Wenn am 14. April in Houston in Texas die besten Filme des Jahres beim WorldFest Houston International Film Festival prämiert werden, wird eine der drei Auszeichnungen nach Überlingen gehen.

Bronze, Silber oder Gold?

Der Überlinger Jeffrey van Davis wird für seinen Film „All my Tomorrows“ geehrt und erhält entweder die Bronze-, Silber- oder Goldmedaille – welche der drei Urkunden es wird, erfährt er erst am 14. April abends bei der Galaveranstaltung. Der in Hödingen lebende Filmemacher und ehemalige Lehrer am Salem College ist sowohl Produzent als auch Drehbuchautor und Regisseur des knapp einstündigen Filmes.

Kleines Budget, zwei Darsteller, ein Zimmer

„Vor vier Jahren hat mich ein ein amerikanischer Filmproduzent gefragt, ob ich für ihn ein Drehbuch schreiben könnte, das drei Voraussetzungen erfüllt: Erstens müsse das Budget klein sein, zweitens dürfe die Geschichte nur in einem Zimmer spielen und drittens müsse sich die Story zwischen zwei Darstellern abspielen“, sagt Jeffrey van Davis.

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Erster Spielfilm des 76-Jährigen

Der 76-jährige gebürtige Amerikaner hat in seinem Leben etliche Preise für Drehbücher erhalten und mehrere Dokumentarfilme gedreht. Einen solchen Spielfilm hat er allerdings noch nicht produziert. In der Region bekannt wurde er vor einigen Jahren mit einer kritischen Filmdokumentation über Martin Heidegger.

Er traf mit Größen wie Fassbinder und Ballhaus zusammen

Bis in die 80er Jahren hatte van Davis in München gelebt, war dort mit Filmgrößen wie Rainer Werner Fassbinder oder Michael Ballhaus zusammengetroffen und schließlich aus privaten Gründen für 20 Jahre in die USA zurückgekehrt. Um die Jahrtausendwende kam er nach Deutschland zurück und nahm in Salem College in Überlingen einen Lehrerjob an.

Nach einem halben Jahr stand das Drehbuch

Als der Filmproduzent ihm die Anfrage schickte, war Jeffrey van Davis schnell entschlossen: „Ich überlegte sofort, in welchem Raum die Geschichte spielen könnte und wer sich dort am besten begegnen sollte.“ Ein halbes Jahr benötigte er für das Drehbuch. Nur der Ort der Handlung habe bald für ihn festgestanden: ein Hotelzimmer im „Arizona Inn“, einem etwas plüschigen Hotel einer reichen Amerikanerin in Arizona.

"Den Film produziere ich selbst"

Als das Drehbuch fertig war, gab er es zwei Drehbuchprofis aus Hollywood und München zur kritischen Durchsicht. „Dann habe ich es sechs Wochen liegen lassen und dann noch einmal gelesen. Da wusste ich: Das ist richtig gut geworden. Und ich habe beschlossen: Den Film produziere ich selbst.“

Prostituierte und Rassist in einem Hotelzimmer

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein reicher amerikanischer Geschäftsmann trauert um seine Frau. Er flüchtet in ein Hotelzimmer und lässt sich, um der Einsamkeit zu entfliehen, eine Prostituierte auf sein Zimmer kommen. So beginnt der Film, in dessen Verlauf es zwischen der hispanischen Frau und dem rassistischen Anwalt zu einer harten Konfrontation kommt.

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Beide Protagonisten lernen übereinander

Dabei überrascht die Frau den Mann mit Wissen über Martin Heidegger und die Imperia in Konstanz. Auch sie lernt viel über die menschliche Seite des Mannes kennen, der durch sie seine Einsamkeit betäuben will. Beide kämpfen miteinander, sie betrinken sich und sie haben Sex. Dabei offenbaren sich beide ihre tiefsten Ängste und Wünsche.

Casting in Los Angeles und New York

Bis dieser Film nun am 14. April prämiert werden wird, ging viel Zeit ins Land. Ein halbes Jahr dauerte es, um die Darsteller zu finden. Einer umfangreichen Recherche in den Datenbanken der internationalen Casting-Agenturen folgte das Vorsprechen von zehn männlichen und zehn weiblichen Schauspielern in Los Angeles und New York.

Die Prostituierte Maria (Marisa Román) und ihr Kunde Ed (Bob Jaffe) kommen sich zu nahe.
Die Prostituierte Maria (Marisa Román) und ihr Kunde Ed (Bob Jaffe) kommen sich zu nahe. | Bild: Jeffrey van Davis

Bob Jaffe und Marisa Roman als Darsteller

Van Davis entschied sich für den Amerikaner Bob Jaffe und Marisa Román aus Venezuela. Beide sind in den USA aus zahlreichen Filmproduktionen bekannt. „Sie waren ein Volltreffer“, sagt Jeffrey van Davis heute. Er musste hohe Gagen der Schauspieler akzeptieren, denn: „In dem Film kommen auch Sexszenen vor, da gelten in den USA besondere Vorschriften bei den Gagen.“ Aber es habe sich gelohnt.

"Riesiger Glücksfall": Zimmer im Hotel "Villa Rosengarten" passt

Der Film spielt nach wie vor im Hotel "Arizona Inn" in Tucson. Aber gedreht wurde er in Überlingen. „Ich habe lange nach einem geeigneten Hotelzimmer gesucht. Doch hier am See hatten Hotels nicht die richtige Atmosphäre. Dann bin ich auf das Hotel 'Villa Rosengarten' an der Bahnhofstraße in Überlingen gestoßen. Die haben dort ein Zimmer, das ist fast identisch mit einem Raum in Tucson im 'Arizona Inn'. Ein riesiger Glücksfall!“

Am Set von links: Bob Jaffe (Ed), Marisa Román (Maria), Alexander Bergmann (Regieassistent), Rainer Mann (Kameramann), Jeffrey von Davis (Regisseur, Autor und Produzent) und Hubert Bergmann (Ton).
Am Set von links: Bob Jaffe (Ed), Marisa Román (Maria), Alexander Bergmann (Regieassistent), Rainer Mann (Kameramann), Jeffrey von Davis (Regisseur, Autor und Produzent) und Hubert Bergmann (Ton). | Bild: Jeffrey van Davis

Profis vom See für Kamera, Licht, Ton und Schnitt

Acht Tage dauerten die Dreharbeiten mit einem Team, das sich aus Profis vom Bodensee zusammensetzte. Rainer Mann aus Stockach führte die Kamera, setzte das Licht und schnitt den Film. Als Kameraassistenten konnte Jeffrey van Davis, der selbst Regie führte, den Überlinger Philipp Nyland gewinnen. Regieassistent war Alexander Bergmann, ein ehemaliger Überlinger Waldorfschüler, der an der Filmhochschule München studiert. Den Ton besorgte dessen Vater, der Musiker und Künstler Hubert Bergmann. Der Überlinger Gerhard Graf unterstützte das Filmvorhaben mit seinem Druck- und Kopierservice.

Die Prostituierte Maria (Marisa Román) entdeckt in einem unbeobachteten Moment das Geheimnis ihres Kunden Ed. Regisseur Jeffrey van Davis (rechts) gibt Kameramann Rainer Mann und seiner Darstellerin Regieanweisungen.
Die Prostituierte Maria (Marisa Román) entdeckt in einem unbeobachteten Moment das Geheimnis ihres Kunden Ed. Regisseur Jeffrey van Davis (rechts) gibt Kameramann Rainer Mann und seiner Darstellerin Regieanweisungen. | Bild: Jeffrey van Davis

Private Vorführung Mitte März für Beteiligte

Er bot dem Filmemacher auch für eine private Vorführung des Filmes Mitte März seine neuen Verkaufsräume an. „So konnte ich allen Beteiligten noch einmal danken“, sagt Jeffrey van Davis.

Noch gibt es den Film nur auf Englisch

Ob und wann der knapp einstündige Streifen ins Überlinger Kino kommt, ist noch offen. Jeffrey van Davis darf den Film vor der Prämierung nicht öffentlich zeigen. Jetzt ist allerdings schon der Trailer zum Film im Internet zu sehen, auf Englisch. Ob er irgendwann einmal deutsch synchronisiert werden wird, ist noch nicht besprochen.