In einer E-Mail an die Stadtverwaltung von Überlingen hielt das Landesamt für Denkmalschutz am 16. Juni fest, dass es sich bei der Platanenallee um ein Kulturdenkmal handle. In einer der Redaktion vorliegenden Stellungnahme gegenüber den Gemeinderäten von Mittwoch dieser Woche argumentierte Längin damit, dass es sich um einen laufenden Vorgang der Verwaltung und nicht um ein abschließendes Ergebnis handle. Woraus schloss er diese Gewissheit?

Längin am Freitag gegenüber dem SÜDKURIER: "Im Eingangssatz der E-Mail-Nachricht ist lediglich von einer 'Beurteilung' der Situation die Rede. Weitere rechtliche Verbindlichkeiten ließen sich der Einschätzung der dortigen Mitarbeiterin aus der E-Mail-Nachricht nicht entnehmen." Deshalb habe er die E-Mail lediglich als "Anhörung" betrachtet. Außerdem sagte Längin, dass er angesichts der emotional geführten Diskussion "nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen wollte", sondern abwarten wollte, bis die Sache auch aus seiner Sicht abgeschlossen ist.

Das Landesdenkmalamt ließ am Dienstag dieser Woche in einer Pressemitteilung verlauten, dass es sich bei der Allee um ein Kulturdenkmal handle und dass das Fällen nur mit Genehmigung der Denkmalschutzbehörde möglich sei. Ein Umstand, der für die öffentliche Debatte von großer Bedeutung ist. Auch Längin versandte am Dienstag eine Presseerklärung, in der steht: "Die Platanenallee ist nach Auffassung des Landesdenkmalamtes grundsätzlich ein Kulturdenkmal. Die Stadt Überlingen hat hierzu Bedenken angemeldet und das Landesdenkmalamt gebeten, seine Position nochmals zu überdenken." Nach Längins Intervention nimmt das Landesamt nun eine erneute Prüfung vor und bescheinigte der Stadt bereits, "begründete fachliche Einwände vorgebracht" zu haben.

"Auch ein Denkmal kann abgebrochen werden"

Dass die Allee ein Kulturdenkmal sei, überrascht Längin insofern, weil es im bisherigen Verfahren, an dem auch die Denkmalpflege beteiligt war, "keinerlei Signale oder schriftliche Einlassungen gab, dass hier aus Sicht der Denkmalpflege unüberwindbare Hindernisse bestehen würden". Wobei er auch ein Kulturdenkmal, sofern es dauerhaft Bestand haben sollte, nicht als unüberwindbares Hindernis betrachte.

"Auch ein Denkmal kann abgebrochen werden", sagt Bürgermeister Längin. Es bestehe "grundsätzlich immer die Möglichkeit dazu". Selbstverständlich müssten die entsprechenden Genehmigungen vorliegen. Zuständige Stelle ist zunächst die untere Denkmalschutzbehörde, in diesem Fall dass Baurechtsamt in Überlingen, in strittigen Fällen unter Hinzuziehung der Fachaufsicht am Regierungspräsidium Tübingen. Längin: "Da, sage ich ganz ehrlich, lebe ich nach dem Prinzip Hoffnung. Wir haben eine sehr hohe Zustimmung im Bürgerentscheid erfahren, ich sehe mich als Fürsprecher derer, die damals für die Landesgartenschau auf Grundlage des Mommsen-Entwurfs gestimmt haben. Ich werde alles rechtlich mögliche tun, um dieses Ergebnis auch umzusetzen."

Des Weiteren fragte der SÜDKURIER, an Längin gerichtet: Warum wurde vonseiten der Stadtverwaltung Überlingen eine Anfrage zum Denkmalstatus der Alleebäume an der Bahnhofstraße ans Landesdenkmalamt gestellt? Und wer innerhalb der Stadtverwaltung hat das in welcher Zuständigkeit, beziehungsweise in wessen Auftrag getan? Antwort Längin: "Im Zuge der Bearbeitung zur wasserrechtlichen Genehmigung wurde bei der Stadtverwaltung als untere Denkmalschutzbehörde ein bestehender, beziehungsweise künftiger Denkmalstatus vom Landratsamt Bodenseekreis, Amt für Wasser- und Bodenschutz abgefragt. Der damals aktuelle Sachstand, das heißt, der Umstand, dass die Platanenallee nicht im Denkmalverzeichnis aufgeführt ist, konnte von der Stadtverwaltung direkt beantwortet werden. Die Einschätzung des Landesamtes für Denkmalschutz für eine künftige Denkmaleigenschaft war der Stadtverwaltung nicht bekannt und deshalb wurde die Einschätzung der örtlich für den Denkmalschutz zuständigen Gebietsreferentin des Landesamtes für Denkmalschutz abgefragt. Die Abfrage wurde gemäß Geschäftsverteilungsplan der Stadtverwaltung als untere Denkmalschutzbehörde getätigt, die bei der Abteilung Bauordnung angesiedelt ist."