Er sei "überwältigt", sagte Bürgermeister Matthias Längin beim Blick in den überfüllten Saal, wenn er dies mit der Beteiligung bei den Workshops zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept ISEK mit 30 bis 50 Bürgern vergleiche. Die Vorschläge der Planerin seien nur die ersten "von vielen anderen Möglichkeiten". Neue Ideen würden eingebaut werden, versprach Längin, "sofern sie umsetzbar und mehrheitsfähig sind".

Als "Herzensangelegenheit" bezeichnete es Planerin Marianne Mommsen, für Fußgänger eine bessere Beziehung zwischen Altstadt und See herzustellen. Sie habe jetzt auch einen Vorschlag entwickelt, "der sehr viel mit den Bestandsbäumen arbeitet und viele davon erhält", sagte sie: "Wir hören ja Ihre Meinung und lesen auch die Zeitung."

Als Moderatorin Nina Hehn von der Kommunalberatung KlimaKom "ganz viel Spaß" bei der Diskussion wünschte, mochte mancher etwas skeptisch sein. Doch sie und ihr Kollege Götz Braun ließen sich von der aufgeheizten Stimmung nicht aus der Ruhe bringen, nahmen aller Wortmeldungen mit dem gebührenden Ernst zu Protokoll und ordneten sie professionell ein. Auch wenn mancher Freund der Landesgartenschau es unglücklich fand, dass die emotionalen Kritiker gleich zu Beginn zu Wort gekommen seien. Immerhin kam so etwas Druck aus dem Kessel, der schon in Zwischenrufen bei der Präsentation zu spüren war. Marianne Mommsen bekam manche Breitseite ab. Dafür vergab Rolf Briddigkeit ein "großes Lob" an den SÜDKURIER für die Darstellung der zur Disposition gestellten Bäume.

Bäume seien keine "Wesen, die man so einfach wegputzt", erklärte Nadeen Althoff aus Owingen und erhielt tosenden Beifall. "Die sind nämlich da, weil sie da sind. Weil sie jemand dahin getan hat." Dem hielt Joachim Stumpf zugespitzt entgegen: "Leben wir hier denn in einem Wald oder in einer Stadt?" Bezeichnend für die aufgeheizte Auseinandersetzung war die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Zuhörer den Saal schon wieder verlassen hatte, als das Thema Bäume beendet war.

Am Ende glaubte mancher Marianne Mommsen noch psychischen Beistand leisten zu müssen. Klaus Bühler zollte ihr Respekt, dass sie die ganze Aufgabe noch nicht "hingeworfen habe". Das stehe nicht zur Debatte, sagte die Planerin. Mut machte Mommsen schließlich Doro Mittelmeier vom Vorstand der Freunde der Landesgartenschau, ergriff ihre Hand und sagte: "Danke, Frau Mommsen, wir schaffen das!"

Nur schwer aus der Reserve zu locken ist der frühere Leiter des Grünflächenamts, Thomas Vogler, der die Diskussion verfolgt hatte. "Ich wollte nur mal zuhören", sagte er. Er verstehe die ganze Aufregung nicht, räumte Vogler dann auf Nachfrage ein: "Für mich ist die Diskussion um die Bäume viel zu emotional. Man müsste jetzt bei der angebotenen Führung zeigen, welche Probleme es vor Ort gibt. Ich glaube, dann wird manches verständlich. Es ist sinnvoll, dass man die Promenade jetzt neu gestaltet. Dann muss es auch möglich sein, über Baumstandorte und Baumarten zu rerden. Dann muss es auch erlaubt sein, dass man über Veränderungen bei Bäumen redet."

 

So geht's weiter

Für die kommenden Woche kündigte Bürgermeister Matthias Längin mehrere Fachforen mit Gewerbetreibenden, Gastonomen und Händlern zur Gestaltung der Uferpromenade an. Deren Ergebnisse sollen mit den Erkenntnissen von Donnerstagabend zusammengeführt und bei einem weiteren Bürgerforum präsentiert werden. Bis zum 1. Oktober muss die Stadt Überlingen ihre Zuschussanträge für die Baumaßnahmen an Landungsplatz und Promenade stellen. Beim nächsten Tag der offenen Tür des Gartenschaubüros bietet das Grünflächenamt am Samstag, 25. Juni, Führungen an der Promenade und erläutert den Zustand der verschiedenen Bäume. (hpw)

 

Wohin mit den öffentlichen WCs?

<p>Die öffentlichen Toiletten sind oft außer Betrieb, die Zukunft des Kiosks ist offen.</p>

Die öffentlichen Toiletten sind oft außer Betrieb, die Zukunft des Kiosks ist offen.

Unter der Rubrik Einrichtungen ging es auch um das Thema Toiletten. "Wir sind der Ansicht, am Landungsplatz muss ein öffentliches WC sein", hatte Bürgermeister Längin deutlich gemacht. Allerdings enge dies die Gestaltungsfreiheit des Platzes ein. Die Wahl des Standorts sei durch die Leitungen unter dem Landungsplatz eingeschränkt. Es wurden Stimmen laut, die den aktuellen Kiosk für völlig deplatziert, ja störend hielten und dessen touristische Angebote lieber anderswo untergebracht sähen. Andere hielten die Anlaufstelle für unverzichtbar, um Schulklassen eine preiswerte Erfrischung in zentraler Lage bieten zu können. Derzeit sind Toiletten aufgrund begrenzter Leitungskapazitäten und oft unsachgemäßer Benutzung häufig außer Betrieb. (hpw)

Überlegungen für den Lenk-Brunnen

<p>Statt des Wasserbeckens könnte sich Mommsen ein Fontänenfeld vorstellen.</p>

Statt des Wasserbeckens könnte sich Mommsen ein Fontänenfeld vorstellen.

Planerin Marianne Mommsen brachte die Idee ins Spiel, das Wasserbecken des Lenk-Brunnens "Ritt über den Bodensee" durch weitgehend ebenerdige begehbare Fontänen zu ersetzen. Zumal der Brunnen ohnehin fast sechs Monate nicht in Betrieb sei, schätze sie. Mommsen musste sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, die Anlage einer "tendenziösen" Abbildung in ein schlechtes Licht gerückt zu haben. Ob sich Künstler Peter Lenk auf so einem Umbau einlassen würde, habe sie bewusst noch nicht gefragt, erklärte Oberbürgermeisterin Sabine Becker. Dazu müsse der Vorschlag erst mehrheitsfähig sein. Immerhin votierten bei einer Probeabstimmung nach einer groben Schätzung der Moderatoren rund 60 Prozent für die umgebaute Alternative. (hpw)

Natursteinpflaster bis zur Promenade

<p>Der Pflasterbelang aus Naturstein soll Innenstadt und Promenade verbinden.</p>

Der Pflasterbelang aus Naturstein soll Innenstadt und Promenade verbinden.

Um auch optische eine engere Verbindung zwischen Altstadt und See herzustellen, schlägt Marianne Mommsen vor, das rote Natursteinpflaster aus der Innenstadt über den Landungsplatz zur Promenade fortzusetzen. "Das hat eine ganz besondere Qualität, die wir gerne fortschreiben wollen." Ein Muster für die Pflasterung ist an der westlichen Fassade des Gartenschaubüros am Haus des Gastes zu sehen. An der Promenade ist eine Vermischung mit hellgrauen Steinen vorgesehen. "Das muss natürlich barrierefrei und mit einer bearbeiteten Oberfläche optimal begehbar sein", erklärte Mommsen. Das Plattenband aus Tessiner Gneis in Christoph- und Münsterstraße würde die Planerin gerne über den Landungsplatz zur Promenade fortsetzen. (hpw)

Baresel-Insel: Die Optik mag niemand

<p>Die Baresel-Plattform soll bleiben, aber irgendwie hübscher werden.</p>

Die Baresel-Plattform soll bleiben, aber irgendwie hübscher werden.

"Wenig baukünstlerische Qualität" hat aus Sicht von Marianne Mommsen die "Baresel-Insel" am Mantelhafen Der Rest der früheren Baustelleneinrichtung habe eher die Anmutung eines Atlantikwalls, sagte sie. Doch der Bodensee sei zu wertvoll, als dass man so etwas hier abstellen sollte. Zumal dahinter die anspruchsvollen klassischen Fassaden von August Ilg eine Zierde für die Promenade seien. Dem Urteil über die Optik wollte niemand widersprechen. Allerdings könne man die Fassaden an der Promenade von der Plattform am besten betrachten, lautete ein Einwand. Lediglich Plädoyers zur Verschönerung der Betoninsel kamen aus dem Publikum. Hier seien Ideen gefragt. Verzichten wollte auf die Konstruktion niemand und Mommsen verstand. (hpw)