Überlingen – Es ist ein paar Wochen her, dass am Amtsgericht Überlingen über diese vier Worte gestritten worden ist: "Leck mich am A****". Ein Mann hatte sie im Verlauf eines Streits mit seiner Arbeitskollegin ausgesprochen. Sie fühlte sich damit persönlich angesprochen. Er hingegen warf ein, er habe den Satz vor sich hingesagt, wie man eben so vor sich hin flucht. Richter Jürgen Kragler brachte die Streithähne dazu, den Streit beizulegen und auf ein Gerichtsurteil zu verzichten. So könnten alle ihr Gesicht wahren, argumentierte der Richter.

Gerichte in Bayern und Schwaben: nicht strafbar

Offen bleibt damit allerdings die Frage, ob man im Badischen "Leck mich am A****" sagen darf oder nicht. In Gerichten in Bayern und im schwäbischen Ehingen wurde dazu das Urteil gefällt: nicht strafbar.

Gericht in Berlin: strafbar

In Berlin hingegen sah es der Richter anders: Hier handelte es sich ganz klar um eine Beleidigung. Allerdings spielt bei der Urteilsfindung nicht nur eine Rolle, wo die Äußerung gefallen ist. Das zeigt die Schlussfolgerung des Amtsgerichts Ehingen: "Die Aussage reicht je nach Bildungsstand, Gepflogenheit, Herkunft, Landsmannschaft, Geschmack oder äußerem Anlass von der Ehrenkränkung und Beschimpfung über eine Verfluchung oder über Gefühlsausbrüche bei Schmerz, Freude oder Rührung bis hin zu einem Segensspruch." Einer der Fürsprecher war Thaddäus Troll, der 1972 dargelegt hatte, dass die Aussage durchaus legitim sei, um eine Überraschung zu vermelden odereine als Zumutung empfundene Bitte entschieden zurückzuweisen.

Muettersprochler Möll und Epple: keine Beleidigung

So sieht es auch Walter Möll, der Vorsitzende der regionalen Muettersproch-Gruppe Hegau. Er tauschte sich mit dem Dichter und Maler Bruno Epple zu dieser Frage aus. Möll sagt, er sei sich mit Epple einig, dass das genannte "Leck mich am A****" in der landläufigen Verwendung keine Beleidigung sei und oft auch als Ausruf der Bewunderung, Verblüffung oder als Verstärkung benutzt werde.

"Worte meist nicht auf Personen, sondern Vorgänge oder Erkenntnisse bezogen"

Möll führt aus: "Also zum Beispiel 'Leck mi am A****, des hett i it denkt' oder 'Leck mi am A****, des isch aber guet worre' oder 'Leck mi am A****, des isch aber denebbe gange'." Diese Worte seien also meist nicht auf Personen, sondern auf Vorgänge oder Erkenntnisse bezogen. "Schon gar nicht soll damit jemand beleidigt werden", sagt Möll.

Ausdruck taucht schon in Goethes "Götz von Berlichingen" auf

Eine moderne Erfindung ist der Ausdruck "Leck mich am A****" übrigens nicht. So sagte schon Goethes Protagonist im 1774 uraufgeführten literarischen Schauspiel "Götz von Berlichingen": "Vor Ihro Kayserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respect. Er aber, sags ihm, er kann mich im Arsch lecken."

Mozart bedient sich der Formulierung in einem Kanon

Und 1782 arrangierte der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) den sechsstimmigen Kanon "Leck mich im Arsch". Laut Angaben der Salzburger Agentur "Weiss Stephan", die die Internetseite wolfgang-amadeus.at betreibt, blieb das Werk zu Lebzeiten des Komponisten ungedruckt, erst seine Witwe Constanze Mozart überließ es dem Leipziger Verlag Breitkopf und Härtel zur Publikation. Dort wurde allerdings der Text in "Lasst froh uns sein" abgeändert.