Selten gab es in den vergangenen Jahren bei einer Premiere des Sommertheaters so langanhaltenden Beifall wie nach der ersten Aufführung von "Volpone. Der Fuchs" der Festspiele Wangen, die dieses Jahr erstmals in Überlingen gastieren.

Mit großer Spielfreude und schonungslosem Körpereinsatz begeistert das junge Ensemble das Publikum im nicht ganz ausverkauften Kulturpavillon am See. Turbulent und mit Tributen ans 21. Jahrhundert inszeniert Peter Raffalt das rund 400 Jahre alte Stück des Engländers Ben Jonson, das dieser in Venedig ansiedelte. Doch sein Inhalt ist universell und zeitlos: Die Gier nach Geld, die die Menschen quer durch die Kontinente und die Jahrhunderte antreibt. Volpone, der Fuchs, mimt den Sterbenden und zieht mithilfe seines gerissenen Dieners Mosca Profit in Form von Geschenken und Liebesdiensten aus den Erbschleichern, die sie gegeneinander ausspielen.

Der ausgefuchste Volpone (Andreas Ricci, links) und sein noch gerissenerer Diener Mosca (Steffen Happel) spielen Erbschleicher gegeneinander aus.
Der ausgefuchste Volpone (Andreas Ricci, links) und sein noch gerissenerer Diener Mosca (Steffen Happel) spielen Erbschleicher gegeneinander aus. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Es ist eine Komödie, die sich witzig und voller Volten um das beliebte Motiv des betrogenen Betrügers dreht. Raffalt bietet statt des von Jonson vorgesehenen Endes gleich drei Varianten an, um, wie er sagt, zu verdeutlichen, dass es letztlich bei allen ums Gleiche geht. Aus dem Charakter des wackeren Soldaten Leone macht er eine Leonessa (Magdalena Oettl), die schlagkräftig für ihre Ehre kämpft, und die naive Colomba (Selina Ströbele) bekommt emanzipatorische Züge verliehen, inklusive eines Hauchs "Metoo", wenn sie ihrem Gatten Corvino, der sie skrupellos Volpone andient, ins Gesicht schleudert: "Grabbing by the pussy ist vorbei." Denn, so meint Raffalt, eine Frauenfigur wie die ursprüngliche Colomba, "kann man heute nicht mehr auf die Bühne bringen".

Beim Publikum, das bei solchen Szenen besonders viel Zwischenapplaus spendet, kommt Raffalts Volpone-Interpretation sehr gut an. Hannes Ingerfurth, der das Originalstück kennt, zieht Letzteres jedoch vor und findet die Inszenierung "etwas klamottenhaft". Bianca Fleischmann hingegen, die sich mit ihrer Familie spontan für "Volpone" entschieden hat, ist "vollauf begeistert", von der Vielfalt der Bühnencharaktere ebenso wie von der Schauspielkunst. Klasse findet sie auch das Bühnenbild von Dominique Wiesbauer, in dessen Mittelpunkt ein überdimensionales Bett steht. Ihr 14-jähriger Sohn Leo ist der gleichen Ansicht: "Ich bin erstaunt, dass man aus so wenig Bühnenbild so viel machen kann."

Das Publikum im Theaterpavillon spendet nach der Premiere langanhaltenden, donnernden Beifall.
Das Publikum im Theaterpavillon spendet nach der Premiere langanhaltenden, donnernden Beifall. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Kulisse für Wangen und Überlingen

Tatsächlich war es für Wiesbauer eine Herausforderung, eine Kulisse zu schaffen, die in Wangen ebenso funktioniert wie in Überlingen. Auch der Förderverein Sommertheater und Projektleiter Simeon Blaesi mussten sich an die neue Austragungsstätte erst gewöhnen. Vor der Pause fröstelten die Besucher, danach, als die Heizung lief, war es dann mollig warm. "Dafür, dass für uns alles neu war, hat alles wunderbar geklappt", freut sich Vereinsvorsitzender Thomas-Michael Becker. Auch die Schauspieler seien glücklich, dass sie den "Volpone" nochmals in anderer Umgebung spielen könnten. Das bestätigten Andreas Ricci und Steffen Happel, die die Hauptrollen Volpone und Mosca hinreißend spielen. "Es ist richtig toll, da es hier noch mal ganz anders ist. Das ist jetzt wie gereifter Käse", meint Ricci.

Ein Experiment nennt der künstlerische Leiter Raffalt das Gastspiel in Überlingen. "Wenn das hier ein Erfolg wird und wir gefragt werden", dann könne er sich eine Fortsetzung der Kooperation mit Überlingen sehr gut vorstellen. "Wir verstehen uns alle menschlich sehr gut und fühlen uns hier wohl und aufgenommen."

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Aufführungstermine des Sommertheaters im Überblick

  • Samstag, 1. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Sonntag, 2. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Dienstag, 4. September: Premiere "Der Kontrabass" 19.30 Uhr
  • Mittwoch, 5. September: Premiere "Heute Abend: Lola Blau" 19.30 Uhr
  • Donnerstag, 6. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Freitag, 7. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Samstag, 8. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Sonntag, 9. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Montag, 10. September: Derniere "Der Kontrabass" 19.30 Uhr
  • Dienstag, 11. September: "Frauen. Leben. Liebe" 19.30 Uhr
  • Mittwoch, 12. September: Derniere "Heute Abend: Lola Blau" 19.30 Uhr
  • Samstag, 15. September: "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr, Derniere "Volpone. Der Fuchs" 19.30 Uhr
  • Sonntag, 16. September: Derniere "Alladin und die Wunderlampe" 15 Uhr

Hier gibt es Karten

  • Karten bei der Tourist-Info am Landungsplatz, unter info@ueberlingen-bodensee.de, oder hier im Online-Shop. Karten kosten vor Ort 2 Euro mehr als im Vorverkauf. Spielort ist der Theaterpavillon der Kapuzinerkirche.
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