Wenn der Oberbürgermeister mit den Überlingern ins Gespräch kommen möchte, zieht es in der Regel viele Menschen ins Café im Rathaus. Rund 70 Besucher sind es bei der jüngsten Bürgerlounge mit OB Jan Zeitler. „Hier gilt keine Geschäftsordnung des Gemeinderats“, sagt Zeitler. Er spielt auf die Bürgersprechstunde an, bei der Bürger, die ihr Anliegen dem Gemeinderat vortragen möchten, sich auf drei Minuten beschränken müssen.

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Bei der Bürgerlounge, zu der Zeitler mindestens einmal im Jahr einlanden möchte, sind auch Rückfragen möglich. Und die gibt es auch an diesem Abend. Es geht um Angebote für ältere Bürger, um die Unterstellmöglichkeiten am Bahnhof, Sicherheit einzelner Fußwege und um die Landesgartenschau (LGS).

Sigrid Graf beklagt die Unterstellmöglichkeiten am Bahnhof.
Sigrid Graf beklagt die Unterstellmöglichkeiten am Bahnhof. | Bild: Navid Moshgbar

„Können Sie sich vorstellen, dass es Menschen gibt, die die LGS nicht in der Stadt haben wollen?“ Petra Wandelt lässt OB Zeitler mit ihren dicht aufeinanderfolgenden Fragen nicht vom Thema abkommen. „Können Sie Empathie für diese Menschen entwickeln?“ Zeitler bejaht die Fragen und spricht von „Anteilnahme“, lässt sich aber seine erwartungsvolle Haltung nicht nehmen.

Petra Wandelt befragt den OB zur Landesgartenschau.
Petra Wandelt befragt den OB zur Landesgartenschau. | Bild: Navid Moshgbar

„Können Sie sich vorstellen, den Klimanotstand in Überlingen auszurufen“, fragt Ulrike Clauder. „Ich bin Realpolitiker, kein Symbolpolitiker.“ Die Initiative müsse vom Gemeinderat ausgehen, so Zeitler. „Dann debattieren wir zu dieser Frage. Bestenfalls gehen die Hände hoch“, sagt Zeitler. „Das ist für mich nicht die wichtigste Fragestellung.“ Entscheidend sei, wie gehandelt werde.

Thema Bahnhof bewegt OB und Besucher

Werden Wünsche vorgetragen, die nicht in der Zuständigkeit der Stadt liegen, reagiert Zeitler teilweise ungehalten: „Ich bin nicht die Bodenseegürtelbahn. Ich sage ganz ehrlich, da rege ich mich auf.“ Das Thema Bahnhof bewegt nicht nur ihn, sondern auch mehrere Besucher. Dem Wunsch, einen direkten Weg vom Gleis zu den Gräben zu schaffen, kann Zeitler etwas abgewinnen. Aber, „haben Sie schon mal mit der Bahn zu tun gehabt?“, fragt er zurück. Wenn übergeordnete Behörden nichts tun, bliebe der Stadt nur die unbefriedigende Möglichkeit, selbst einzuspringen.

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„In Horb am Neckar stand ich als Baubürgermeister kurz davor, den Bahnhof zu schließen“, sagt Zeitler. „Da werde ich richtig sauer.“ Die Reaktion gefällt einem Besucher: „Da habe ich wenigstens jemanden aufgeweckt.“ Diese Aussage wiederum, gefällt Zeitler gar nicht: „Mit dieser Polemik möchte ich nicht arbeiten.“ Und wäre nächstes Jahr keine Landesgartenschau in Überlingen? Dann gäbe es mehr Mittel für einen besseren Service. „Aber dann wäre es auch ein bisschen langweilig“, sagt Zeitler.

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Sibylle Stenz-Stehncken und ihr Mann Johannes Stenz sind seit einem knappen Jahr in Überlingen heimisch. „Ich finde es wunderschön“, sagt Stenz-Stehncken. Man klage schon auf sehr hohem Niveau.

Renate Rösler (links) heißt Sibylle Stenz-Stehncken und ihren Mann Johannes in Überlingen willkommen. Die beiden vor einem knappen Jahr aus dem Rheinland nach Überlingen gezogen.
Renate Rösler (links) heißt Sibylle Stenz-Stehncken und ihren Mann Johannes in Überlingen willkommen. Die beiden vor einem knappen Jahr aus dem Rheinland nach Überlingen gezogen. | Bild: Navid Moshgbar