Emsiges Summen erfüllt den lauen Sommerabend. Hummeln, Bienen und Falter fliegen im blühenden Feld oberhalb von Bambergen umher. Was auf den ersten Blick an eine Urzeitwiese aus dem Bilderbuch erinnert, ist bewusst gesäte Zwischenfrucht mit hohem Blütenbestand und Teil eines Projekts.

„Wir machen, dass es summt und brummt“, lautet der Slogan der landesweiten Imagekampagne des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV). In Kooperation mit der ZG Raiffeisen setzen sich die Ortverbände aktiv für eine blühende und vielfältige Landschaft ein. Ob beim Anlegen von Blühstreifen an Feldrändern und Brachen, blühenden Kulturpflanzen und Zwischenfrucht oder mit artenreichem Grünland – auf insgesamt 80 000 Hektar Blühfläche in Baden-Württemberg bezeugen die Landwirte ihr Interesse am Erhalt der Biodiversität.

Ob Blühstreifen an Feldrand oder auf der Obstanlage, Zwischenfrüchte, artenreiches Grünland, Hecken oder blühende Kulturpflanzen: Flächendeckend soll ein Netzwerk erreicht werden, das den langfristigen Bestand von artenreichen Insekten fördert.
Ob Blühstreifen an Feldrand oder auf der Obstanlage, Zwischenfrüchte, artenreiches Grünland, Hecken oder blühende Kulturpflanzen: Flächendeckend soll ein Netzwerk erreicht werden, das den langfristigen Bestand von artenreichen Insekten fördert. | Bild: Rebecca Rexroth

„Besonders mit dieser freiwilligen Aktion wollen wir auf unser Engagement zur Förderung von Artenvielfalt und Nachhaltigkeit aufmerksam machen“, sagt Landwirt Karl-Heinz Mayer von den Owinger Burghöfen. Oft stehe konventionelle Landwirtschaft im Verruf, durch fruchtfolgenlose Monokulturen, übermäßigen Pestizideinsatz und achtlose Ökonomie die letzten Insekten auszurotten, die Umwelt zu verseuchen und auszubeuten. „Wir stehen der Schöpfung gegenüber in der Pflicht, diese würdig zu wahren und unsere Kulturflächen künftigen Generationen zu erhalten“, bezieht Mayer entschieden Stellung. „Es liegt doch allen voran im Interesse der Landwirte, das Insektensterben aufzuhalten“, betont auch Hubert Rauch, Inhaber des gleichnamigen Deisendorfer Obstbaubetriebs und Vorsitzender des BLHV-Ortsverbands Überlingen-Owingen-Sipplingen.

Bestäubung der Pflanzen und Bäume

Insekten übernehmen die Bestäubung der Pflanzen und Bäume, ohne sie gäbe es viele Lebensmittel nicht. Die Grundproblematik sehen die Landwirte darum nicht vordergründig in der Landwirtschaft, die sie diesbezüglich zu reformieren suchen, sondern in der Urbanisierung: „Jeden Tag macht flächenmäßig ein Hof in Deutschland zu“, verdeutlicht Thomas Bacher vom Pferdehof Bacher in Bambergen die Verstädterungsproblematik, „in 100 Jahren wird es keine unbebauten Flächen mehr geben“. Pflegeleichte Rollrasen, täglich gestutzter Rasen in Stadtparks, riesige Sportanlagen – warum also allein die Landwirte zur Verantwortung ziehen? „Jeder steht in der Pflicht, etwas zu tun“, sind sich die Landwirte einig.

Bienen, Hummeln, Falter und andere Insekten freuen sich über das Angebot an blühenden Pflanzen.
Bienen, Hummeln, Falter und andere Insekten freuen sich über das Angebot an blühenden Pflanzen. | Bild: Rebecca Rexroth

„Oft wissen die Leute gar nicht Bescheid“, kritisiert Willi Hahn, der einen Betrieb mit Pferden und Milchvieh in Bambergen hat. "Wenn man das Gespräch sucht, stößt man auf offene Ohren.“ Mit einem „öffentlichen Standbein“, wie Thomas Bacher beispielsweise seine Kooperation mit der Bäckerei Diener oder die Ferienwohnungen und Hofläden vieler Höfe umschreibt, ziele die Landwirtschaft ja gerade auf Transparenz: „Aufklärung ist extrem wichtig, niemand darf kritisieren, nur weil die Medien etwas bestimmtes vermitteln.“ Viele erschräken, wenn das Bild vom gummistiefeligen Bauern mit Sense, krähendem Hahn und Milchkanne in Wahrheit anders aussehe. Dass eine Weltbevölkerung mit vier Millionen Menschen so vielleicht zu ernähren wäre, die heutige aber nicht, das werde allzu gerne übersehen. Natürlich stehe die Landwirtschaft im Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie, sie aber als alleinigen Sündenbock abzustempeln, das sei zu kurz gedacht, sind sich die vier Landwirte einig. „Die Natur liegt uns am Herzen, doch man muss uns den Raum dazu auch zugestehen.“ Ein Lächeln huscht über abgearbeitete Gesichter, als ein Bienenschwarm die Kornblumen des Blühstreifens passiert.

Mit der Aktion des BLHV verbunden wird in Baden-Württemberg ein insgesammt 20 Meter breiter und 150 Kilometer langer Blühstreifen angelegt. Schilder am Wegesrand klären über die Aktion und die Anliegen der Landwirte auf, und sollen die Gesellschaft durch weitere Informationen in den Sozialen Netzwerken zum aktiven Umdenken und Handeln animieren.
Mit der Aktion des BLHV verbunden wird in Baden-Württemberg ein insgesammt 20 Meter breiter und 150 Kilometer langer Blühstreifen angelegt. Schilder am Wegesrand klären über die Aktion und die Anliegen der Landwirte auf, und sollen die Gesellschaft durch weitere Informationen in den Sozialen Netzwerken zum aktiven Umdenken und Handeln animieren. | Bild: Rebecca Rexroth