"Stimmt es, dass man bei Ihnen die Ankleidungszeiten stoppt?", fragt Noel Lodemann (13) etwas zaghaft. Vor ihm steht Stabsfeldwebel Markus Röwer, der für seine Dienstherrin, die Bundeswehr, "Berufe am See" vorstellt. Die gleichnamige Messe findet einmal jährlich im Kursaal Überlingen statt, der an diesem Tag gut gefüllt ist mit den Ständen vieler Überlinger Aussteller.

Um den Messerundgang nachhaltig zu gestalten, bekommen die Besucher von der Veranstalterin, der Bundesagentur für Arbeit, einen Erkundungsbogen. Auf diesem sind viele Fragen zum angestrebten Berufsbild notiert, deren Antworten es im Gespräch mit den Ausstellern zu erforschen gilt.

Thanaa Alkhouli (rechts) am Stand der Zahnärztekammer.
Thanaa Alkhouli (rechts) am Stand der Zahnärztekammer.

Thanaa Alkhouli (22) hat schon ihr Abitur, besucht aber trotzdem die Claude-Dornier-Berufsschule in Friedrichshafen. Der Grund: Ihre Hochschulreife hat sie in Syrien erworben, weshalb die Studiumszulassung für Zahnmedizin oder Pharmazie in Deutschland Hürden mit sich bringt. Wie diese überwunden werden können, versucht Alkhouli, die seit anderthalb Jahren in Deutschland ist, auf der Messe in Erfahrung zu bringen. Am Stand der Zahnärztekammer lässt sie sich über die Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten informieren. Dass diese einen Weg ins Studium ebnen könnte, notiert Alkhouli fleißig auf ihrem Erkundungsbogen.

Einige Stände weiter kämpfen Sarah Geng und Nadine Keller, Auszubildende beim Finanzamt Überlingen, zusammen mit ihren Kolleginnen um die Aufmerksamkeit der Besucher. Viele Jugendliche laufen schnell davon, wenn sie die Wörter "Finanzamt" und "Mathematik" hören. "Wir locken die jungen Leuten mit dem guten Einstiegsgehalt, das in der Ausbildung zum Finanzwirt gezahlt wird", sagt Geng. Dieses Argument überzeugt auch Jens (14), Can und Aykut (beide 15). Die drei Überlinger Realschüler haben weder Angst vor der Abgabenordnung noch vor der Mathematik. Vielleicht gilt auch für sie bald der Slogan des Messestandes: "Was gibt's da zu glotzen? Mein Chef ist Finanzminister."

Nadine Keller (links) und Sarah Geng im Werbeeinsatz für das Finanzamt Überlingen. Bilder: Max Horn
Nadine Keller (links) und Sarah Geng im Werbeeinsatz für das Finanzamt Überlingen. Bilder: Max Horn

Florian Meßmer dagegen wird von den Messebesuchern betürmt. Der Zimmermann sagt: "Das ist ein schöner Beruf, bei dem man am Abend sieht, was man gemacht hat." Die Branche sei auch zukunftsträchtig, da zum Setzen von Dachstühlen, dem alten Kerngeschäft, der Holzbau hinzugekommen sei: Mittlerweile würden auch in Deutschland wieder viele Häuser ganz aus Holz gebaut. Über Nachwuchsprobleme kann Meßmer auch nicht klagen. Der allgemeine Mangel an Auszubildungswilligen im Handwerk gelte nicht für Zimmerer. Im Gegenteil: "Wir haben einen Boom. Es gibt auch viele Quereinsteiger, die nach dem Abitur doch noch auf Zimmermann umsteigen", sagt Meßmer.

Währenddessen hat Noel Lodemann eine Antwort von Stabsfeldwebel Röwer erhalten: Das Ankleiden auf Zeit will der Soldat zwar nicht bestätigen, aber "es geht schon auch um Disziplin." Noel schreckt das nicht ab. "In meiner Familie sind alle bei der Bundeswehr." Er selbst will Feldwebel werden. Als Soldat Röwer das hört, betont er, dass ein Arbeitsplatz bei der Bundeswehr nicht immer den Panzerfahrer bedeute, sondern eine Kombination aus klassischem Beruf und Uniform darstelle. "Von einer Ausbildung zum Maurer bis zum Medizinstudium ist bei der Bundeswehr alles möglich." Noel nickt und zeigt auf eine der tarnfarbenen Taschen, die auf dem Tisch neben Röwer liegen. "Kann ich da eine mitnehmen?", fragt der Schüler. "Natürlich", sagt der Soldat. Noel schnappt sich die Tasche und marschiert zum nächsten Stand.

Stabsfeldwebel Markus Röwer (links) erklärt Noel Lodemann die Ausbildungsmöglichkeiten bei der Bundeswehr.
Stabsfeldwebel Markus Röwer (links) erklärt Noel Lodemann die Ausbildungsmöglichkeiten bei der Bundeswehr.

Messe "Berufe am See"

Seit 20 Jahren verzeichnet die Messe einen steten Zulauf an Ausstellern. Mittlerweile sind es über 40 Unternehmen, Behörden, Verbände und Schulen, die über aktuelle Berufsmöglichkeiten in der Region informieren. Die meisten Aussteller kommen seit vielen Jahren regelmäßig auf die "Berufe am See". Organisiert wird die Messe von der Bundesagentur für Arbeit. Die Veranstaltung richtet sich vorrangig an Schüler der Haupt- und Realschulen sowie an Berufsschüler. Aber auch Gymnasiasten haben die Möglichkeit, sich auf der Messe entweder über Studiengänge zu informieren oder alternativ Informationen über Ausbildungsberufe einzuholen. (rho)