Betreten der Baustelle verboten. Das gelbe Warnschild an der Kellerwerft ist insofern überflüssig, als dass jeder Spaziergänger auch so erkennt, dass es gefährlich wäre, den Kopf unter das Dach der historischen Kellerwerft zu strecken. Sehr viele Balken sind morsch oder vom Hausschwamm befallen. Sie wirken so, als würden sie in jedem Moment zu Boden krachen.

Ist auch gesünder so, denn die Balken in der Kellerwerft sind morsch.
Ist auch gesünder so, denn die Balken in der Kellerwerft sind morsch. | Bild: Hilser, Stefan

Das war so nicht gedacht: "Deutlich mehr Pfosten und Balken als angenommen sind verfault", sagt Niklaus Waser, Vorsitzender vom Förderverein Yachtsport Überlingen. Der Verein wurde gegründet, um die historische Kellerwerft vor dem endgültigen Verfall zu bewahren und sie zu einer "Gläsernen Werft" umzubauen, mit Gastronomiegebäude und aktiv betriebener Werkstatt. Wie sich nun herausstellt, sei es aufwändiger als gedacht, die Standsicherheit des Gebäudes herzustellen.

Niklaus Waser (links) und Frank Schappeler auf der Baustelle. Es müssen mehr Balken als zunächst gedacht ausgetauscht werden, weil sie nicht mehr tragfähig sind.
Niklaus Waser (links) und Frank Schappeler auf der Baustelle. Es müssen mehr Balken als zunächst gedacht ausgetauscht werden, weil sie nicht mehr tragfähig sind. | Bild: Hilser, Stefan

Während beim Bau der Werft vor rund 115 Jahren anfallendes Hochwasser mehr oder weniger akzeptiert und die Halle zur Not geflutet wurde, werden heute ganz andere Anforderungen an die Statik gestellt, erklärt Frank Schappeler, einer der Gründer des Fördervereins.

Soll originalgetreu wieder aufgebaut werden: Die Kellerwerft am Überlinger Bodenseeufer.
Soll originalgetreu wieder aufgebaut werden: Die Kellerwerft am Überlinger Bodenseeufer. | Bild: Hilser, Stefan

Nach kritischer öffentlicher Diskussion darüber, wer sich der Aufgabe Kellerwerft widmen dürfe, auch nach Zweifeln, ob daraus noch etwas wird ist jetzt tatsächlich Bewegung am Bau zu erkennen. Die Ziegel abgenommen, die Wand- und Dachflächen demontiert, wird nun in einer Holzbaufirma in Bisingen geprüft, welches Holz tatsächlich noch verwendbar ist.

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Waser gab sich bei einer simplen Prüfung ernüchtert: Als er mit den Schuhen gegen einen Balken klopfte, rieselte das Sägemehl aus den Löchern, und es klang, als sei der Balken, der zuvor die Angeln der großen Schiebetüre gehalten hatte, aus Pappe.

Niklaus Waser klopft mit den Schuhen gegen einen morschen Balken, der wie viele andere auch komplett ersetzt werden muss. Es klingt mehr nach Pappe, außerdem rieselt Sägemehl aus dem hohlen Balken.
Niklaus Waser klopft mit den Schuhen gegen einen morschen Balken, der wie viele andere auch komplett ersetzt werden muss. Es klingt mehr nach Pappe, außerdem rieselt Sägemehl aus dem hohlen Balken. | Bild: Hilser, Stefan

Waser und Schappeler rechnen gegenwärtig mit einer Eröffnung "Gläsernen Werft" im Mai 2019, mindestens vier Wochen später als noch beim Festakt im Juli angekündigt. Dafür werde das Gebäude Stück um Stück abgetragen und originalgetreu wieder aufgebaut. Es wäre günstiger, das Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz stehe, einzureißen und eine moderne Werft aufzustellen. Doch betont Waser, dass es sich hier um das Hobby einer Gruppe von Leuten handle, die den Charme der früheren Bootsbaukunst wieder zum Leben erwecken will. Als Pächter der Gläsernen Werft ist Hans-Joachim Landolt, Inhaber der Michelsen-Werft in Friedrichshafen, vorgesehen. Er plant in Überlingen die Sanierung alter Holzboote. So eine Verbindung aus alter Werft und Arbeit an und mit edlen Holzbooten gebe es am ganzen See kein zweites Mal.

Nur noch ein Gerippe: Die Kellerwerft hinter einem Bauzaun.
Nur noch ein Gerippe: Die Kellerwerft hinter einem Bauzaun. | Bild: Hilser, Stefan

Das Grundstück steht im Eigentum der Stadt Überlingen. Bereits 2015 stimmte der Gemeinderat einer Verpachtung an den eigens hierfür gegründeten Förderverein Yachtsport Überlingen (FYÜ) zu. Später wurde bekannt, dass es noch andere Interessenten gegeben hätte, jedoch wurde im Rat damals nur das Konzept des FYÜ vorgestellt. Eine von Linken-Gemeinderat Roland Biniossek daraufhin angestrengte Rechtsprüfung führte im Regierungspräsidium Tübingen als zuständiger Aufsichtsbehörde zum Ergebnis, dass das Verfahren rechtskonform gewesen sei.

Frank Schappeler an der Kellerwerft in Überlingen, die vom Förderverein Yachtsport Überlingen zu einer Gläsernen Werft umgebaut wird.
Frank Schappeler an der Kellerwerft in Überlingen, die vom Förderverein Yachtsport Überlingen zu einer Gläsernen Werft umgebaut wird. | Bild: Hilser, Stefan

Für eine Finanzierungszusage der Bank musste der FYÜ 450 000 Euro Eigenkapital und 60 Mitglieder im Förderverein vorweisen. Das sei zu 80 Prozent erreicht, teilte Niklaus Waser mit. Es fehlten jetzt noch weniger als 100 000 Euro und nicht ganz 20 Mitglieder. "Wir wachsen pro Woche um ein bis zwei Mitglieder." Jetzt, wo sich auf der Baustelle erkennbar etwas tut, ließen sich immer mehr von der Idee begeistern.