Das kann ja heiter werden. Da begießt Adjutant Thomas die Sektglaspyramide, während Birgit und Oliver Nolte sich zu Janis Joplins rauem „Summertime“ lustvoll in Trance wiegen – Jedermann und seine Muse. Doch das ewige Licht brennt schon unter den glitzerenden Lamettavorhängen und der Überlebenskampf beginnt. Das Stück changiert zwischen Rausch und Ernüchterung und die beiden beziehen das Publikum gleich zu Beginn mit Sekt als Festgemeinde mit ein. Am Ende ist diese vor allem vom fulminanten Spiel auf der kleinen Bühne hell begeistert.

Noltes spielen den Jedermann im Wechsel

Wer spielt dieses Jahr den Jedermann? Diese Frage beschäftigt Jahr für Jahr Salzburg. Bei Birgit und Oliver Nolte spielen gleich beide im Wechsel den leidenden Lebemann, der vor Gott bestehen und gegen den Teufel standhalten muss. Gleichzeitig schlüpfen sie elegant in die Vielzahl anderer Rollen. Voller Saft und Kraft kommen sie daher, der Mammon und die Buhlschaft lassen sich gern ein mit Jedermann.

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„Da seht ihr einen reichen Mann, sein Herz weiß nichts von Gott‘s Gebot, hat tausend Schuldbrief in seinem Schrein, lässt uns Arme in Not und Pein“, klagt ein Schuldknecht: „Des Teufels Fangnetz auf der Welt hat keinen ander‘n Nam als Geld.“ Doch Jedermann kontert: „Nimm die Belehrung von mir an, das war ein weiser und hoher Mann, der uns das Geld ersonnen hat, an niederen Tauschens und Kramens statt.“

Immer wieder kleine aktuelle Einlagen

Da rezitieren sie die eindringlichen Verse Hofmannsthals und flehen mit Janis Joplin: „Oh Lord, won‘t you buy me a Mercedes-Benz.“ Auch sonst gibt es kleine aktuelle Einlagen. „Ich gebe Ehr‘, wem Ehr‘ gebühr, und läster nicht, wo ich die Macht verspür“, beschreibt Jedermann (Birgit Nolte) einen Grundsatz. Als Schuldknecht murmelt ihn Oliver Nolte vor sich hin und legt nach: „Ein echter Dobrindt.“

Am Ende siegt der Glaube

Vergeblich versucht die Mutter, ihn auf den rechten Weg zu bringen. Doch die guten Werke liegen am Boden. Listig blitzen Oliver Noltes Augen, als er sein teuflisches Werk zu vollenden versucht. Doch vergeblich: Der Glaube siegt und rettet die Seele Jedermanns.

Weitere Aufführungen am 19., 24., 25. und 26. Oktober 2019.