelbahn angemeldet, aber bislang nicht den Zuschlag erhalten. | Bild: Hanspeter Walter

Auch wenn es einige Nutzungsideen gebe, wie bei der Bahn zu hören ist, wird es nicht einfach sein, diese umzusetzen. Der Felsenkeller gehört zum rechtskräftigen Bebauungsplan „Goldbacher Straße“ und ist derzeit als nicht überbaubare Grünfläche ausgewiesen. Ein Bauantrag wird daher nicht so leicht genehmigt werden können. Da der Molassefels betroffen ist, werden Natur- und Denkmalschutz ebenfalls ein Wörtchen mitreden wollen. Hinzu kommt, dass selbst innerhalb der Kellers noch einige Quadratmeter dem Grundbuch nach einem darüber wohnende Anlieger gehören, wie Hardy Wanke erklärt, der mit seinem Wirtshaus an eine alte Tradition angeknüpft hat.

Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert hatte hier eine Gastwirtschaft bestanden, mit der erwähnten Kegelbahn im Felsen. Selbst einen direkten Seezugang hatte die „Wirtschaft zum Felsen“ viele Jahrzehnte noch. Denn erst 1895 erreichte die Bahnlinie von Sipplingen aus den Westen der Stadt und schuf eine Barriere. Anfang des 20. Jahrhunderts kaufte die Bahn die Gaststätte mit dem Keller und nutzte sie als Betriebsgebäude. Nach dem Verkauf des Gebäudes lagerten in der Kaverne noch bis vor wenigen Jahren Geräte und Materialien.
 

Die Ausschreibung

Der Felsenkeller wurde in der Ausschreibung mit einer Fläche von „ca. 272 Quadratmetern“ angegeben. Die Abgabefrist für Angebote endete danach am 10. März. „Das Verkaufsgrundstück ist Bestandteil des gewaltigen Molassefelsens zwischen dem Westrand von Überlingen und dem Ortsteil Goldbach“, war da zu lesen. „In dem Felsen wurden während des Zweiten Weltkriegs eine Kaverne angelegt, welche als Materiallager für verschiedene Bahndienststellen genutzt wurden. Ein fußläufiger Zugang zu der Kaverne ist nur über Fremdgelände möglich. Der Kaufgegenstand ist derzeit ungenutzt.“ Es habe viele Interessenten gegeben, doch noch ist der Felsenkeller nach Aussagen der Bahn nicht verkauft. Ob und wie er in absehbarer Zeit genutzt werden könnte, ist also noch völlig offen.