Überlingen – Ein symbolischer Spatenstich wäre an dieser Stelle wohl nicht angebracht gewesen. Schließlich werden für das künftige Parkhaus Bodenseetherme der Stadtwerke Überlingen GmbH (SWÜ) zur statischen Absicherung insgesamt 123 Bohrpfähle mit vier bis zwölf Metern Länge in den launischen Untergrund gerammt, der den Verantwortlichen bei der Planung von Untergeschossen einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

Gebäude entsteht auf 123 Bohrpfählen

So begannen gestern offiziell die Bauarbeiten für ein Parkhaus mit vier Etagen und 189 Stellplätzen, dem Oberbürgermeister Jan Zeitler schon mal seinen künftigen, wenig überraschenden Namen verlieh. "Wir brauchen dieses Parkhaus dringend", konstatierte Zeitler, der zugleich SWÜ-Aufsichtsratsvorsitzender ist. Er nannte es schon jetzt ein "spektakuläres Bauwerk".

Kosten sollen unter 8 Millionen Euro bleiben

Dass die Kosten unter 8 Millionen Euro bleiben sollen und die Fertigstellung bis zum Jahreswechsel 2019/2020 vorgesehen sei, seien beides ehrgeizige Ziele, betonte der Oberbürgermeister. Er erinnerte an die lange Vorgeschichte der Planung, die schon 2014 begonnen habe und für die mittlerweile zwei Bebauungsplanverfahren abgewickelt worden seien.

Fertigstellung für Jahreswechsel 2019/2020 geplant

Der städtebaulich herausfordernde Standort am Stadteingang West direkt gegenüber der Therme erfordere eine qualitativ hochwertige Lösung. Die sei den Architekten auch nach der Umplanung gelungen. "Wir sind eine anspruchsvolle Stadt", sagte Zeitler. "Wir haben es uns nicht leicht gemacht." Dem Landratsamt und dem Regierungspräsidium dankte Jan Zeitler für "die konstruktive und kritische Unterstützung".

Regierungspräsident: "Schönstes Parkhaus im Regierungsbezirk"

Auch Regierungspräsident Klaus Tappeser bekräftigte, dass bei der Genehmigung alle Belange abgewogen worden seien. Er schwärmte regelrecht, dass die Einbindung des Parkhauses "verkehrsplanerisch und stadtplanerisch" sehr gut sei und es sowohl für die Bodenseetherme als auch für die Landesgartenschau, aber auch für die Besucher des späteren Uferparks große Bedeutung habe. Das denkmalgeschützte Tunnelportal sei den Planern ebenso ein Anliegen gewesen wie die Sorgen der Anlieger. Tappeser sagte dies wohl auch vor dem Hintergrund einer noch anhängigen Petition gegen das Bauvorhaben, ohne diese allerdings zu erwähnen. Lange habe man sich damit beschäftigt, betonte der Regierungspräsident, die Störungen für Anwohner zu minimieren, was Abgase und Lärmbelästigung angehe. "Das hat uns sehr lange umgetrieben", erklärte der Regierungspräsident.

Freuen sich über den Baubeginn am Parkhaus Bodenseetherme: (von links) Oberbürgermeister Jan Zeitler, Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schültke und Regierungspräsident Klaus Tappeser. Ende 2019 soll das "spektakuläre Bauwerk" (Zeitler) fertig sein. Tappeser rechnet mit dem "schönsten Parkhaus im Regierungsbezirk".
Freuen sich über den Baubeginn am Parkhaus Bodenseetherme: (von links) Oberbürgermeister Jan Zeitler, Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schültke und Regierungspräsident Klaus Tappeser. Ende 2019 soll das "spektakuläre Bauwerk" (Zeitler) fertig sein. Tappeser rechnet mit dem "schönsten Parkhaus im Regierungsbezirk". | Bild: Hanspeter Walter

Tappeser: "Vielleicht schönstes Parkhaus in Deutschland"

"Parkhäuser haben auch oft ein Schmuddelimage", sagte der Regierungspräsident, obwohl dem eigenen Auto so viel Bedeutung zugemessen werde. "Frauen fahren nur ungern rein", erklärte er. "Männer geben es nicht zu." Mit dieser Planung sei der Stadt und den Stadtwerken etwas anderes gelungen, schwärmte Tappeser: "Das wird das schönste Parkhaus im Regierungsbezirk – ja vielleicht in Deutschland."

Infoveranstaltung für Anwohner

Gleich gestern Abend hatten die SWÜ die Anwohner zu einer Informationsveranstaltung eingeladen und Geschäftsführer Norbert Schültke informierte über den Ablauf der Bauarbeiten und die besonderen Maßnahmen, die geplant sind. "Wir haben viel mehr getan, als gesetzlich vorgeschrieben ist", erläuterte Schültke am Vormittag. Die Zwischenräume der geschlossenen Wandkonstruktion zu den Bahngleisen hin werden mit schallschluckendem Material ausgefüllt, um Reflexionen der Zugfahrgeräusche zu minimieren. "Wir haben dies schon jetzt auf einen zunehmenden Schienenverkehr ausgelegt", betonte der SWÜ-Geschäftsführer. Akustikdecken seien auch im Parkhaus selbst vorgesehen. Der Betrieb der Abgasanlage sei so ausgelegt, dass er nach menschlichem Ermessen niemand im Umfeld belasten könne.

Aquapark-Betriebsleiter: "Wir brauchen das dringend"

Wie wichtig das Parkhaus allein für die Bodenseetherme ist, signalisierten Aquaparkchef Michael Quell und Betriebsleiter Peter Koop mit ihrer Präsenz. "Wir sind sehr froh, dass das Parkhaus nun gebaut wird", betonte Koop: "Wir brauchen das dringend." Die Therme ist derzeit wegen Revisionsarbeiten noch bis einschließlich Freitag geschlossen.

Bürger Holger Schappeler fordert Baustopp

Einen sofortigen Baustopp per Ministererlass zu erwirken, um hier "eine klare, eindeutige Bewertung der überwiegenden öffentlichen Interessen zu gewährleisten", forderte gestern in einem "eindringlichen Appell" noch einmal der Überlinger Holger Schappeler vom Wirtschaftsministerium des Landes.

Nach seiner gescheiterten Online-Petition hatte sich Schappeler Anfang Mai noch einmal an den Petitionsausschuss des Landtags gewandt. Darin kritisierte er eine fehlende Berücksichtigung des Denkmalschutzes, zudem sei eine "Vereinbarkeit mit dem Verkehrskonzept der Stadt nicht erkennbar, da hiermit zusätzlicher Autoverkehr in die Innenstadt gelenkt wird". Einen Baustopp gebiete das gesamte Petitionsverfahren und "das Vertrauen der Bürger in die Funktion der demokratischen Institutionen".

Schon bei seiner Online-Petition im Internet hatte Schappeler im Februar darauf verwiesen, dass das Landesdenkmalamt nach wie vor Bedenken gegen das Parkhaus habe. Allerdings hatte der Gemeinderat der Bedeutung des Parkhauses in beiden Bebauungsplanverfahren Priorität eingeräumt. Das Regierungspräsidium als Aufsichts- und Genehmigungsbehörde war der Abwägung des Gemeinderats gefolgt und hatte ungeachtet der noch nicht beschiedenen Petition an das Land die Baugenehmigung erteilt. „Die Stadtwerke Überlingen GmbH hat bereits seit 26. April 2018 eine Baugenehmigung, verbunden mit einer Teilbaufreigabe, und macht davon Gebrauch“, erklärte Oberbürgermeister Jan Zeitler auf Anfrage: „Die Petition ging erst später, am 8. Mai 2018, beim Landtag ein und hat keine hemmende Wirkung.“

Bei der Online-Petition hatte das Anliegen 109 Befürworter gefunden, wobei nur 59 aus Überlingen waren. Baubürgermeister Matthias Längin hatte daher vor kurzem schon spekuliert, dass das Anliegen der Petition voraussichtlich kaum erfolgreich sein könne. Wohl aus diesem Grund betonte Regierungspräsident Tappeser gestern explizit, dass das Parkhaus perfekt in das Verkehrsnetz integriert sei – und sowohl für Besucher der Therme als auch der Gartenschau und später des Uferparks sehr wichtig sei.