Der Brand von Notre-Dame legt teils ungestellte Fragen offen. So beriet sich bisher offenbar kein Gremium ernsthaft darüber, ob der Dachstuhl des historischen Münsters von Überlingen mit einer Steigleitung für Brandfälle ausgestattet werden muss, oder ob Brandmeldeanlagen Sinn machen würden. Das wurde nun durch SÜDKURIER-Recherchen deutlich.

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Mindestens seit 14 Jahren kein Thema

Bernd Kuhn vom Stiftungsrat der katholischen Kirchengemeinde Überlingen teilte auf Anfrage mit, dass das Thema in der Zeit, in der er dem Stiftungsrat angehört, seit 14 Jahren, nie besprochen worden sei.

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Welcher Schatz zuerst?

Münstermesner Markus Korn hatte am Dienstag dieser Woche für einen SÜDKURIER-Bericht auf das Erzbischöfliche Bauamt in Konstanz verwiesen. Es sei zuständig sei für alle Vorschriften und den Brandschutz. Auch müsse, wenn der Wunsch dazu besteht, von dort aus ein Notfallplan angeordnet werden, der darüber bestimmt, in welcher Reihenfolge die Kunstgegenstände bei einem Brandfall aus dem Münster getragen werden.

Bauamt widerspricht

Dem widerspricht das Erzbischöfliche Bauamt. Die für Überlingen zuständige Sachgebietsleiterin, Beate Maier, schrieb in einer Mail vom gestrigen Mittwoch: "Im Überlinger Münster liegt die Verantwortlichkeit hierfür nicht beim Erzbischöflichen Bauamt Konstanz, sondern immer in den Händen des Eigentümers, also in diesem Falle bei der römisch-katholischen Kirchengemeinde Überlingen, vertreten durch den gewählten Stiftungsrat."

Der Dachstuhl des Überlinger Nikolausmünsters. Sprenkelanlagen gibt es hier nicht. Das Bild zeigt den Teil, der über dem Chorraum thront.
Der Dachstuhl des Überlinger Nikolausmünsters. Sprenkelanlagen gibt es hier nicht. Das Bild zeigt den Teil, der über dem Chorraum thront. | Bild: Hilser, Stefan

Unterstützung angeboten

Wenn durch den Stiftungsrat beschlossen wird, brandschutztechnische Maßnahmen zu prüfen oder den Brandschutz zu ertüchtigen, dann könne das kirchliche Bauamt hinzugezogen werden. "Bei entsprechender Beauftragung würde die Koordination, Planung und Durchführung in unseren Händen liegen, so wie bereits bei früheren Maßnahmen und der derzeitig laufenden Maßnahme der Chorfenstersanierung." Das biete sich an, weil sie Erfahrungen hätten, auch in der Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde. Doch könne die Pfarrei auch jedes andere Büro beauftragen.

Beate Maier: Gemeinden stoßen an ihre Grenzen

Durch den Brand in Notre Dame sei das Bewusstsein für mögliche Brandgefahren und somit auch für den bestehenden Brandschutz "zu Recht wieder aktuell in den Vordergrund getreten", so Beate Maier. Zugleich weist sie darauf hin, dass es Schwierigkeiten bei der Umsetzung geben könnte. Maier: "Das Erzbischöfliche Ordinariat beobachtet schon seit längerer Zeit, dass die Kirchengemeinden mit ihrer Verantwortung, der Betreiberhaftpflicht, durch die immer größer werdende Flut an Vorschriften und Verwaltungsaufgaben an ihre Grenzen stoßen und diesen Dingen nicht immer ausreichend Rechnung tragen können." Deshalb prüfe das Ordinariat Freiburg seit einiger Zeit, wie den jeweiligen Eigentümern Unterstützung angeboten werden kann.

Der 1616 geschaffene Hochaltar im Nikolausmünster.
Der 1616 geschaffene Hochaltar im Nikolausmünster. | Bild: Hilser, Stefan

Kirchenschatz mit unschätzbarem Wert

Mit Sicherheit der wertvollste sakrale Kunstschatz in der weiteren Region ist der von der Bildhauerfamilie Jörg Zürn 1616 geschaffene Hochaltar im Münster. Er ging als Zustiftung der Stadt Überlingen auf Beschluss des Magistrats der Stadt an die Kirche. Die Stadt verfügte damals über das Patronatsrecht, Eigentümer von Münster und Hochaltar ist die katholische Kirche. Bei Renovierungsarbeiten wird sie regelmäßig vom Münsterbauverein unterstützt, dessen Vorsitzender Bernd Kuhn ist, und mit Mitteln des Landesdenkmalamtes und der Erzdiözse Freiburg.