Lediglich zwei konkrete Maßnahmen sind der aktuelle Ausfluss der zweiten Stufe des Lärmaktionsplans, dessen Entwurf der Gemeinderat jetzt einstimmig billigte. Gemessen an den umfangreichen Erhebungen und Berechnungen ist das aus Sicht des Gremiums kein großer Wurf, doch richtete sich das Augenmerk gemäß den gesetzlichen Vorgaben nur auf die Bundes- und Landesstraßen und die davon betroffenen Lärmschwerpunkte, die die Markdorfer Verkehrsplanerin Gabriele Schulze ausführlich erläuterte. Dazu gehörten die B31-alt und -neu sowie die Landesstraße 195. Aktualisiert werden sollen die Erhebungen in fünf Jahren, wenn sich die neuen Verkehrsführungen mit der B31 und der Verbindungsachse zur Weierhalde auswirken werden.

Expertin macht vier Lärmschwerpunkte aus

Schulze hatte vier Lärmschwerpunkte ermittelt, wobei der Bereich Burgberg und das Gewerbegebiet an der L195 zum einen durch aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzungen, zum anderen mit Inbetriebnahme der B31-neu entlastet werden. Dies gilt nicht für Nußdorf und den Bereich Guggenbühl an der B31-alt. Von den beiden jetzt vorgeschlagenen Maßnahmen wird eine neue, viel längere Lärmschutzwand bei Nußdorf die augenfälligste sein, die die bestehende private Schutzwand auf einer Länge von 310 Metern und mit einer Höhe von 4,5 Metern ersetzen soll. Die frühere Bürgerinitiative hätte die B31 am liebsten mitten durch den Wald und das Nußbachtal gelegt, um den Verkehrslärm von seinen Ortsrändern fernzuhalten. Wie die aktuellen Erhebungen und deren Analyse zeigen, sind mehrere Wohngebäude im "Weller" betroffen, bei denen die zulässigen Werte überschritten werden. Für den Bereich Guggenbühl wird auf der B-31-Stadtumfahrung eine nächtliche Begrenzung auf 70 km/h auf einer Teilstrecke vorgeschlagen.

Hornstein (CDU): "Viel Lärm um wenig"

"Umfangreiche Berechnungen haben uns nun bestätigt, was wir schon lange fordern", sagte Günter Hornstein (CDU), "eine Geschwindigkeitsbegrenzung zumindest nachts." Nach den Vorstellungen des Gremiums sollte diese eigentlich ab Nußdorf entlang des ganzen Stadtgebiets gelten. Umso enttäuschter sei er vom tatsächlichen Ergebnis und beschrieb es mit "viel Lärm um wenig". Erfreulich nannte Robert Dreher (FWB/ÜfA) zwar die "Sensibilisierung für das Problem Lärm", das Ergebnis des Aktionsplans sei jedoch eher enttäuschend.

Werte berechnet statt gemessen

Etwas verwirrt fühlte sich dessen Fraktionskollege Hubert Büchele aus Andelshofen, da im Bericht einmal von den Berechnungen und dann doch wieder von Messungen die Rede sei. "Die Erhebungen müssen vergleichbar sein", bekräftigte Gabriele Schulze. Dies gehe nur mit Verkehrszählungen und deren rechnerischer Aufarbeitung. "Messungen wären viel zu aufwendig", sagte sie, da man dabei immer wieder unterschiedliche Bedingungen vorfinde. Zudem sei der gemessene Lärm in der Regel geringer als der theoretisch berechnete. Was Andelshofen betreffe, schaltete sich OB Jan Zeitler noch ein, hier sei die Verwaltung mit den Fachbehörden im Gespräch zu den ins Auge gefassten Geländeaufschüttungen.

Freude in Nußdorf

Schon jetzt zu den Gewinnern gehört Nußdorf mit der vorgesehenen neuen Lärmschutzwand. Er würde gerne dem Regierungspräsidenten schon im Vorgriff des Beschlusses den Antrag auf Bau und Finanzierung dieser Maßnahme übergeben, sagte Zeitler mit Blick auf ein Treffen mit Klaus Tappeser am morgigen Donnerstag. "Nußdorf wird sich sicher sehr freuen", sagte Ortsvorsteher Dietram Hoffmann.

 

Darum geht es bei der Lärmaktionsplanung

Die Lärmaktionsplanung ist Ausfluss einer EU-Richtline von 2002 sowie des Bundes-Immissionsschutzgesetzes und ein Instrument zur Regelung von Lärmproblemen und Lärmauswirkungen. Es basiert auf der Umgebungslärmrichtlinie der EU. Die Bürger sowie die Verwaltung sollen über Lärmprobleme und Lärmauswirkungen unterrichtet und für die daraus folgenden Konflikte sensibilisiert werden. Zugleich muss die Kommune ein Konzept vorlegen, wie sie die Lärmprobleme und -konflikte bewältigen und lösen will. Die erste Stufe war schon 2011 beschlossen worden. Bei der zweiten Stufe der Lärmkartierung sind die beiden Hauptverkehrsstraßen mit einer Verkehrsbelastung über dem Schwellenwert (8200 Fahrzeuge/24 Stunden) im Blick. Die Stadt ist daher zur Erstellung eines Lärmaktionsplans gesetzlich verpflichtet. (hpw)