Die Überlingen Open haben eine feste Fangemeinde. Nicht nur internationale Weltranglistenspieler kommen immer wieder zu diesem Tennisturnier an den Bodensee, auch viele Zuschauer sind Wiederholungstäter. Die familiäre Atmosphäre der Veranstaltung trägt dazu bei, dass sich auch Spieler, die eine längere Anreise haben, hier schnell heimisch fühlen.

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20-jähriger Louis Weßels ist zum vierten Mal dabei

Einer, dem es so geht, ist der 20-jährige Louis Weßels aus der Nähe von Bielefeld. Kaum hat er den Platz verlassen, auf dem er kurz zuvor Maik Steiner im Achtelfinale geschlagen hat, wird er schon angesprochen: „Gratulation! Toll gespielt“, loben ihn die Zuschauer. Manche kommen gezielt auf ihn zu, mit seinen knapp mehr als zwei Metern Körpergröße ist er nicht zu übersehen. Auch das wird von den Hinaufschauenenden gerne augenzwinkernd kommentiert.

Louis Weßels zeigt, was er kann: Im Herren Einzel gewinnt er hier gerade im Achtelfinale gegen Maik Steiner.
Louis Weßels zeigt, was er kann: Im Herren Einzel gewinnt er hier gerade im Achtelfinale gegen Maik Steiner. | Bild: Lena Reiner

Viel Lob für Veranstaltung

Der 20-Jährige, der nun im vierten Jahr an den Überlingen Open teilnimmt, meint: „Obwohl ich nur einmal im Jahr hier bin, kenne ich die Leute. Das ist hier wie ein zweites Zuhause.“ Und auch sein Vater, der derzeit auch sein Trainier ist und ihn daher nach Überlingen begleitet hat, lobt die Veranstaltung ebenfalls: „Es gibt viele Orte, da ist die Atmosphäre ganz anders, da geht es viel anonymer zu und weniger herzlich.“ Vergleiche können die beiden viele ziehen. Als Jugendlicher war Louis Weßels zu sämtlichen Jugend-Grand-Slams rund um den Globus gereist.

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Louis' Vater ist gleichzeitig sein Trainer

Louis Weßels ist froh, seinen Vater in dieser Doppelrolle um sich zu haben. Die Frage, ob das nicht manchmal schwierig sei, verneint er: „Im Gegenteil. Ich bin sowieso gern mit meinen Eltern unterwegs.“

Dirk Weßels ist nicht nur Louis Weßels Vater, sondern derzeit auch sein Trainer.
Dirk Weßels ist nicht nur Louis Weßels Vater, sondern derzeit auch sein Trainer. | Bild: Lena Reiner

Um keinen Muskelkater am nächsten Tag zu riskieren, steht für Weßels nach dem Spiel erst einmal entspanntes Laufen auf dem Programm. Er verlässt das Gelände Richtung See, um auf dem Spazierweg zu joggen. „Aber nicht in den See!“, ruft ihm Dirk Weßels noch hinterher. Das mit dem Erziehen, das könne er immer noch nicht bleiben lassen, erklärt er und lacht.

Video: Lena Reiner

Niederlagen gehören dazu

Die Doppelrolle aus Trainer und Vater sei nicht nur deshalb eine Herausforderung: „Wir sprechen schon beim Frühstück die vergangenen Spiele durch.“ Die ganze Familie sei tennisaffin, und, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu: „Wir wissen natürlich alles besser.“ So werde auch über Niederlagen viel häufiger gesprochen als über Siege. Gleichzeitig sei eben genau das wichtig, denn Tennis sei ein Sport, in dem man wöchentlich verliere. „Das ist das Wichtigste, was man zu lernen hat: das Verlieren.“ Und gerade das sei für ihn, der er als Vater auch emotional bei der Sache sei, nicht immer einfach. Andererseits könne man aus jeder Niederlage natürlich lernen.

Bei den Überlingen Open ist Verlieren in diesem Jahr bislang glücklicherweise kein großes Thema. Den eben erlangten Sieg von Louis kommentiert sein Vater anerkennend: „Er hatte einen echt unangenehmen Gegner, aber hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.“

„Mit zwei Spielen ist mein Tag auch voll“

Der 20-Jährige ist mittlerweile von seinem Badeausflug zurück und nutzt die kleine Pause für eine Mahlzeit, bevor er sich auf das nächste Match, das er im Doppel mit Valentin Günther spielt, vorbereitet. „Mit zwei Spielen ist mein Tag auch voll“, erklärt er.

Video: Lena Reiner

Um sieben Uhr habe sein Wecker geklingelt, dann gab es im Hotel Frühstück mit seinem Vater. Danach sei er dann vom Hotel zur Anlage gejoggt, um sich aufzuwärmen: „Es war richtig kühl heute Früh. Da war das wichtig.“ Dort habe er dann trainiert. Nach einer kurzen Pause im Hotel ging es wieder auf den Platz und nach einem Mittagessen direkt an die Vorbereitung seiner Tennisschläger.

Video: Lena Reiner

Das Warmlaufen musste dann unerwartet schnell gehen: „Das Match vorher wurde wegen der Verletzung eines Spielers frühzeitig abgebrochen. Daher war ich schneller an der Reihe als erwartet.“

Nächste Woche geht es weiter nach Zürich

Auch er selbst ist derzeit verletzt. Drei Mal hat er sich in diesem Jahr dasselbe Außenband am Fuß gerissen. „Das ist wohl meine Schwachstelle“, erläutert der 20-Jährige. Viele Spieler seiner Körpergröße hätten Probleme mit den Gelenken. „Die bleibt jetzt dran“, sagt er und zeigt auf die schwarze Bandage, die er aktuell zum Spielen trägt, damit nicht noch ein vierter Bänderriss folgt. Kommende Woche soll es für ihn zum nächsten Turnier nach Zürich gehen.