Statt Stundeschlag und Betläuten geben seitdem Bagger, Presslufthammer und Steinmeißel den Ton an. Die Auferstehungskirche wird aufwendig saniert und auch umgebaut. In einjähriger Bauzeit soll aus der Kirche eine neue Begegnungsstätte werden. Und bis dahin schweigen die Glocken. Sehr zum Leidwesen der Anwohner: Nicht nur wegen der Unannehmlichkeiten wegen der Baustelle, vielmehr ist das Geläut der Auferstehungskirche ein fester Bestandteil der westlichen Altstadt und der Fischerhäuservorstadt in Überlingen. Und das wird seit Ende August schmerzlich vermisst.

Weihnachten ohne Glockengeläut? Kaum vorstellbar. Pfarrerin Silvia Johannes wurde angesprochen, ob denn nicht wenigsten zu Weihnachten die Glocken der Auferstehungskirche läuten könnten. Doch ihre Antwort klang nicht allzu vielversprechend. „Die ganze Kirche ist eine große Baustelle, innen wie außen“, erklärte sie und fügte noch hinzu: „Sie machen sich kein Bild, wie es da aussieht.“

„Aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder“: Die Worte von Pfarrerin Johannes klangen ein wenig hoffnungsvoll, wobei allerdings in der evangelischen Kirche Wunder und Erscheinungen nicht allzu gegenwärtig sind. Wunder hin oder her – es waren die Zeichen der Zeit, die eine Woche vor Weihnachten Hoffnung auf ein kleines Wunder in der evangelischen Auferstehungskirche machten: Zwischen Weihnachtsvorbereitungen und Baustellenaktivitäten ist kaum jemanden aufgefallen, dass die Turmuhr wieder in Gang gesetzt wurde. Zwischen Bagger und Baugerüst zeigte sie plötzlich wieder die richtige Zeit an.

Am Freitagmittag, rechtzeitig zu Weihnachten, nahm das Wunder seinen Lauf: Die Auferstehungskirche läutet seitdem wieder, so wie sie schon vor Baubeginn zu jeder Viertelstunde und groß zum Morgen, Mittag und Abend läutete.

Es gibt sie also doch, die Wunder – auch in der evangelischen Kirche.