Aufrecht und kerzengerade steht Carola Lang-Bornée in ihrem Wohnzimmer. Im Kamin hinter ihr flackert ein Feuer, die Wände sind komplett von Büchern eingenommen. Sie lächelt, nimmt dann Platz in ihrem großen Sessel und sagt: "Nach 60 Jahren – es ist wie ein Wunder." 60 Jahre. Rund zwei Drittel vom bisherigen Leben der Carola Lang-Bornée. Und eigentlich, so kommt es einem vor, wenn man der 95-Jährigen zuhört, waren es zwei Leben – so sehr unterscheidet sich das Leben, das sie führte, bevor sie nach Überlingen kam, von dem, das sie danach lebte.

Für ihre Freunde eine Überraschung

An ihrem 90. Geburtstag haben ihre Überlinger Freude erst erfahren, wer sie eigentlich ist. "Meine Kinder haben bei der Feier ein Video mit Dokumenten aus meinem Leben gezeigt ", sagt sie. Und da wurde es eben bekannt: Dass Carola Lang-Bornée einst Filmproduzentin war. Und zwar nicht irgendeine: Die Immenhof-Filme hat sie produziert. Mit Gero Wecker, ihrem damaligen Mann, in den 1950er Jahren.

Carola Lang-Bornée während der Dreharbeiten zu dem Film "Ferien auf Immenhof" im Jahr 1957.
Carola Lang-Bornée während der Dreharbeiten zu dem Film "Ferien auf Immenhof" im Jahr 1957. | Bild: Arca-Film/NF/ Spörr.

Dann folgt allerdings ein Zusammenbruch, ein Burnout. 1961 die Scheidung und eine neue Liebe, die sie nach Überlingen führt und an die Seite ihres zweiten Mannes, Karl Konradin Lang, Chefarzt des damaligen Markdorfer Krankenhauses. Ihr Leben ab diesem Moment: Ein vollkommen anderes. Aus der erfolgreichen Produzentin wird eine Hausfrau und Mutter, die ein riesiges Seegrundstück in Nußdorf bewirtschaftet. Martin Walser, der drei Häuser weiter lebt, wird ihr guter Freund. Zwar fragt ihr erster Mann, von dem sie sagt, dass sie bis an sein Lebensende befreundet waren, in den 70ern, ob sie nicht einen weiteren Immenhof-Film produzieren will, doch sie sagt Nein. "Ich konnte das nicht mit meinem Nußdorfer Leben vereinen. Man füllt ja immer den Platz, an den man gestellt wird, hundertprozentig aus."

Dass sie die Produzentin der Immenhof-Filme ist, sagt sie niemandem

Bis sie in Überlingen heimisch wird, braucht es aber noch ein bisschen: "Als ich ankam, war es schwierig, weil wir alle ein klares Hochdeutsch sprachen. Meine Töchter wurden in der Schule deshalb zunächst als hochnäsig bezeichnet." Dass sie die Produzentin der Immenhof-Filme ist, sagt sie niemandem. Nicht, dass sie ein Geheimnis daraus gemacht hätte. Aber sie will auch nicht angeben. 60 Jahre später jedoch, da kommen zwei Menschen auf sie zu. Regisseurin Sharon von Wietersheim und Produzent Frank Meiling.

Leia Holtwick mit Pferd Cagliastro.
Leia Holtwick mit Pferd Cagliastro. | Bild: Concorde Filmverleih

Sie besuchen Carola Lang-Bornée in der Dreizimmer-Wohnung in Sipplingen, in die sie nach dem Tod ihres Mannes gezogen ist, auch, weil sie nicht ins Altersheim will. "Die beiden haben mir gleich gefallen", sagt sie und ergänzt: "Weil sie total verrückt waren nach den Immenhof-Filmen." Die Regisseurin und der Produzent hätten es sich zur Aufgabe gemacht, die Filme in die Jetztzeit zu übertragen. Kein Remake sei es, unterstreicht Lang-Bornée, eher könne man vielleicht sagen, es handle sich um die Nachfahren der einstigen Immenhof-Familie. "Es ist ein Transponieren der alten Geschichte in die heutige Zeit. Es ist wieder ein Familienfilm mit vielen Tieren und jungen Menschen. Die Hauptsache ist der Zusammenhalt der Familie." Und natürlich gibt es auch Probleme: Der Hof steht vor der Pleite, ein großer Gutsbesitzer, gespielt von Heiner Lauterbach, macht Schwierigkeiten. "Für Sharon von Wietersheim war es das Wichtigste, den Geist von Immenhof rüberzubringen. Das ist ihr gelungen", lobt Carola Lang-Bornée.

Bei der Neuverfilmung wird sie zur Ehrenproduzentin ernannt

Und wo liegt der große Unterschied zu den Filmen von damals? "Die Figuren sind natürlich moderner geworden, sie haben Handys", sagt die einstige Produzentin, die natürlich selbst ein Handy besitzt und sich eifrig mit ihren Urenkeln WhatsApp-Nachrichten schreibt. Ohnehin: Das digitale Zeitalter hat Carola Lang-Bornée nicht verschlafen. "Ich arbeite täglich am Laptop", sagt sie. "Ich bin ununterbrochen geistig aktiv, deshalb bin ich auch noch so fit." Aktiv hat sie sich auch an der Produktion des neuen Immenhof-Films beteiligt: "Sie haben mich zur Ehrenproduzentin ernannt", sagt sie. Jeden Abend bekam Carola Lang-Bornée den Ablaufplan für den Folgetag geschickt. "Vom Sessel aus war ich immer dabei."

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Um die Ehrenproduzentin zu würdigen, findet am Sonntag in der Cinegreth eine Gala statt (siehe Infokasten). Denn am 13. Januar zur Uraufführung nach München zu fahren, das war Carola Lang-Bornée mit ihren 95 Jahren doch zu viel. "Ich werde bei der Gala aufgeregt sein, nehme ich an, das ist für mich wie ein Wunder, dass das geschieht – und eine ungeheure Dankbarkeit nach so vielen Jahren in meinem hohen Alter", sagt sie. Und: "Ich blicke auf ein sehr kontrastreiches Leben zurück. Aber es war schön. In jeder Phase."