120 Besucher kamen zur Auftaktveranstaltung der Bürgergemeinschaft für Überlinger Bäume (BÜB) ins Gewächshaus der Gärtnerei Widmer. Neben Oberbürgermeisterin Sabine Becker waren auch Bürgermeister Matthias Längin, zahlreiche Gemeinderäte und Roland Leitner von der Landesgartenschau GmbH anwesend.

Dirk Diestel erklärte zu Beginn, warum sich die BÜB für das Bürgerbegehren entschieden hat. Es gehe um mehrere öffentliche Aussagen der Planerin der Landesgartenschau, Marianne Mommsen, in der sie vor dem Bürgerentscheid von 2013 ausdrücklich den Erhalt fast aller Bäume zugesichert habe. "Jetzt sollen nahezu alle Bäume gefällt werden", sagte Diestel zu den aktuellen Planungen. "Ich zumindest fühle mich heute, ganz vorsichtig und diplomatisch ausgedrückt, reingelegt."

"Ich kann der Oberbürgermeisterin nicht mehr vertrauen," so sein weiteres Fazit zu dem zugesagten, aber niemals stattgefundenen Bürgerworkshop zum Uferpark West. "Durch das Verweigern einer Bürgerbeteiligung hat Sabine Becker erst den jetzigen Unfrieden verursacht", führte Dirk Diestel weiter aus.

Dennoch, die BÜB wolle die Landesgartenschau keinesfalls verhindern: "Wir stehen zu dem demokratischen Ja zur Landesgartenschau", betonte Diestel, "auch wenn vorher unwahre Angaben zur Planung gemacht wurden." Daher fordert er: "Ich kann Sie nur bitten, dem Bürgerbegehren zuzustimmen!"

BÜB-Sprecherin Kristin Müller-Hausser sprach von einer historischen Angelegenheit und attestierte den Planern Ahnungslosigkeit. "Wir müssen für die Zukunft mitdenken", sagte sie und fasste es so zusammen: "Wir brauchen die Bäume!" Befremdlich waren für sie die Anfeindungen, die sie und andere mittlerweile in Überlingen erlebten, wenn sie klar Stellung für den Erhalt der Bäume beziehen.

BÜB-Sprecherin Barbara Gittner fragte, warum das alles abgerissen oder gefällt werden soll? "Das wäre ein Verlust unserer Heimat", so ihre Antwort. Sie ist, so wie die anderen auch, mit der Platanenallee und dem dortigen Gelände persönlich verbunden. Als Kinder haben sie dort gespielt und sind dort auch aufgewachsen.

Bei der anschließenden Fragerunde bat Dirk Diestel darum, keine Statements abzugeben. Die Bürger sollten Gelegenheit haben, Fragen zu stellen. Nadeen Althoff aus Owingen eröffnete die Fragerunde gleich mit einem Statement und sprach von einem historischen Tag, "weil wir etwas machen". Es sollte nicht das letzte Statement des Abends werden.

Klaus Bühler wollte wissen, "wie wir wieder zusammenkommen können, trotz Bürgerbegehren?" Dirk Diestel antwortete: "Wenn Frau Becker erklärt, wir erhalten die Bäume, brechen wir sofort ab."

Sabine Becker warb in ihrer Antwort um Vertrauen: "Ich nehme Sie ernst, wir prüfen alles."

In weiteren Fragen ging es um die Möglichkeit, Bäume zu versetzen, um die Tiere in der Trockenmauer, um Urheberrechte, um neue alternative Pläne, um Denkmalschutz, um Klimaerwärmung, um die Baumsatzung und um die Art und Weise, wie in Berlin mit Bäumen umgegangen wird. Zum Abschluss der Veranstaltung sang Eloas Lachenmayr "Wir ziehen weiter".

Die nächste Veranstaltung der BÜB findet heute, Samstag, auf dem Wochenmarkt statt. Von 8 bis 13 Uhr können an einem BÜB-Stand Interessierte auch für das Bürgerbegehren unterschreiben, und die BÜB-Sprecher stehen Rede und Antwort.