Der Aufbau zu den Überlingen Open ist in vollem Gange. Fast 15 Minuten bewässert Otto Jakob den Center-Court auf der Anlage des TC Überlingen. Der rote Sandplatz soll für die Qualifikanten zum Start des Turniers am kommenden Sonntag perfekt sein. Mittendrin auf der Anlage direkt am See zieht Markus Dufner seine Mütze zurecht. Der Turnierdirektor schleppt selbst mit, telefoniert kurz und dirigiert dann seine Helfer. Er weiß: Ohne den ehrenamtlichen Schweiß gäbe es in diesem Jahr keine elfte Ausgabe des Tennisturniers für Weltranglistenspieler.

Helfer identifizieren sich mit dem Turnier

Zumindest nicht in der konstant hohen Qualität, wie er ein wenig stolz heraushebt. "Die Arbeit mit den Vereinen hat sich absolut entwickelt. Man professionalisiert viele Dinge, man optimiert permanent im Aufbau. Das Zusammenspiel aller Beteiligten ist toll. Sehr viele Leute arbeiten unterjährig am Projekt, obwohl ich gar nicht aktuell involviert bin."

Herauszuheben sind der TC Überlingen und TC Altbirnau, die für das Turnier nicht nur ihre Anlagen zur Verfügung stellen. Ihre Mitglieder unterstützen tatkräftig – im Hinter- und Vordergrund. Für die Menschen seien die Überlingen Open über die Jahre zur Identifikation geworden, sagt Dufner. "Die Menschen reden von unserem Turnier. Wir haben die Überlingen Open, heißt es." Mittlerweile sind auch der TC Uhldingen, der TC Owingen und der TC Pfullendorf involviert. Sie stellen Balljungen und Linienrichter.

Hier schlagen ab Sonntag die Spitzenspieler auf: Otto Jakob spritzt den Center-Court, damit der Belag nicht zu trocken und staubig wird. Bilder: Julian Kares
Hier schlagen ab Sonntag die Spitzenspieler auf: Otto Jakob spritzt den Center-Court, damit der Belag nicht zu trocken und staubig wird. Bilder: Julian Kares | Bild: Kares, Julian

Bereichsleiter planen schon Monate im Voraus

Damit alles in der gewohnten Professionalität abläuft, gibt es ein Stellen-System, das im Vokabular ein wenig an ein Unternehmen erinnert. Es gibt Bereichsleiter. Eine Person übernimmt die leitende Führung in einem Aufgabengebiet: Für genügend Linienrichter, für einen reibungslosen Auf- und Abbau, für die Rundumversorgung der Spieler und für den Einsatz der Ballkinder. Für letzteres ist Marina Schöllhorn die Bereichsleiterin.

Ehrenamtliche Arbeit im Hintergrund

Die Beschreibung ihrer Tätigkeit ist lang: Sie muss über das Jahr genügend Kinder finden, mit einem Sportladen stellt sie die einheitliche Kleidung der Ballkinder zusammen. Sie organisiert ein Probetraining, damit die Kinder die Abläufe bei einem Tennisspiel kennenlernen. Sie stellt für jede Partie einen Trupp zusammen, dabei achtet sie auf die Mischung aus erfahrenen und unerfahrenen Kindern. Sie verpflegt die Kinder in den Pausen mit Essen und Trinken, cremt sie gegen die Sonne ein. Nebenbei bietet sie für Spieler des Turniers einen Schlafplatz an. Kurz gesagt: Auch Marina Schöllhorn ist die Überlingen Open. Zwar im Hintergrund, aber immer präsent.

"Solange es das Turnier gibt, werde ich das machen."

Sie sagt: "Es ist anstrengend, die komplette Woche über da zu sein", und verspricht ohne einen Zweifel in der Stimme: "Solange es das Turnier gibt, werde ich das machen." Außerdem, das möchte sie gesagt haben, sind in diesem Jahr fünf tennisbegeisterte Kinder von Asylbewerbern dabei. "Ich finde das ein tolles Zeichen für Integration."

Markus Dufner führt schon früh Gespräche für nächste Turnier-Ausgabe

Während die Bereichsleiter ihre Aufgaben im Griff haben, muss Markus Dufner das große Ganze im Auge behalten. Bei einer Veranstaltung mir rund 4000 Zuschauern muss die Finanzierung stehen. Seine Arbeit für die nächste Ausgabe des Turniers beginnt schon bei der Siegerehrung. "Ich habe bei der Ehrung sehr entscheidende Menschen mit mir auf dem Center-Court. Da beginnen die ersten Gespräche. Und es kommt sofort die Frage. Geht es nächstes Jahr weiter, Herr Dufner?"

15 000 US-Dollar Preisgeld werden ausgeschüttet

Das solle aber nicht den Anschein erwecken, dass jedes Jahr neu um das Turnier verhandelt werde. Es gebe eine sehr hohe Kontinuität bei Sponsoren und Partnern. Das Turnier gehöre zum Marketing der Stadt und habe eine hohe Akzeptanz. Trotzdem müsse er permanent Gespräche führen, sagt Dufner. "Ich habe vielleicht im September etwas Ruhe vom Tennis. Aber dann geht es relativ zügig. Zum Christkindl sollte ich die Finanzierung stehen haben. Im Frühjahr kommen dann die ersten Termine mit den Vereinen."

Und im August ist es dann soweit: 80 Punkte für die ATP-Weltrangliste und insgesamt 15 000 US-Dollar Preisgeld werden bei den diesjährigen Überlingen Open vergeben, die am Sonntag, 19. August, starten und sieben Tage später mit dem Finale auf dem Center-Court enden. Doch bevor die ersten Bälle am Sonntag über das Netz fliegen, wird geschleppt, telefoniert, aufgehängt und bewässert. Mittendrin steht der Turnierdirektor, der sich auf ein Team aus über hundert ehrenamtlichen Helfern verlassen kann.

Markus Dufner ist Turnierdirektor der Überlingen Open. Im Interview klärt er über die Veränderung des Turnier-Systems durch den Tennis-Weltverband (ITF) auf.
Markus Dufner ist Turnierdirektor der Überlingen Open. Im Interview klärt er über die Veränderung des Turnier-Systems durch den Tennis-Weltverband (ITF) auf. | Bild: privat

Markus Dufner: "Wir werden stärkeres Feld bekommen"

Herr Dufner, die Absichten der ITF bereiteten Sorgen. Was ist daraus geworden?

Es gab zu Beginn viele Gerüchte und die Unsicherheit, dass der Weltverband uns die Weltranglistenpunkte wegnimmt. Aus dieser Unsicherheit ist Zuversicht geworden. Wir haben weiterhin Punkte für die Weltrangliste und die Felder werden in Zukunft sogar stärker werden. Es findet eine Verknappung statt. In der Weltrangliste, genauso bei den Turnieren. Somit ist das Turnier von meiner Seite gesichert, natürlich müssen alle Partner mitziehen. Da bin ich aber zuversichtlich.

Wie sieht das neue System genau aus?

In Zukunft wird es zwei Weltranglisten geben. Die neue Weltrangliste sieht vor, dass sie nur bis zur Position 750 bei der ATP-Tour geht. Die Änderung sah auch vor, dass die Preisgelder erhöht wurden. Für die Spieler darunter gibt es die sogenannte Transition-Tour, das ist dann die neue ITF-Rangliste. Die Spieler brauchen dann genügend Punkte, um bei den großen ATP-Challenger-Turnieren mitspielen zu dürfen.

Was bedeutet das für Ihr Turnier?

Unser Turnier liegt in der Schnittmenge. Es kommen von oben Spieler, die nicht in die ATP-Challenger kommen und ITF-Spieler, die von unten zu uns kommen. Es wird eine neue und spannende Serie. Wir werden dadurch sicherlich ein stärkes Feld bekommen. Im nächsten Jahr geht es schon los.

Fragen: Julian Kares