Ein regelrechtes Experimentier- und Forschungsfeld war Überlingen in Sachen Obstbau vor 25 Jahren. Auf den Reutehöfen hatte das Amt für Obst- und Gartenbau des Bodenseekreises seinen Sitz und Herbert Bischof war dessen fast allgegenwärtiges Gesicht. Sichtbares Relikt der Institution ist heute noch der große Obstsortengarten am Südhang des Schlosses Rauenstein.

"Raubwanzen aus eigener Züchtung" lautete der Titel

Hier hat Bischof zahlreiche historische Apfel- und Birnensorten als Anschauungsmaterial gepflanzt. Schloss wie Sortengarten sind inzwischen in Überlinger Eigentum. Bischof war auch sonst sehr experimentierfreudig und innovativ. "Raubwanzen aus eigener Züchtung" hatte der SÜDKURIER einen Artikel am 7. August 1993 auf der ersten Überlinger Lokalseite überschrieben, in dem es um neue Möglichkeiten des alternativen Pflanzenschutzes ging.

Produktion von europaweit konkurrenzfähigen Früchten

"Um den Obstbauern am Bodensee die Produktion von europaweit konkurrenzfähigen Früchten bei möglichst geringem Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln zu ermöglichen", war hier zu lesen, "ist das Amt für Obst- und Gartenbau des Bodenseekreises immer wieder auf der Suche nach Apfelsorten, die gen die häufigsten Erkrankungen unempfindlich sind." Auf der Obstversuchsanlage Reutehöfe würden daher seit mehreren Jahren pilzresistente Obstsorten gepflanzt und getestet. Selbst bei einer integrierten Produktion, die sich aus ökologischen und Kostengründen um eine Minimierung des Chemikalieneinsatzes bemühe, seien meist noch rund zehn Spritzungen mit Fungiziden erforderlich, wird Bischof zitiert.

Pilzresistente Sorten aus Dresden-Pillnitz

Der Obstfachmann hatte daher pilzresistente Sorten aus Dresden-Pillnitz bekommen, dem Forschungsinstitut der früheren DDR. "Ihre Namen sind bislang kaum bekannt und lauten Reglindis, Retina, Rewena." Ein Siegeszug durch die Sortenphalanx scheint ihnen allerdings nicht gelungen zu sein, die Namen sind heute nicht bekannter. Stattdessen machen die lizenzierten Clubsorten wie Kiku, Kanzi und Co. auf dem Markt Furore.

Qualität der "Raubwanzen" bis heute geschätzt

Mehr Erfolg beschieden waren den "Raubwanzen", deren Qualitäten heute sehr geschätzt wird. Sie machen unter anderem der gefürchteten Roten Spinne das Leben schwer, wenn nicht den Garaus. Die Nützlinge konnten mit Ästen in andere Anlagen übertragen werden. "So konnte die Versuchsanlage des Landkreises schon Raubwanzen aus "eigener Produktion" an Landwirte abgeben. "Allerdings können sich die Obstbauern bislang nur sehr zögernd mit den Nützlingen anfreunden", schrieb die Tageszeitung damals: "Ein Anfang ist zwar gemacht, doch sind bislang erst etwa 20 Prozent der Betriebe mit den Raubwanzen versorgt."