Der Kontrabass(ist) ist der Größte, der Kontrabass(ist) ist der Allerletzte: Zwischen grenzenloser Selbsterhöhung und -erniedrigung taumelt, dabei viel Bier trinkend, der Protagonist im Einakter "Der Kontrabass". Patrick Süskinds Stück zählt der zu den meistgespielten auf deutschsprachigen Bühnen. Im Überlinger Sommertheater war es 2015 zu sehen, damals in einer Inszenierung des Theaters Konstanz.

Jetzt führt Peter Raffalt Regie und übernimmt auch selbst die Solorolle. Er ist künstlerischer Leiter der Festspiele Wangen, die dieses Jahr das Sommertheater bespielen. Der rund eineinhalbstündige Monolog eines einsamen, unglücklich verliebten Orchestermusikers ist eine Tour de Force für jeden Schauspieler. Raffalt meistert sie mit Bravour. In das Wechselbad der Gefühle, durch die der Kontrabassist geht, lässt er das Publikum hautnah eintauchen.

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Steigerung von einer Rage in die nächste

Süskinds Stück ist eine Tragikomödie und Raffalt wird beiden Seiten dieser janusköpfigen Dramenform gerecht. Es gibt Schauspieler, die den Kontrabassisten brachialer anlegen, der sich, je mehr Bier er in sich hineinschüttet, ja tatsächlich von einer Rage in die nächste steigert: von der Wut über seinen "Dreckskasten", auf dem kein Mensch schön spielen könne, über den verhassten Richard Wagner bis hin zur Tatsache, dass sich die von ihm heimlich geliebte Sopranistin Sarah von Tenören in teure Fischrestaurants einladen lässt.

So komisch diese Zornestiraden und Zerstörungsfantasien wirken, so sehr sie den Zuhörer zum Lachen reizen: Sie sind Ausbrüche einer tragischen Existenz, die sich aus ihren Zwängen nicht lösen kann. Einerseits leidet der Kontrabassist an einer "Festanstellungspsychose", andererseits hat er nicht den Mut, auf die Sicherheit, die ihm sein Beamtenstatus verleiht, zu verzichten. Zwar fantasiert er in seiner schäbigen Bleibe darüber, diese Fesseln bei der anstehenden hochkarätigen "Rheingold"-Premiere mittels eines von ihm ausgelösten Eklats zu sprengen. So träumend, zieht er seinen Frack an, sammelt leere Flaschen ein und geht.

Feststecken im verhassten Job – so geht es wohl vielen

Die Zuschauer ahnen, dass es wohl nichts wird mit dem Befreiungsschlag. Nach dem Ende des Stücks klatschen sie Raffalt viele Male auf die Bühne zurück. Raffalt meint später an der Bar, so wie dem Kontrabassisten gehe es doch vielen, die in einem verhassten Job feststeckten und sich nicht getrauten, ihn aufzugeben. Bei einem Musiker, der es in ein Staatsorchester schaffe, denke man ja: was für eine Karriere! Dabei sei das ein unglaublich festgefahrener Betrieb. Raffalt erzählt: "Ich war sieben Jahre am Burg-Theater", also dem Bühnen-Olymp in Wien. Trockenes Fazit: "Da wird auch nur mit Wasser gekocht." "Der Kontrabass" steht nochmals am 10. September, 19.30 Uhr, auf dem Programm.

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Aufführungstermine des Sommertheaters im Überblick

  • Mittwoch, 5. September: Premiere "Heute Abend: Lola Blau" 19.30 Uhr
  • Donnerstag, 6. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Freitag, 7. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Samstag, 8. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Sonntag, 9. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Montag, 10. September: Derniere "Der Kontrabass" 19.30 Uhr
  • Dienstag, 11. September: "Frauen. Leben. Liebe" 19.30 Uhr
  • Mittwoch, 12. September: Derniere "Heute Abend: Lola Blau" 19.30 Uhr
  • Samstag, 15. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, Derniere "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Sonntag, 16. September: Derniere "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr

Hier gibt es Karten

  • Karten bei der Tourist-Info am Landungsplatz, unter info@ueberlingen-bodensee.de, oder hier im Online-Shop. Karten kosten vor Ort 2 Euro mehr als im Vorverkauf. Spielort ist der Theaterpavillon der Kapuzinerkirche.
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