Überlingen – Noch keine Hoffnung auf Entlastung vom Schwerlastverkehr können sich die Bewohner Aufkirchs machen, die nach der Freigabe des ersten Teilstücks der B 31-neu eine leichte Linderung beim Lastwagenlärm erwartet hatten. Nach einer Verkehrszählung und einem Gespräch zwischen Straßenbauern, Stadt und Polizei, das als ergebnisoffen angekündigt war, hatte das Regierungspräsidium Tübingen mitgeteilt, dass die Umleitung in der bisherigen Form erhalten bleibe.

Anwohner: Stoppstelle am Burgberg für B 31-alt

Anwohner Rainer Ott und andere Aufkircher hatten gefordert oder angeregt, die Konzeption dahingehend zu ändern, dass der Verkehr in West-Ost-Richtung nach Friedrichshafen über die Neubaustrecke der B 31-neu und die noch nicht ausgebaute L 195 geführt wird. Um Staus am Abigknoten zu vermeiden, hatten sie vorgeschlagen, am Burgberg eine Stoppstelle für den Verkehr der B 31-alt Richtung Lindau einzurichten.

Behörde lehnt Vorschlag wegen Verkehrssicherheit ab

Mehrere Gründe sprechen aus Sicht des Regierungspräsidiums dagegen: die erforderliche Baustellenzufahrt von der L 195 sowie der intensive Baustellenverkehr und die Bautätigkeit an der geforderten Umleitungsstrecke. "Die Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit wäre dadurch für den Verkehr der B 31 eingeschränkt", teilte Pressesprecher Dirk Abel mit. Die geforderte Stoppstelle am Burgberg lehnten Polizei und Verkehrsbehörde aus Gründen der Verkehrssicherheit ab, da dies einer Stoppstelle auf freier Strecke entsprechen würde.

Verkehrszählung: Verkehr in Aufkirch bereits halbiert

Ohne Stoppstelle wären Rückstaus bis zum Abigknoten zu erwarten, erklärt die Behörde. Zudem habe sich die Freigabe des Teilabschnitts der B 31-neu im Juni gemäß der aktuellen Verkehrszählung der Verkehr in Aufkirch bereits halbiert. Eine Änderung der Verkehrsführung habe andere Betroffenheiten bei einem größeren Personenkreis zur Folge.

Schwerlastverkehr hat jedoch eher zugenommen

Da schnaufen sie hinauf nach Aufkirch: Noch ist für die Anwohner keine Entlastung bei Lärm- und Luftbelastung in Sicht.
Da schnaufen sie hinauf nach Aufkirch: Noch ist für die Anwohner keine Entlastung bei Lärm- und Luftbelastung in Sicht. | Bild: Hanspeter Walter

Die Halbierung gilt allerdings nicht für den Schwerlastverkehr, der sich nach wie vor in Kolonnen in der Serpentine begegnet. Vielmehr ist hier mehr Lastwagenverkehr unterwegs. Weil die Auffahrt auf die B 31-alt am Burgberg gesperrt ist, werden die Fahrzeuge, die aus Salem oder Pfullendorf kommen und Sipplingen oder Ludwigshafen als Ziel haben, nun zwar über den freigegebenen Streckenabschnitt nach Westen geleitet, an der Tierheimkreuzung allerdings über Aufkirch zur alten B 31 geschickt.

Anwohner nicht in Gespräche einbezogen

Enttäuscht war Rainer Ott insbesondere darüber, dass die Anwohner nicht zu dem Austausch zwischen Behörden und Stadt nicht einbezogen wurden. "Diese Zusage wurde nicht eingehalten", sagt Ott, der am vergangenen Mittwoch mit einigen Mitstreitern lediglich über das negative Ergebnis informiert worden war.

Noch will er nicht locker lassen. "Ich habe schon Kontakt mit der Stadtverwaltung aufgenommen und werde weiter am Ball bleiben", erklärt der Aufkircher. Nach wie vor ist Rainer Ott überzeugt, dass die vorgeschlagene Alternative durchaus tauglich wäre, an der Einfahrt zur B 31 am Burgberg Vorfahrt einzuräumen. "Das Gegenargument der Behörden war, dass die Leichtigkeit des Verkehrs beeinträchtigt werde, wenn die Fahrzeuge auf der alten Trasse dort stoppen müssten", berichtet der Aufkircher, teilt diese Einschätzung allerdings nicht. Umso mehr ärgert er sich, dass die Kritiker in den Gedankenaustausch nicht einbezogen worden seien.

Gefährliche Wendemanöver durch Ortsunkundige

Wendemanöver von Lastwagen, wie hier in Goldbach, sind auch schon unmittelbar nach dem falschen Abbiegen auf der B 31-alt bei Aufkirch zu sehen.
Wendemanöver von Lastwagen, wie hier in Goldbach, sind auch schon unmittelbar nach dem falschen Abbiegen auf der B 31-alt bei Aufkirch zu sehen. | Bild: Hanspeter Walter

Zudem gebe es nach wie vor zahlreiche Ortsunkundige, die Richtung Friedrichshafen wollen, zu früh abbiegen und dann in "halsbrecherischen Manövern" sofort wieder zu wenden versuchen, wie Rainer Ott nach eigenen Aussagen fast stündlich beobachten kann. Manche merkten es erst unten am See, versuchten es dort zu korrigieren oder drehten in Goldbach wieder mühsam um, wie der dortige Gassenpfleger Hubert Regenscheit schon seit Beginn der Bauarbeiten immer wieder monierte.

Bewohner am Schättlisberg beklagen Lärm und Feinstaub

Zu Wort gemeldet haben sich inzwischen auch Bewohner des Schättlisberg. Joachim und Nicola Reiter klagen über den Lärm und eine sichtbare Feinstaubbelastung auf der Terrasse ihres Hauses. Sie hatten sich wie Ott und andere Aufkircher schon auf eine Besserung gefreut. "Mit hochdrehenden Motorbremsen den Berg hinabschleichend und als brüllendes Getöse, wenn sie wieder auf die alte B 31 beschleunigen", nehmen sie die Lastwagen wahr. Mindestens ebenso unangenehm sei der "feine schwarze Bremsenabrieb und Auspuffruß, der sich hier oben kontinuierlich auf allen Flächen im Haus und Garten ablagert – einschließlich in den Lungen der Anwohner". Sie sind der festen Ansicht: "Die ganze Quälerei wäre beendet, wenn der Hauptverkehrsstrom jetzt endlich auch über die befahrbare, neu gebaute Straße fließen dürfte."