Überlingen Das Defizit, das die Stadt mit der Förderung des Sommertheaters 2018 einfuhr, beläuft sich auf 111 000 Euro. So zumindest stellte es Kulturamtsleiter Michael Brunner im Kulturausschuss des Gemeinderats vor. Alleine der finanzielle Aufwand für die Spielstätte belaufe sich auf 60 000 Euro. Die Gesamtausgaben hätten 210 000 Euro betragen. Diese Zahlen waren für die Stadtverwaltung ein Hauptargument, in diesem Jahr kein Sommertheater anzubieten, der Zuschussbedarf sei zu hoch.

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Mit Spielstätte muss der vor der Kapuzinerkirche aufgebaute Glaspavillon gemeint sein. Organisiert hatte ihn Eventmanager Reinhard Weigelt, weil die städtische Kapuzinerkirche wegen Einsturzgefahr nicht benutzbar ist.

Weigelt verwundert

60 000 Euro – für was? Diese Frage stellt nun Reinhard Weigelt, seines Zeichens nicht nur Eventmanager und Veranstalter der Reihe "Kultur am Kapuziner", sondern auch Mitglied der FDP im Gemeinderat. In besagter Sitzung des Kulturausschusses hatte er zwar gesessen und die von Brunner genannten Zahlen vernommen, doch durfte er sie nicht kommentieren, er hatte sich in der Sitzung für befangen erklärt. Als die Zahlen dann aber am Freitag im SÜDKURIER standen, meldete sich Weigelt gleich zu Wort und kommentierte das Zahlenwerk des Kulturamtsleiters. Weigelt: "Ich habe die Abrechnung nicht verstanden."

Auf Weigelts Bestellung

Man muss wissen, dass Weigelt in seiner Rolle als Veranstalter von "Kultur am Kapuziner" den Glaspavillon bestellte und aufbauen ließ und dann fürs Überlinger Sommertheater weitervermietete. Laut seiner Darstellung stellte er hierfür 18 000 Euro plus Mehrwertsteuer in Rechnung. Hinzu kämen 1590 Euro für die Mitbenutzung der Umkleidezelte, des Toilettenwagens, der Lagerzelte und des Gastrozeltes, die auf seine Rechnung im Badgarten beim Kapuziner aufgestellt worden seien.

Wer hat wem zu danken?

Die 1590 Euro netto bezeichnet er als einen "symbolischen Preis" und kommentiert, dass nicht er der Stadt dankbar sein müsse dafür, dass er "Kultur am Kapuziner" veranstalten konnte. Vielmehr hätte er seine Veranstaltungsreihe in jedem Fall organisiert und die Stadt, bzw. das Sommertheater, habe davon profitiert, dass er den Glaspavillon günstig untervermietete.

Nach dem Aufbau des Kulturpavillons aus Glas im Badgarten: Die Initiatoren Reinhard A. Weigelt (links) und Simeon Blaesi.
Nach dem Aufbau des Kulturpavillons aus Glas im Badgarten: Die Initiatoren Reinhard A. Weigelt (links) und Simeon Blaesi. | Bild: Hilser, Stefan

Übrigens handelt es sich bei dem Preis um ziemlich genau jenen Betrag, den der Gemeinderat zuvor als Maximum genehmigt hatte, allerdings hätte es dafür nur ein viel einfacheres Polygonzelt gegeben, wie Weigelt sagt. Über den Betrag von insgesamt 19 590 Euro hinaus habe er keine Rechnung gestellt. Wie Brunner also zu der Aussage kommt, dass die Spielstätte 60 000 Euro gekostet habe, wundert Weigelt.

Die Stadtverwaltung ist noch darum bemüht, Licht ins Dunkel um die Abrechnung zum Sommertheater 2018 zu bringen. Das Bild zeigt den Glaspavillon, der für die Stadt 18 000 Euro Miete kostete, aber Gesamtausgaben von rund 60 000 Euro verursacht habe.
Die Stadtverwaltung ist noch darum bemüht, Licht ins Dunkel um die Abrechnung zum Sommertheater 2018 zu bringen. Das Bild zeigt den Glaspavillon, der für die Stadt 18 000 Euro Miete kostete, aber Gesamtausgaben von rund 60 000 Euro verursacht habe. | Bild: Hilser, Stefan

Transparenz ist gefragt

Die Gesamtkosten für das Sommertheater beliefen sich, so die Darstellung im Kulturausschuss, auf 210 000 Euro. Wir fragten bei der Stadtverwaltung nach, aus welchen Einzelposten sich diese Summe bildet und wie die 60 000 Euro für die Spielstätten errechnet wurden. Mit Verweis darauf, dass bei der zuständigen Stelle derzeit keine Auskünfte zu erhalten seien, bat die Pressestelle der Stadt um Geduld. Wir werden die Antworten an dieser Stelle also nachreichen. Wobei sie schon heute von Relevanz gewesen wären, da sich der Förderverein Sommertheater am Donnerstag (24. Januar) zu seiner Hauptversammlung trifft. Auf der Tagesordnung steht das Thema: Bilanz zum Sommertheater 2018.

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