Gewusel, Gedränge und Gerangel: Wie in einem Supermarkt an Heiligabend drücken sich die Besucher der Messe "Berufe am See" durch die Gänge des Kursaals in Überlingen. "Ich will zur Bundeswehr!", "Lass uns mal zur Sparkasse gehen", oder "bei HSM soll gerade was frei geworden sein" rufen sich die Schüler gegenseitig zu. Alle möchten einen guten Platz an den Ständen der Unternehmen und Organisationen ergattern. Neben unzähligen Werbe-Luftballons, die über den Köpfen der Besucher schweben, sind im Kursaal auch Aufsteller und Fahnen platziert, die die Blicke der jungen Besucher einfangen sollen.

Dafür haben auch einige Handwerker ihr Inventar aus den Werkstätten mitgebracht: "Ich habe meine kleinere Maschine dabei, um zu zeigen, wo die Reise in Zukunft hingeht. Man kann seinen Namen im Computer eingeben, der dann automatisch in ein Brett gefräst wird", sagt Roland Dreher, der die Innungsschreiner des Bodenseekreises auf der Messe vertritt und seine eigene Schreinerei in Salem besitzt. Der Kleinbetrieb hat vier Mitarbeiter und einen Auszubildenden. "Bisher hatten wir keine Probleme Auszubildende zu finden", erklärt der 38-jährige Schreinermeister.

Roland Dreher, 38, Schreiner aus Salem
Roland Dreher, 38, Schreiner aus Salem | Bild: Sebastian Küster

Anna Hofmann ist noch unentschlossen, ob sie eine Ausbildung oder ein Studium beginnen möchte. Auf der Messe bekäme sie jedoch einen guten Überblick, welche Unternehmen in ihrer Nähe seien, erklärt Sie auf Frage des SÜDKURIER. "Ich habe von einigen Firmen noch nie etwas gehört. Das hat mich schon ein wenig überrascht", sagt die 19-Jährige. Sie könne sich gut vorstellen eine Ausbildung zur Industriekauffrau zu machen. "Ich habe hier auch schon mit ein paar Unternehmen gesprochen", sagt die Meersburgerin.

Die Justus von Liebig Schule und das Helios Spital stellen auf der Messe ihre Kooperation vor. Seit 2004 können die Auszubildenden dort den Beruf "Gesundheits- und Krankenpflege" lernen. "Das Besondere ist, dass man in dreieinhalb Jahren beide Ausbildungen auf einmal macht", erklärt Monika Schwarz, Leiterin für Pflege bei der Justus von Liebig Schule. Mithilfe der Puppe Charly zeigen die Auszubildenden des Ausbildungsgangs, welche Aufgaben im Beruf auf sie zukommen. "Charly ist jedes Jahr auf der Messe mit dabei", sagt Chayenne Hass, die derzeit den Beruf der Altenpflegerin erlernt.

Von links: Jannick Stellfeld (23), Jana Müller (22), Chayenne Hass (19), Marion Matheis (21), Müjde Alacali (26), Monika Schwarz (57) verwenden die Puppe "Charly", um die Aufgaben im Beruf eines Pflegers anschaulich zu machen.
Von links: Jannick Stellfeld (23), Jana Müller (22), Chayenne Hass (19), Marion Matheis (21), Müjde Alacali (26), Monika Schwarz (57) verwenden die Puppe "Charly", um die Aufgaben im Beruf eines Pflegers anschaulich zu machen. | Bild: Sebastian Küster

Die Frisörin Ester Falisch hat sich zwischen den großen Ständen einer Bank und einer Versicherungsgruppe postiert. Um trotzdem aufzufallen, frisiert sie ihr Model Gabriele Grosch live und beantwortet dabei noch die Fragen der vielen Schülerinnen und Schüler. Falisch fühlt sich dazu verpflichtet für ihr Handwerk zu werben: "Wir sind vom Aussterben bedroht", sagt die Frisörin aus Überlingen. Es gebe derzeit zu wenige junge Menschen, die das Handwerk lernen möchten. "Viele schrecken davor zurück, wenn sie erfahren, dass man so wenig verdient", bemängelt die Überlingerin. Der Beruf habe aber auch viele Vorteile, die auf den ersten Blick untergehen: "Man ist mit Menschen zusammen und kann sich kreativ ausleben", sagt Falisch. Das mache den Job für sie so wertvoll.

"..." Ester Falisch, Friseurin bei Isayo Friseure in Überlingen
"..." Ester Falisch, Friseurin bei Isayo Friseure in Überlingen | Bild: Sebastian Küster

"Ich bin überrascht, wie viele Unternehmen ihre Arbeit vorstellen", sagt Laura Erdmann, die gemeinsam mit einer Freundin die Messe "Berufe am See" besucht. Sie habe sich bereits bei einigen Unternehmen beworben, wolle sich auf der Messe jedoch über mögliche Alternativen informieren. Für die 18-Jährige aus Bermatingen stehe eines mit Sicherheit fest: "Ich will auf jeden Fall hier in der Region bleiben." Das hört ihre Mutter Sandra Erdmann gerne und lobt, dass ihre Tochter für die Veranstaltung schulfrei bekommen habe. "Ich finde es super, dass die Mädchen hier in ein persönliches Gespräch mit den Chefs der Unternehmen kommen können", sagt die 43-jährige Bermatingerin. Im Internet sei alles anonym und unübersichtlich. Auf der Messe habe man die Chance neue Berufe kennenzulernen, die man bisher "nicht auf dem Schirm" gehabt habe.


Messe "Berufe am See"

  • Die Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg hat mit Unterstützung der Stadt Überlingen, der Handwerkskammer Ulm und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben die Messe im Kursaal Überlingen organisiert.
  • 41 Ausbildungsbetriebe aus Handel, Dienstleistung, Handwerk und Industrie stellten von 8 bis 16 Uhr ihre Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten in der Region vor. Neben Ausbildern standen auch Auszubildende den Schülern aus Überlingen und Umgebung Rede und Antwort.
  • Die Messe soll den Schülern frühzeitig die Möglichkeit bieten, sich am Arbeitsmarkt in der Region zu orientieren. "Berufe am See" ist ausschlißlich für junge Menschen geplant, die ihre Zukunft am Bodensee verbringen möchten.