Der Förderverein Sommertheater stellt allen Widrigkeiten zum Trotz und ganz auf eigene Rechnung ein kleines Sommertheater auf die Bühne des Pfarrzentrums: Vom 7. bis zum 10. August sind dort jeweils drei Mal das Familienstück „Alice“ und das Politdrama „Make your heart beat again“ zu sehen, bei dem der blaue Planet im Mittelpunkt steht.

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Doch auch abgesehen von diesem globalen Thema würde Spielleiter Florian Hackspiel das Sommertheater 2019 „nicht klein nennen“. Wären alle sechs Vorstellungen ausverkauft, spräche man von 1200 Besuchern. „Das ist viel für eine Stadt wie Überlingen.“ Und keine ganz verwegene Hoffnung, denn der Vorverkauf laufe gut, freut sich Oswald Burger vom Förderverein.

Verein trägt gesamtes finanzielles Risiko

Der gemeinnützige Verein trägt das komplette finanzielle Risiko. Joachim Scholz verdeutlicht: „Wir ermöglichen dieses Sommertheater durch den Aufbrauch all unserer Reserven. Wir setzen alles auf eine Karte, aber auf diese Karte kann man nicht zweimal setzen.“ Sprich: Ohne öffentliche Förderung geht‘s auf Dauer nicht. Was Ehrenamtliche und Künstler 2019 leisteten, sei „Selbstausbeutung“, wird Scholz noch deutlicher.

Macher sind überzeugt von ihrem Angebot

Warum sie sich auf so etwas einlassen, erklärt sich während des Pressegesprächs von selbst. Denn dieses wird nicht von Klagen bestimmt, sondern von Begeisterung. Sowohl der vor Enthusiasmus übersprudelnde Theatermacher Hackspiel als auch die Vereinsleute lieben ganz offensichtlich das, was sie tun, und sind überzeugt von ihrem Angebot.

Zuschauer ins Land der Fantasie führen

Beim Familienstück „Alice“ geht es natürlich um das Mädchen im Wunderland, allerdings in der Theaterfassung von Katja Hensel. Vier Schauspielerinnen wollen Zuschauer ab etwa sechs Jahren eine Stunde lang ins Reich der Fantasie entführen. Alice sitzt allein daheim, ihre Gedanken werden lebendig und nehmen vielerlei Gestalt an. „Sag niemals nie und folg‘ dem Ruf der Fantasie“ heißt das Leitmotiv nicht nur des Schlusslieds, sondern des ganzen Stücks.

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Mit fast der gleichen Besetzung bestreitet Hackspiel auch das von ihm verfasste Abendstück „Make your heart beat again“, das 2017 in seiner Heimatstadt Innsbruck uraufgeführt wurde. Er habe es als Antwort auf Donald Trumps „Make America great again“ entwickelt. Bei Hackspiel steht die ganze Erde im Mittelpunkt: dieser einmalige blaue Planet, der vom Weltall aus so verheißungsvoll leuchte, doch je näher man an ihn heranzoome, desto mehr menschengemachte Problemzonen entdecke man.

Drei große Themen im Mittelpunkt

Drei große Themen stünden im Mittelpunkt: Europa, wohin gehst du?, Rechtspopulismus und Plastikmüll. Hackspiel verspricht ein „hochpolitisches Stück, aber ohne Fingerzeigen“ und vorgefertigten Antworten à la: „Wähle grün, wähle rot, kauf ja keine Plastiktüten mehr“. Es gehe vielmehr darum, sein Herz für andere zu öffnen.

Widersprüche statt Lösungen auf der Bühne

„Ich bin kein Aufdecker, kein Politiker, kein Linkspopulist, sondern ein hundsgemeiner, human denkender Künstler“, sagt Hackspiel. Ihm sei wichtig, „Widersprüche auf die Bühne zu stellen. Ich habe nicht die Lösung.“ Den Vorstand des Fördervereins hat sein Stück bereits überzeugt. „Wir wissen, was auf uns zukommt“, so Burger.

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Er habe über dessen Thematik auch mit dem Hausherrn des Pfarrzentrums, dem katholischen Münsterpfarrer Bernd Walter, gesprochen. „Er findet sie gut.“ Und sie passe bestens zur Enzyklika „Laudato si“ von 2015, in der sich Papst Franziskus ebenso klar wie poetisch gegen Umweltzerstörung und Ausbeutung ausspricht, betont Burger. Auch sonst schließt sich im Pfarrzentrum ein Kreis, wurde hier doch bereits früher viel Theater gespielt. Was die Zukunft des Sommertheaters angeht, sagt Burger klipp und klar, dass man 2021 wieder in die Kapuzinerkirche wolle.