Das Warten hat sich gelohnt: Nachdem die Bauarbeiter im November die ersten Asphaltschichten auf den Straßenabschnitt der neuen B 31 zwischen Tierheimkreuzung und Kogenbach aufgebracht hatten, wurde der Einbau der Deckschicht wegen der Witterung auf das Frühjahr verschoben. Und tatsächlich: Bestes Wetter begleitete am gestrigen Mittwoch die Aufbringung der Deckschicht. Diese dritte Schicht setzt einen wichtigen Punkt hinter eine Baumaßnahme, die – so die Hoffnung der Stadt und des Regierungspräsidiums (RP) Tübingen – einen wesentlichen Teil zur Verkehrsentlastung im Raum Überlingen beitragen wird. In gut einem Monat soll der drei Kilometer lange Abschnitt zwischen Tierheimkreuzung und Abigkreisel eröffnet werden. "Nach derzeitigem Stand kann die Verkehrsfreigabe dieses Streckenabschnittes voraussichtlich Ende Mai/ Anfang Juni 2018 erfolgen", teilt das RP mit. Somit könne der nach Baubeginn im August 2016 ausgegebene Zeitplan "trotz ungünstiger Witterung zu Beginn dieses Jahres" nach heutigem Stand eingehalten werden.

Um die vorausberechnete Bauzeit einhalten zu können, kam bei den Asphaltierungsarbeiten ein in Deutschland neuartiges Verfahren zum Einsatz. Statt wie bei einer Breite von zwölf Metern sonst üblich, mit zwei so genannten Fertigern zu arbeiten, hat die beauftragte Baufirma Storz in Überlingen erstmals nur einen Fertiger mit einer größeren Einbaubreite eingesetzt. Die Vorteile lägen in einer höheren Einbauqualität: "Auf der B 31-neu wollten wir eine Asphaltschicht ohne Naht", teilte das RP zu Beginn der Arbeiten im November mit. Der Grund: Während zwei Fertiger versetzt fahren müssen, kann eine Naht zwischen den Schichten entstehen, in die beispielsweise Wasser eindringen kann, was die Lebensdauer des Straßenbelags reduziert. Bei nur einem Fertiger über die ganze Breite sei dies ausgeschlossen.

Zwölf Meter Breite misst die starre Bohle, mit der der Fertiger diese letzte Asphaltschicht aufbringt. Bild: Storz
Zwölf Meter Breite misst die starre Bohle, mit der der Fertiger diese letzte Asphaltschicht aufbringt. | Bild: Storz

Zusätzlich konnte die Baufirma schneller arbeiten. Über 13 000 Tonnen Tragschicht und Binderschicht waren im November nahtlos an zwei Tagen eingebaut worden. Kurz vor der Schlechtwetterperiode hatte man so einen Deutschland-Rekord aufgestellt: In dieser Tonnage und Gerätekombination habe es so einen Einbau noch nicht gegeben, wie die Baufirma Storz mitteilt.

Heute wie damals am Steuer des Großfertigers: Roger Richter. Er kontrolliert mehr, als dass er selber steuert. Die Maschine fährt automatisch, gelenkt mit Satellitenhilfe. 2200 Tonnen sogenannten Splittmastix-Asphalt hat Richter am Ende dieser Schicht aufgebracht – eine Spezialmischung für hochbelastete Straßen. Insgesamt 27 Thermomulden – temperaturisolierte Sattelschlepper – füttern erst einen Beschicker, eine Art rollendes Zwischenlager, und dann seine Großmaschine mit heißem Asphalt. Richters Fertiger ist wieder mit einer zwölf Meter breiten starren Bohle ausgerüstet, mit der die 160 bis 180 Grad Celsius heiße Mischung nahtlos auf den Untergrund aufgebracht wird. Schließlich verdichten sie sechs Walzen. "Alles hängt von der richtigen und gleichmäßigen Einbautemperatur des Asphalts ab", erläutert Christian Rebmann, Bauleiter bei Storz. "Die Deckschicht ist das Gesicht der Straße. Wenn die nicht homogen und in bester Güte eingebaut wird, merkt das später jeder Autofahrer."

Sie haben gut lachen: Bauleiter Christian Fischer (links) und Storz-Bereichsleiter Asphalteinbau Christian Rebmann. Sie freuen sich auf das erfolgreiche Ende einer Großbaustelle. Bild: Storz
Sie haben gut lachen: Bauleiter Christian Fischer (links) und Storz-Bereichsleiter Asphalteinbau Christian Rebmann. Sie freuen sich auf das erfolgreiche Ende einer Großbaustelle. | Bild: Storz

Bis diese über die neue Straße fahren dürfen, müssen noch einige Arbeiten erledigt werden: Eine Brücke in Fahrtrichtung Owingen muss noch komplettiert und die dortigen Fahrbahnanschlüsse asphaltiert werden. Im zweibahnigen Streckenabschnitt zwischen dem Anschluss Kogenbach und dem Abigknoten erfolgen derzeit noch vorbereitende Arbeiten für die Errichtung der Mitteltrennung (Schutzwand) der beiden Fahrbahnen. Anschließend ist der Einbau der Asphaltdeckschichten für Mitte Mai vorgesehen. Zum Abschluss werden Schutzplanken errichtet sowie Fahrbahnmarkierungen und Beschilderungen angebracht.

So lange wird der Verkehr aus Friedrichshafen in Richtung Stockach sowie in der Gegenrichtung weiterhin über die B 31-alt und die K 7786 umgeleitet. Die Zufahrt von der B 31-alt nach Überlingen wird aufgrund des Baus unter Verkehr in mehrere Umleitungsphasen eingeteilt, teilt das Regierungspräsidium mit.

 

Der Neubau in Zahlen

  • Die B 31 neu wird auf einer Strecke von 4,5 Kilometern zwischen Tierheimkreuzung und Anschluss Burgberg ausgebaut.
  • Hinzu kommt rund ein Kilometer an Anschlussstrecken.
  • Hierfür werden insgesamt 250 000 Kubikmeter Erde bewegt.
  • Rund 60 000 Quadratmeter Straßenfläche werden neu asphaltiert.
  • Auf der gesamten Strecke entstehen sieben Brücken, zwei Stützwände, drei Lärm- und Immissionsschutzwände, neun Amphibiendurchlässe, zwei Wild- und Kleintierdurchlässe und zwei Regenwasserbehandlungsanlagen.
  • Die Gesamtkosten liegen nach derzeitigem Stand bei 34,4 Millionen Euro.

Quelle: Regierungspräsidium Tübingen