Überlingen – "Schule ist die Antwort darauf, was man tun muss, wenn man in Ländern wie diesen nachhaltig sein will", bringt es Michael Schnurr auf den Punkt. Unzählige Male schon ist der SÜDKURIER-Mitarbeiter und Buchautor in Namibia gewesen, nun hat er sein zweites Buch – oder eher eine Art Magazin – über eben eine solche namibische Schule herausgebracht – anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Bildungseinrichtung. Unter dem Titel "Otjikondo. Another Step on the Journey" erzählt Schnurr in 24 Erfolgsgeschichten die Biografien ehemaliger und aktueller Schüler. "Das sind alles Leute, die aus dem Busch kommen", verdeutlicht Michael Schnurr. Was aus den Absolventen wird, ist breit gefächert. Michael Schnurr hat sowohl eine Verkäuferin als auch eine Frau porträtiert, die in Oxford derzeit ihre Doktorarbeit schreibt.

Schon 2010 hatte er in seinem Buch "Aufbruch nach Namibia" über die beiden Gründer der Schule, Reiner und Gillian Stommel, geschrieben. "Es ist die Geschichte einer Engländerin aus dem Adel und eines deutschen Ordensbruders, die sich ineinander verlieben, alles hinter sich lassen und in Namibia ein Schuldorf gründen – Otjikondo", erklärt er. Diese Schulgründung ist 25 Jahre her und anlässlich des Jubiläums bringt der in Sipplingen lebende Journalist nun dieses Heft heraus. Die Privatschule betreut Schüler der ersten bis siebten Klasse und wird komplett über Spenden aus Deutschland und England finanziert, die Lehrer werden vom Staat bezahlt.

Michael Schnurr bei der Arbeit für sein Buch in Namibia. <sup></sup>Bild: Privat
Michael Schnurr bei der Arbeit für sein Buch in Namibia. Bild: Privat | Bild: Michael Schnurr

"Die Gründerin Gillian Stommel hat das schulische Leben nach dem Vorbild englischer Eliteinternate an namibische Verhältnisse angepasst. Die Kirche hat eine christliche Basis, ist aber nicht missionarisch", sagt Schnurr. In der Schule aufgenommen zu werden, ist der Traum Vieler – aber nicht für jeden wird er wahr. "Die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert gut, die Schule hat einen hervorragenden Ruf und wurde mehrfach ausgezeichnet. Etwa ein Viertel der Schüler wird genommen", erzählt Schnurr.

Wie er zu dem Projekt kam? Schnurr hatte bereits ein Buch über Namibia geschrieben, als er 2009 den Anruf eines deutschen Geschäftsmanns erhielt, der ihm ans Herz legte, ein Buch über die Schule zu schreiben. Schnurr befasste sich mit dem Thema – und war begeistert. "Ich habe das Buch zum 20-jährigen Bestehen im April 2011 vorgestellt. Nach Veröffentlichung des Buchs erhielt Rainer Stommel für seine Lebensleistung das Bundesverdienstkreuz. Gillian Stommel war schon zuvor von der Queen mit einem Orden ausgezeichnet worden."

Mit Namibia beschäftigt Michael Schnurr sich, seit er 1994 im Auftrag von MDR und WDR dort hinflog, um Filme zu drehen. Seither fuhr er immer wieder hin. Über 40 Mal war er inzwischen dort. "Mich reizen die Weite des Landes, die Ruhe des Landes und die Menschen", erklärt er. "Namibia ist die Afrika-Light-Version und gilt als eines der stabilsten afrikanischen Länder." Das Jubiläumsheft hat Schnurr honorarfrei geschrieben, Druckkosten und Flug wurden durch eine Spendenaktion finanziert, die er ins Leben rief. Der Erlös des Werks (5 Euro je Heft) fließt zu 100 Prozent nach Otjikondo.

Person und Buch

  • Michael Schnurr volontierte beim Westfalen-Blatt in Bielefeld und arbeitete anschließend als Polizeireporter bei der Neuen Westfälischen. In den 90er Jahren arbeitete unter anderem für "Die Zeit" und diverse Fernsehsender, darunter WDR, MDR, Deutsche Welle TV und Süddeutsche TV und leitete die Redaktion seiner eigenen Film- und Fernsehproduktions-Gesellschaft. Ab 2000 leitete er zunächst das Ressort multimediale Präsentationen der Medienfabrik der Bertelsmann AG in Gütersloh und arbeitete anschließend freiberuflich unter anderem für die Bertelsmann AG und die Helmholtz Gemeinschaft in Berlin. Seit 2007 übernahm Schnurr für den SÜDKURIER zunächst am Hochrhein und heute am Bodensee Redaktionsvertretungen.
  • Das Buch "Aufbruch nach Namibia" ist überall im Buchhandel erhältlich. Das Heft "Otjikondo" gibt es in der "Buchlandung" und per Mail unter michael.schnurr@produktionsbuero-com.