Die Suche nach Blindgängern vom Bombenangriff im Februar 1945 ist beendet. Eine Bombe wurde auf dem Landesgartenschaugelände nicht entdeckt. Das teilte die Stadtverwaltung am Freitag mit. Das Gelände sei jetzt komplett frei von Altlasten. Über die Höhe der Kosten der Sondierungs- und Tiefbauarbeiten könne die Stadt derzeit noch keine Angabe machen. Die Stadt kündigte an, die Kosten nachzureichen, sobald sie ermittelt sind.

Nach Ende der Sondierungsarbeiten finden auf dem Gelände zur Zeit nur noch Erdarbeiten statt. Eine Evakuierung, die die Bevölkerung seit sieben Monaten im potenziellen Sperrgebiet in Alarmbereitschaft gehalten hatte, war zu keiner Zeit nötig. Begonnen hatte die Suche nach nicht detonierten Fliegerbomben am 14. September 2015, ursprünglich war sie für Juli geplant, wurde dann aber verschoben, weil im Evakuierungsfall in den Sommerferien nicht genügend Personal zur Verfügung gestanden hätte, so die offizielle Lesart der Stadt.

Die Stadt hatte sich auf den Evakuierungsfall vorbereitet und einen Stab für außergewöhnliche Ereignisse mit klaren Zuständigkeiten neu gebildet. Im Evakuierungsfall hätte die Stadt die Unterstützung von 160 städtischen Mitarbeitern benötigt, die zum Beispiel an den Absperrungen an Zufahrten und bei der Betreuung der Evakuierten in den Unterkünften hätten mithelfen müssen.

Auf dem künftigen Landesgartenschaugelände habe die beauftragte Tiefbaufirma insgesamt acht Bombentrichter gefunden. Die Bodenschicht sei in einer Tiefe von einem halben Meter bis zu 3,50 Metern abgetragen worden. Ein Feuerwerker der Firma KaMiSo Kampfmittel-Sondierung Süddeutschland GmbH sei bei den Sondierungsarbeiten die ganze Zeit über vor Ort gewesen.

Neben den Bombentrichtern seien auf dem seenahen Areal an der Bahnhofstraße Altlasten, darunter mit Altöl und Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verunreinigtes Erdreich sowie ein alter Öltank mit Ölresten gefunden und entsorgt worden, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Altlasten stammten aus der Zeit der Nutzung des Geländes durch die Deutsche Bundesbahn sowie von einer Tankstelle, die sich in der Vergangenheit auf dem Areal befunden hatte. Die Stadt hätte auf dem Gelände – unabhängig von der späteren Nutzung – die Altlasten in jedem Fall zunächst entsorgen lassen müssen.

„Die Spannung ist jetzt zum Glück raus“, sagte Bürgermeister Matthias Längin. „Wir sind alle froh, dass wir den Evakuierungsfall nicht erleben mussten.“ Er sehe die Aktion positiv, „da wir für ähnliche und spontane Fälle in der Verwaltung nun gut vorbereitet sind“. Die Abläufe passten nun in ein Schema, „das fortan aus dem Stand heraus gut funktionieren sollte“.

Anlass zur Suche bestand für die Stadt, weil Luftaufnahmen vom Bombardement der Alliierten am 22. Februar 1945 den Schluss nahe legten, dass mehrere der abgeworfenen Bomben nicht detonierten. Längin: „Wir wissen von den Beschickungslisten der Bomber, wir wissen, wie viele Bomben abgeworfen wurden, wie viele detoniert sind wie viele zurück in den Stützpunkt kamen – daraus ergab sich eine Differenz von sechs Bomben und die theoretische Vermutung, dass sie noch irgendwo liegen könnten. Doch hat sich das zum Glück nicht bewahrheitet.“ Die Bombentrichter seien in der geologischen Untersuchung bis heute erkennbar gewesen, ergänzt Längin, teilweise seien Metallteile der detonierten Bomben gefunden worden.

Warum nun aber doch keine Blindgänger gefunden wurde, könne zwei Ursachen haben: Entweder habe sich bei der Beschickung der Kampfflugzeuge jemand verzählt, „das glaube ich aber nicht“, sagte Längin. Oder es wurden Bomben in den See geworfen. Dass Blindgänger in früheren Jahrzehnten bereits entschärft und weggeräumt wurden, sei nahezu auszuschließen. „Wir haben eine dichte Dokumentationsfülle, viele Unterlagen, die wir im Vorfeld gesichtet haben.“

Darüber, wie viel Kubikmeter Erde in den vergangenen Monaten bewegt worden sind, und wie viele Tonnen verunreinigte Erde abtransportiert worden ist, gebe es aktuell nur einen Zwischenstand. Endgültig Bilanz ziehen werde die Abteilung Tiefbau, sobald alle Arbeiten beendet sind.

Sobald die Arbeiten auf dem Gelände abgeschlossen sind und die ebene Fläche wieder komplett hergestellt ist, könne auch die SWÜ ihren Parkplatz, den vor allem Besucher der Bodensee-Therme und des Westbads nutzen, temporär wieder herstellen. Die SWÜ werde den Parkplatz wieder bewirtschaften. Derzeit sei das Parken auf dem provisorischen Parkplatz noch kostenlos. In Zukunft sollen Thermenbesucher ihre Autos dann im geplanten Parkhaus Therme parken.

Oberbürgermeisterin Sabine Becker erklärte nach Abschluss der Bombensuche, sie bedanke sich im Namen der Stadt für das Verständnis Bürger, die in der Umgebung des Geländes wohnen und deren Alltag durch die Bombensuche beeinträchtigt war. Die Bewohner der so genannten Sicherheitszone hatten während der Sondierungsarbeiten mit dem Evakuierungsfall rechnen müssen. Am dem von der Stadt eingerichteten Bürgertelefon seien regelmäßig jeweils zwischen 10 und 15 Anrufe eingegangen. Weiter heißt es im Pressetext der Stadtverwaltung: „Ausdrücklich bedankt sich die Oberbürgermeisterin auch bei allen städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Für den Fall der Evakuierung waren ihnen besondere Aufgaben übertragen worden und sie hatten während der Sondierungsarbeiten längere Präsenzzeiten im Rathaus und zum Beispiel auch verkürzte Mittagspausen. Das ging weit über die reguläre Arbeit und normale Arbeitszeiten hinaus“, wird Sabine Becker zitiert. Weiter spreche sie ihren Dank an die Freiwillige Feuerwehr und Hilfsorganisationen aus, die sich mit der Stadt auf eine Evakuierung vorbereitet hatten und die Stadtverwaltung ebenfalls unterstützen.

 

Chronik einer Bombensuche

Ende Mai 2015: Die Bürger erhalten einen ersten Brief von der Stadtverwaltung, in dem sie von der Bombensuche informiert werden.

16. Juli: Die Stadtverwaltung teilt mit, dass die Suche wegen der Ferien auf den Zeitraum nach dem 14. September verlegt wird.

14. September: Die Vorarbeiten auf dem Gelände beginnen.

24. September: Auf dem Parkplatz der Therme Überlingen werden die ersten 40 von 70 Pappeln gefällt.

1. Oktober: Die Stadt erklärt, dass „Kritische Arbeiten bei der Sondierung ab 6. Oktober“ stattfinden.

20. Oktober: Weil die abgetragenen Erdmassen zunächst beseitigt und umgeschichtet werden müssen, wird mit der Sondierung pausiert.

21. Dezember bis 10. Januar 2016: Die Bombensuche muss erneut pausieren, weil die Stadtverwaltung während der Weihnachtsferien schwach besetzt ist.

18. Januar: Aufgrund von Bodenfrost sind für mehrere Tage keine Sondierungsarbeiten möglich.

11. März: Die Stadtverwaltung erklärt die Sucharbeiten für beendet.