Was bringt die Zukunft: eine Dreierspitze im Rathaus, besetzt mit Holoch-Wiebern, unterirdische Geldkanäle, russische Investoren in Kogebach, und die flotte Frauenkaffee-Band „Cellolitis“ peppt künftig alle öffentlichen Anlässe wie Spatenstiche auf? „Meglich isch alles“, meinen jedenfalls die Akteurinnen des Frauenkaffees, und das beweisen sie auf der Bühne: stark gespielte Stückle, gespickt mit Pointen, tolle Tänze, rassige Rhythmen. Die Damen liefern ein rund dreistündiges Programm ausschließlich mit Höhen ab – wenn man von den Tiefbauarbeiten auf der Hofstatt einmal absieht, mit denen die Damen Magda, Margot und Margarethe (Natascha Kramar-Sauer, Michaela Zscherp und Doro Mittelmeier) beschäftigt sind.

Doch noch bevor diese loslegen, würden zwei andere Frauen am liebsten in einem Erdloch versinken: Frauenkaffee-Leiterin Anne Mandausch und die schnell schwätzende Frau Maier-Bödefeld (Elke Wigger) prallen in gleichen Outfits aufeinander. Ein weiblicher Alptraum. Sollte es Mandausch dieses Jahr wegen der kurzen Fasnet nicht gelungen sein, sich ein neues Outfit zu nähen? Doch Entwarnung: Beide haben noch andere Kleider dabei, und in einem exklusiven, selbst geschneiderten Kostüm begrüßt Mandausch kurz darauf die Gäste, Prominenz inklusive. Wenn gleiche Gewänder aber gezielt gehäuft auftreten, sind sie ein Augenschmaus. Das zeigen die Tänzerinnen, die zum Auftakt in knalligen Seventies-Overalls zu Abba-Hits über die Bretter wirbeln.

„Money, money, money“ sang Abba einst, und um Geld dreht sich auch alles bei den drei Damen vom Bautrupp: Weil ein erfolgreicher Gastronom seine Moneten nicht mehr per Schubkarre zur Bank bringen will, bauen sie für ihn einen unterirdischen Geldkanal – allerdings legen die Lokalpatriotinnen heimlich eine Abzweigung ins Rathaus, wo ein Teil der „Cappuccino-Kohle“ das schlappe Stadtsäckel stärken soll.

Sensationellere Schlagzeilen als die Finanzmisere liefert aber die Bombensuche auf dem künftigen Gartenschaugelände: „Sommer des Grauens – Blindgänger beherrschen Überlingen“ schlägt Franzi (Heidrun Dett) dem eigens angereisten SWR vor. Dessen tuntiger Reporter (Angelika Müller-Morath) interviewt Franzi und ihre „Lake-Stampfer“ beim Kneippen, will aber auch die OB erreichen. „Kein Problem“, schallt ihm entgegen: „Bei Film und Foto springt die sofort.“

Bei Maria Kibele (Anne Mandausch) hingegen dreht sich ebenfalls alles um den Mammon, besser gesagt um ihre angesparten „Hennen-Euro“, die sie mit Hilfe eines russischen Investors (Marga Lenski) anlegen will. Der „Jossefff“ ist dieses Jahr verhindert, weil er die brütenden Hennen in Kogebach hüten muss, doch Sohn Günther (Beate Braun) will Maria bei der Schaffung ihres Hennen-Imperiums helfen, resigniert aber, als er das Eiergeld-Startkapital zählt: ganze 122,84 Euro.

Große, geheime Pläne hegen auch die Holoch-Wieber, die deshalb von einem Volkshochschulkurs zum anderen hüpfen: von Zumba über kreatives Schreiben bis Origami. Zwar muss sich die Fefe (Maria Kaufmann) schnippisch fragen lassen, ob sie „Hausschuhe selbst gefilzt“ belege, doch dann stellt sich heraus, dass die arrogante Blondine (Beate Braun), Fefe und Hermine (Andrea Frey) dieselbe Karriere anstreben: OB werden! Fefe findet die Lösung: „Eine Dreier-Spitze – und s'Holoch regiert Überlinge.“ Doch später stellt sich heraus, dass auch Frau Maier-Bödefeld Ambitionen hat. Zu deren Wahlprogramm gehört, den „Dialekt im Lehrplan zu verankern.“

Diesen Wunsch äußert auch der überzeugte Überlinger Harry (Heidrun Dett) in Bezug auf seine Tochter (Monika Madlener). Pech, dass er dem „saublede“ Vater sogleich erfüllt wird, denn somit hat Harry bei der guten Fee, die ihm drei Wünsche gewährte, nur noch zwei frei. Die verdummbeutelt er auch, lernt aber dabei, auf seine Mädels zu hören, die gerne mal Ferien außerhalb Überlingens verbrächten. Geht doch: „Drei Wochen Wellness-Urlaub – in Meersburg.“ Wo das Wünschen nichts hilft, kann man nur noch plärren. Das macht der Manfred (Marianne Schappeler) ausgiebig in aller Öffentlichkeit. Warum? Weil das Narrenkonzert ausfällt! Dabei hätte es so tolle Themen gegeben, bestätigen seine Kumpel: OB-Wahl, Bombensuche und sogar „e näckige OB uff em Segelboot“.

 

Frauenkaffee

Spielerinnen: Beate Braun, Heidrun Dett, Andrea Frey, Monika Hölzl, Maria Kaufmann, Natascha Kramar-Sauer, Anne Krezdorn, Marga Lenski, Monika Madlener, Anne Mandausch, Doro Mittelmeier, Angelika Morath-Müller, Clara Myrczik, Martina Porst, Marianne Schappeler, Ingrid Wiemer, Elke Wigger, Alexa Wohlt, Michaela Zscherp

Texte: Beate Braun, Heidrun Dett, Natascha Kramar-Sauer, Marga Lenski, Anne Mandausch, Doro Mittelmeier, Elke Wigger, Michaela Zscherp

Choreografie: Ute Schröder

Tänzerinnen: Conny Auwärter, Maike Bader, Anna-Lena Baumann, Carola Döring, Luisa Lenski, Doro Mittelmeier, Ute Schröder, Marie Seyfried und Susanne Schubert

Kulissen: Fridolin Mandausch

Hinter den Kulissen: Magda Beising, Gabi Regenscheit, Andrea Frey, Clara Myrczik, Gerti Herr, Heiko Grebing, Günter Pfoser, Hans-Peter Müller

Musik: „Cellolitis“, Susanne Madlener und Elisabeth Moser (Leitung), Viola Domeyer, Sarah Görlach, Katharina Müller, Julia Wehrle

Gesamtleitung: Anne Mandausch

Veranstalterinnen: die katholischen Frauenverbände Frauenbund und Frauengemeinschaft

Spenden: Der Reinerlös wird wie immer sozialen Einrichtungen gespendet. Dieses Jahr gehen Spenden an das Kinderheim Georgenhof in Bambergen, das Kinderhaus Bodensee und den Verein Target, der gegen weibliche Genitalverstümmelung kämpft. (flo)