Zum 25. Mal sind Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule für zwei Wochen in ein osteuropäisches Land gereist, um sich mit der Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen und an einem Projekt mitzuwirken. Dieses Mal pflegten 17 Jungen und drei Mädchen im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung Soldatenfriedhöfe in Mazedonien. Mit dabei waren Schüler des Technischen Gymnasiums, der einjährigen Berufsfachschule Holz und des Biologisch-Technischen Berufskollegs. Die zweiwöchige Aktion erfolgte wie in den Vorjahren in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Baden-Württemberg des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Geschichte vor Ort erleben

Mit der Jugendbegegnung wurde die Gewerbeschule ihrem Auftrag als Unesco-Projektschule gerecht. Hubert Gobs, einer der begleitenden Lehrer, erklärte: „Es war wieder eine gelungene Begegnung. Unserer Schüler haben einen guten Eindruck erhalten, wie arm andere Länder sind“, sagte er, wobei Gobs auf den Durchschnittsverdienst eines Mazedoniers von rund 300 Euro anspielte.

Auch acht mazedonische Jugendliche sind mit dabei

Sie hätten sich mit der Geschichte vor Ort auseinandergesetzt, die ein Unterricht nicht vermitteln kann. Neben Gobs begleiteten Markus Allgeier, Ralf Hübner Florian Möhrle und Anita Mess die Jugendlichen, als Dolmetscherin stand die mazedonische Lehrerin Manuela Koteska zur Verfügung. Außerdem nahmen acht mazedonische Jugendliche an dem Programm teil.

Noah Alferi und Pia Dreher beim Ausmalen von Inschriften auf einer Gedenktafel.
Noah Alferi und Pia Dreher beim Ausmalen von Inschriften auf einer Gedenktafel. | Bild: Hubert Gobs

Das Team war je eine Woche in Bitola, mit 71 890 Einwohnern die drittgrößte Stadt Mazedoniens, und in Prilep, eine Stadt im Süden des Landes im nördlichen Teil der Pelagonischen Ebene, untergebracht. Im Mittelpunkt des Aufenthalts standen Arbeiten auf den dortigen Soldatenfriedhöfen. Hier entfernten die Jugendlichen Unkraut auf dem Umrandungsweg, schnitten Sträucher und malten Inschriften und Namen auf Gedenktafeln aus.

Auch Workshops und Ausflüge im Programm

Ergänzt wurde die Arbeit durch verschiedene Workshops – nicht nur zum Thema Frieden, sondern auch, um die Kultur der Gastgeber, deren Sprache, Bräuche und nicht zuletzt die Gastgeber selbst kennenzulernen. Auch Ausflüge standen auf dem Programm: Besucht wurde unter anderem Novaci im Süden Mazedoniens. „Hier verlief im Ersten Weltkrieg eine Frontlinie. Brüder standen sich damals als Soldaten gegenüber, weil sie nur wenige Kilometer voneinander wohnten. Noch heute werden dort Bomben gefunden“, erläuterte Gobs.

Beitrag für eine friedliche Welt

Bewegend war nach seinen Worten eine Abschlussfeier auf dem Soldatenfriedhof in Prilep mit dem stellvertretenden Militärattaché und einer Abordnung der Stadtverwaltung von Prilep. Dabei konnten die Schüler ihre zuvor schriftlich verfassten Gedanken an den Gräbern niederlegen. „Als ich zum ersten Mal auf dem Friedhof war, spürte ich tiefe Traurigkeit in mir. Ich fragte mich, wie sich Menschen, die sich gar nicht kennen, umbringen können“, zitierte Gobs einen dieser Gedanken.

Bei der von den Schülern selbst gestalteteten Abschlussfeier auf dem Solatenfriedhof in Prilep war das Interesse der Medien groß. In der Mitte Hubert Gobs.
Bei der von den Schülern selbst gestalteteten Abschlussfeier auf dem Solatenfriedhof in Prilep war das Interesse der Medien groß. In der Mitte Hubert Gobs. | Bild: Hubert Gobs

Oder: „Ich bin froh, mit der Arbeit einen kleinen Teil zu einer gemeinsamen und friedlichen Welt beitragen zu können und den Zusammenhalt und die Einigkeit verschiedener Menschen aus unterschiedlichen Ländern durch neue Freundschaften stärken zu können.“ Dass die Gewerbeschule internationale Jugendbegegnungen schon seit 1993 vornimmt, ist nach Angaben von Hubert Gobs ein Zeichen dafür, „dass Verständigung und interkulturelles Lernen und Engagement ein Ziel sind, das sich auch dann noch zu verfolgen lohnt, wenn man es wie unsere Gewerbeschule bereits lebt“.