Kirchenmusik muss nicht immer von Mozart, Bach oder Haydn sein. Dies hat der außergewöhnliche Chor Vocalmania aus dem winzigen Ort Isenburg bei Horb am Neckar bewiesen, der in der Franziskanerkirche unter dem Titel „Silence.Tour“ ein ebenso außergewöhnliches Konzert gab. Statt Barock, Klassik und Romantik, setzt Chorleiter Rolf Wiechert seit Chorgründung auf moderne Chorliteratur und neosakrale Musik und damit ausschließlich auf Werke zeitgenössischer Komponisten.

Jan Zeitler, Oberbürgermeister von Überlingen: „Dies war ein sensationeller Auftritt des Chors Vocalmania in Überlingen und Horb-Isenburg kann stolz sein, was Vocalmania in die Welt hinausträgt.“
Jan Zeitler, Oberbürgermeister von Überlingen: „Dies war ein sensationeller Auftritt des Chors Vocalmania in Überlingen und Horb-Isenburg kann stolz sein, was Vocalmania in die Welt hinausträgt.“ | Bild: Bernhard Conrads

In den Konzerten, wie auch in Überlingen, verstärkt Wiechert die Stimmungen, die die Musik ohnehin von sich aus ausstrahlt, durch professionelle Beleuchtungen sowie instrumentale Begleitung. Mit Wirkungen weiß Wiechert umzugehen. Auch er nutzte, wie vom Münster- und Kammerchor bekannt, den Raumklang im Klangraum der Kirche, indem er beim Eingangsstück „Circle of life“ zwei Solistinnen in die Seitenschiffe der Kirche positionierte, während der Chor vorne auf der Bühne antwortete.

Ungewöhnliche Lieder für ein Kirchenkonzert bot der Vocalmania in der Franziskanerkirche unter der Leitung von Rolf Wiechert.
Ungewöhnliche Lieder für ein Kirchenkonzert bot der Vocalmania in der Franziskanerkirche unter der Leitung von Rolf Wiechert. | Bild: Bernhard Conrads

Auffallend war die herausragend gute Intonationsreinheit, die sphärischen Clusterklänge beispielsweise im „Lux aurumque“ von Eric Whitacre zum tollen Klangerlebnis werden ließen. Schöne, melodiöse Harmonien kennzeichneten das Lied „Baba Yetu“, einer Vater-unser-Vertonung in Swahilischer Sprache komponiert vom US-Amerikaner Christopher Tin. Inniglich erklang „Inno al signore della tempesta“ (Hymne an den Herrn des Sturms) des Komponisten Stefano Puri. Berührend war das Friedenslied „Weiße Fahnen“ von Silbermond und mit dem Lied „Gabriel‘s message“ von Jim Clements (UK) zeigte sich deutlich, welches solistisches Potential der Chor Vocalmania hat. Hervorzuheben sind der Tenor Dennis Wiechert sowie die Sopranistin Lara-Marie Wiechert (Tochter des Dirigenten), die es mit ihrer glockenklaren Stimme bis zum „drei-gestrichenen c“ schafft. Deutlich war im Konzert eine solide Stimmbildung und Fortbildung zu spüren, die es ermöglicht, solistisch bis zur Zehnstimmigkeit aufzutreten.

Eigene Arrangements von Rolf Wiechert

Das setzt entsprechendes Notenmaterial voraus. Wie Rolf Wiechert im Gespräch mit dem SÜDKURIER betonte, benutzt er die Kompositionen zeitgenössischer Komponisten für das Repertoire des Chors, macht bei Bedarf daraus aber auch eigene Arrangements, um die Musik an das vorhandene stimmliche und instrumentale Potenzial anzupassen. Als Zugaben erklangen „Kia Hora“ und „Give us Peace“ bei dem auch die Zuhörer mitsingen durften.