Gerne hätte das Überlinger Sommertheater wieder mit Wangen kooperiert, sagt der Vorsitzende Thomas-M. Becker. Doch Gelder wurden gestrichen und darum suchten die Mitglieder des Vereins eine Lösung, die finanzierbar war. Heraus kam eine kleine Spielzeit 2019 in Kooperation mit dem Theater Melone aus Innsbruck in Österreich. Kleiner aber heißt nicht schlechter. Wie die Produktion „Make your heart beat again“ sorgt auch das Familienstück „Alice“ für Begeisterung.

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Alice (Angela Schausberger, links) lässt sich von der Raupe (gespielt von Claudia Carus, rechts) überzeugen, von dem Pilz zu essen, um wieder ihre ursprüngliche Größe zu erreichen.
Alice (Angela Schausberger, links) lässt sich von der Raupe (gespielt von Claudia Carus, rechts) überzeugen, von dem Pilz zu essen, um wieder ihre ursprüngliche Größe zu erreichen. | Bild: Julia Rieß

Premiere des Stücks begeistert Kinder und Erwachsene

Das Motto der diesjährigen Spielsaison, sagt Thomas-M. Becker, sei „Mit Herz und Fantasie“ – dieses sei am Vorabend mit dem ersten Stück „auf etwas brachiale Art und Weise“ getroffen worden, beim Familienstück gehe man es etwas sanfter an. Was aus „Alice im Wunderland„ aus der Feder von Katja Hensel und unter der Regie von Florian Hackspiel, gespielt von Ambra Berger, Claudia Carus, Angela Schausberger und Katharina Vana, wurde, begeisterte bei der Premiere in Überlingen Kinder wie Erwachsene. Auf die Frage, was am Besten gefiel, fallen die Antworten der Kinder ganz unterschiedlich aus: Einem gefiel die Stimme von Claudia Carus so gut, einem anderen die Grinsekatze, „weil die Musik so cool“ war. Ein Junge fand es „einfach schön“.

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Dank der Ausstrahlung von Angela Schausberger, die die Alice verkörpert, fällt es leicht, sich direkt mit ihr ins Wunderland zu träumen. Die anderen drei schlüpfen nahtlos von einer Rolle in die andere und präsentieren ein Feuerwerk an Skurrilitäten und spielen mit Logik und Worten. Die musikalischen Einlagen mit Tanz und Gesang runden das Programm ab.

Alice (Angela Schausberger, Mitte) findet den Schlüssel zu einer Tür, die sie weiter ins Wunderland führt. Links: Katharina Vana, rechts: Ambra Berger.
Alice (Angela Schausberger, Mitte) findet den Schlüssel zu einer Tür, die sie weiter ins Wunderland führt. Links: Katharina Vana, rechts: Ambra Berger. | Bild: Julia Rieß

Alice „allein zu Haus“

Es beginnt mit Alice „allein zu Haus“, die dem Publikum ihr Lieblingsspiel zeigt. Sie trifft sich mit drei Gestalten, die behaupten, auf den Nicht-Elefanten aufzupassen. Und die Reise in die Parallelwelt der Fantasie beginnt. Das weiße Kaninchen führt sie ins Wunderland, wo sich die Grenzen verschieben. Wo sind die Grenzen des Möglichen? Kann man wirklich im Kopf Karten spielen, wie die Teegesellschaft behauptet, zu der sie stößt? Wie ist es, mit einem Flamingo als Schläger einen Igel ins Tor zu schießen? Wie steht es um die Autorität einer resoluten Spielkarten-Königin? Und wie ist es im Tränenmeer zu schwimmen und mit den eigenen Augenwimpern zu sprechen? Klingt erst mal alles sehr skurril, ist aber lustig auf die Bühne gebracht von den sehr symphatischen Schauspielerinnnen des Österreicher Ensembles. Und wer schon immer wissen wollte, warum das weiße Kaninchen immer eilig und zu spät ist, findet hier die Antwort: Es kam schon bei der Geburt zu spät, und diese Stunde fehlt ihm nun.

Alice (Angela Schausberger, rechts) macht erstmals Bekanntschaft mit der Grinsekatze, hier gespielt von Ambra Berger (vorne), Claudia Carus und Katharina Vara.
Alice (Angela Schausberger, rechts) macht erstmals Bekanntschaft mit der Grinsekatze, hier gespielt von Ambra Berger (vorne), Claudia Carus und Katharina Vara. | Bild: Julia Rieß
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Ingo der Flamingo und die Spielkarten-Königin

Eine überdimensionale Stoff-Raupe, Ingo der Flamingo, eine Spielkarten-Königin, die von Alice in eine Identitätskrise gestürzt wird und die Grinsekatze die in dreifacher Ausführung um die Darsteller kreist – mit Kreativität und Witz und einer fantasievollen Requisite singen und spielen sich die Darsteller in die Herzen der Zuschauer. Mit einer Stunde ist „Alice“ kurzweilig und kurz genug, dass auch die kleinsten Zuschauer bis zum Schluss gespannt den Geschehnissen folgen können.

Die Herzogin (Ambra Berger) ist sehr exzentrisch und abgedreht.
Die Herzogin (Ambra Berger) ist sehr exzentrisch und abgedreht. | Bild: Julia Rieß