Einen Bachelor in Überlinger Regionalgeschichte könnte sich sicher ans Revers heften, wer das ebenso umfangreiche wie vielfältige Bildungsprogramm komplett absolviert, das Kulturchef Michael Brunner und Stadtarchivar Walter Liehner auf die Beine gestellt haben. Insgesamt werden es 30 Veranstaltungen sein, die die zwölf Monate des Jubiläumsjahres zum 1250-jährigen Bestehen der Stadt bereichern. Respektive ihrer ersten bekannten urkundlichen Erwähnung, deren Jahreszahl mittlerweile von den Experten etwas anders interpretiert und auf drei Jahre später datiert worden ist.

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Nach munterer Diskussion, ob man der seit zehn Jahren angebahnten Vorfreude großzügig Raum gibt, oder ob man der reinen Lehre und dem neuesten Stand der Geschichtswissenschaft folgen und einen Aufschub aushalten müsste, entschieden sich die Verantwortlichen für ein beherztes „Sowohl als auch“. Schließlich war das anstehende Stadtjubiläum vor zehn Jahren gewichtiges Argument bei der Bewerbung um die Landesgartenschau gewesen.

Im historischen Überlinger Ratssaal stellten sie das Programm zum 1250. Stadtjubiläum vor (von links): Tourismuschef Jürgen Jankowiak, Sebastian Dix vom Stadtwerk am See, Oberbürgermeister Jan Zeitler und Kulturamtsleiter Michael Brunner. Bild: Sylvia Floetemeyer
Im historischen Überlinger Ratssaal stellten sie das Programm zum 1250. Stadtjubiläum vor (von links): Tourismuschef Jürgen Jankowiak, Sebastian Dix vom Stadtwerk am See, Oberbürgermeister Jan Zeitler und Kulturamtsleiter Michael Brunner. | Bild: Sylvia Floetemeyer

So erwartet die Überlinger Bürger und deren Gäste im Jahr 2020 nicht weniger als eine „Stadtgeschichte in 30 Vorträgen“, die die Entstehung und Entwicklung der Kommune in ebenso facettenreichen wie intensiven Schlaglichtern beleuchten wird. Ja, als Kompendium zusammengefasst soll daraus im Anschluss eine attraktive Alternative zu einer systematischen Chronik entstehen, wie sie bei derlei Anlässen von klugen Köpfen verfasst wird, um anschließend das heimische Bücherregal zu zieren. Hier sind es eine Vielzahl namhafter Experten ihrer Fachgebiete, die spannende Aspekte prägender Epochen der Stadt untersucht und mit ihren Vorträgen eingefangen haben. Damit nehmen sie die Zuhörer und späteren Leser mit auf eine Zeitreise vom frühen Mittelalter bis in die heutige Zeit.

Blick auf die Zeit Karl des Großen

Es beginnt schon im Januar mit einer dichten Sequenz an Vorträgen, die während der Gartenschaumonate etwas luftiger verteilt sind und ab Oktober bis zum Jahresende einen Höhepunkt erreicht. In der Regel finden sie stets donnerstags entweder im Museumssaal oder im Rathaussaal statt. Einige Ausnahmen dazu gibt es, aus sachlichen Gründen – sei es bei den Besichtigungen des Archivs oder einer Exkursion zur Überlinger Exklave auf dem Ramsberg.

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Den Auftakt macht aus chronologischen Gründen der Blick auf die Zeit Karl des Großen, in dessen Vorzeit die erste Erwähnung eines Ortes mit dem Namen ‚Iburinga‘ fällt. Da die Datumsangabe in dieser Urkunde erst vor wenigen Jahren neu interpretiert worden war und zu kontroversen Diskussionen führte, wird hier gleich das gesamte weite Feld des (vermeintlichen) Jubiläumsjahres dramaturgisch ausgebreitet, wenn der Historiker Peter Erhart am 16. Januar die Hintergründe des hier dokumentierten Rechtsgeschäftes beleuchtet.

Vortrag zum Thema Viererbund

Dann geht es auch gleich in die Vollen. Denn zum Auftakt des Narrentags wird der Fastnachtsexperte Professor Werner Mezger die Historie des Viererbunds der Zünfte aus Elzach, Oberndorf, Rottweil und Überlingen, und damit eine der wichtigsten Traditionen der Stadt, nachzeichnen. Da dieser Vortrag zugleich die Ausstellung in der Städtischen Galerie ‚Fauler Pelz‘ und das 20. Viererbundtreffen eröffnet, ist er am Freitag, 24. Januar, in der Galerie selbst geplant. Mit Vorstellung der mittelalterlichen Reichsmünzstätte aus staufischer Zeit, an die heute noch der Name Pfennigturm erinnert, wird im Anschluss an den Vortrag von Professor Harald Derschka am 6. Februar das erste Exemplar einer Gedenkmedaille zum Jubiläumsjahr an Oberbürgermeister Jan Zeitler überreicht.

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Stadtarchivar Walter Liehner wird Einblicke in die Akten des Stadtarchivs geben, Kulturabteilungsleiter Michael Brunner den Hochaltar von Jörg Zürn im Nikolausmünster erklären. Wer schon immer mal die von Jakob Russ geschnitzten Honoratioren im Rathaussaal aus dem Jahr 1494 kennenlernen wollte, hat am 19. März Gelegenheit dazu. So geht es Schlag auf Schlag: Zu den Themen gehören unter anderem Hexenprozesse in Überlingen und die geheimnisvollen Heidenhöhlen, die Legende um Herzog Gunzo und die Geschichte des Schwerttanzes, aber auch die Konflikte im 30-jährigen Krieg und die von den Nationalsozialisten dominierte Stadt ab 1933.

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Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei. In der Regel können die Vorträge ohne Voranmeldung besucht werden – auf Ausnahmen weist der Veranstalter hin. Allerdings ist die Platzzahl sowohl im Museumssaal, als auch im Ratssaal, begrenzt.